CDU Wachtberg: Unmut wegen Bürgermeister-Kandidaten - Jörg Schmiidt

230 Mitglieder entscheiden : Unmut in CDU Wachtberg wegen Bürgermeister-Kandidaten

Jörg Schmidt ist Abteilungsleiter im Kassen- und Steueramt der Stadt Bonn, hat sich nun jedoch von der CDU als zweiten Kandidaten für die Wachtberger Bürgermeisterwahl aufstellen lassen. Nur zwei Wochen nach Verkündung der ersten Personalie ist sich die Partei nicht mehr ganz so einig.

Am Tag nach seiner für manchen CDU-Kollegen überraschenden Bürgermeisterkandidatur stand für Jörg Schmidt erst mal ein Gespräch mit seinem Dienstherrn an. "Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat mir Glück gewünscht", sagte der Abteilungsleiter im Kassen- und Steueramt der Stadt Bonn auf GA-Anfrage. Wie berichtet, hatte Schmidt am Montagabend in der Fraktion erklärt, gegen die Kandidatin des Parteivorstandes, Barbara Hausmanns, antreten zu wollen.

Warum aber dieser Schritt, zwei Wochen nach Bekanntgabe der ersten Personalie? Der neue Interessent für den Chefposten im Rathaus führte aus, der Entschluss sei in den letzten Tagen in ihm gereift: "Ich bin der festen Überzeugung, dass ich als Verwaltungsfachmann für die Gemeinde Wachtberg viel erreichen kann." Zudem habe er auch Rücksprache mit seiner Familie halten wollen. "Die müssen es mittragen", betonte der Adendorfer, der seit der letzten Kommunalwahl im Rat sitzt. Bis Ende 2018 war er zudem Vorsitzender der Wachtberger CDU.

Unmut über Arbeit der Findungskommission

Allerdings gibt es hinter den Kulissen nach GA-Informationen Unmut über die Arbeit der Findungskommission. Schmidt ließ durchblicken, verwundert gewesen zu sein, dass man ihn nicht gefragt habe. Deutlicher wird auf Anfrage Fraktionskollege Volker Gütten, der ebenfalls Interesse am Bürgermeisteramt gehabt hätte: "Unsere Namen sind dem Vorstand vorgeschlagen worden, aber mit uns hat keiner gesprochen."

Viele aus der Fraktion hätten gar nicht gewusst, wann die Kandidatenkür beendet werden sollte. "Es handelt sich aber nicht um eine Trotzreaktion, sondern einfach um einen Kandidaten aus der Fraktion heraus", so Gütten, der in Ließem wohnt. Er habe Schmidt schließlich den Vortritt gelassen: "Zum einen hätten wir ein fast identisches Angebot gehabt, zum anderen ist der Job ziemlich lebensbindend, davor schrecke ich doch etwas zurück."

Parteichef Jäger: Am Ende „war ich doch überrascht“

Zwar hatte Parteichef Franz Jäger Ende August betont, bis zur entscheidenden Mitgliederversammlung könnten weitere Namen fallen, am Ende aber "war ich doch überrascht". Die Kritik an der Arbeit der Findungskommission konnte er nicht nachvollziehen: "Es gibt an dem Verfahren nichts auszusetzen, wir haben in einem Mitgliederbrief im April darüber informiert", sagte Jäger. Zu den Auswahlkriterien durch Vorstand und Fraktionsvorsitz wollte er sich nicht äußern. Hausmanns habe sich aber selbst gemeldet. Letztere sieht das Ganze übrigens gelassen: "Mehrere Kandidaten gehören zum demokratischen Wettbewerb, wie auch einstimmige Empfehlungen durch Vorstände."

Die Frauen Union, die Hausmanns Kandidatur ausdrücklich begrüßt hatte, will nun überlegen, ob sie eine Wahlempfehlung abgibt. "Das besprechen wir auf der nächsten Vorstandssitzung", sagte FU-Vorsitzende Maike Scholz. Fraktionsmitglied Jürgen Kleikamp erzählte, die Personalie Schmidt sei mit lautem Beifallklopfen auf die Tische aufgenommen worden. "Dadurch, dass Jörg Schmidt bereit ist, für dieses wahrlich nicht einfache Amt anzutreten, vollzieht die CDU Wachtberg nun auch genau das, was die Bundes-CDU vorgemacht hat: Es gibt ein offenes Verfahren bei der Kandidatenkür", so Kleikamp.

Schmidt: „ausgewiesener Finanzexperte“

Er lobte Schmidt als "ausgewiesenen Finanzexperten" und gab an, im Namen weiterer Mitglieder zu sprechen - ob auch für Fraktionsvorsitzenden Hartmut Beckschäfer scheint fraglich. Schmidt habe seine Absicht zwar am Montag offenbart. "Die Fraktion hat dazu keine Position bezogen", so Beckschäfer. Die nun entstandene Konkurrenzsituation sei nicht per se eine Belastung für die Fraktionsarbeit: "Und ich hoffe, dass sie in den kommenden Wochen auch nicht zu einer wird." Das letzte Wort zur Kür des Bürgermeisterkandidaten haben die 230 CDU-Mitglieder. Laut Jäger noch vor den Herbstferien.

Amtsinhaberin Renate Offergeld (SPD) ließ am Dienstag weiterhin offen, ob sie erneut antritt. Sie verwies auf die Mitgliederversammlung ihrer Partei im Dezember.

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