Nostalgische Reise informiert über die Gemeindeneuordnung 1969: Bustour zu den Anfängen Wachtbergs

Nostalgische Reise informiert über die Gemeindeneuordnung 1969 : Bustour zu den Anfängen Wachtbergs

Altbürgermeister Hans-Jürgen Döring erzählt bei einer Bustour von den Anfängen Wachtbergs. Nach der Neuordnung 1969 wartete eine Menge Arbeit auf die Verwaltung.

Busfahrten durch Wachtberg mit gezieltem Blick auf Sehenswürdigkeiten hat Altbürgermeister Hans-Jürgen Döring 30 Jahre lang geleitet. „Dieses Mal zeige ich Ihnen keine Burgen, Kirchen und Schlösser“, sagte Döring. Stattdessen beleuchtete er das Wie und Warum der Geschehnisse im Rahmen der Gemeindeentstehung vor fünfzig Jahren.

Unromantisch, ohne Festreden oder knallende Sektkorken sei Wachtberg durch ein in Düsseldorf erlassenes Gesetz entstanden, das am 1. August 1969 in Kraft trat. Ihm selbst sei bei der Vorbereitung der Informationen dieser Bustour erst bewusst geworden, dass die Bundesrepublik und damit die Staatsordnung lediglich 20 Jahre zuvor gegründet worden waren. „Und nur 50 Jahre vor dieser neuen Raumordnung für Wachtberg haben Frauen erstmals das Wahlrecht erhalten“, ordnete er die Geschehnisse grob in die Historie des Landes ein.

Ein wenig Fantasie brauchten die Teilnehmer der Rundfahrt im vollen Bus gleich zu Beginn der Tour: Gegenüber des heutigen Rathauses ließ Döring durch geschickte Beschreibungen vor dem geistigen Auge seiner Zuhörer den alten preußischen Rathausbau aus dem Jahre 1873 auferstehen. Treppen und massive Holztüren dokumentierten seinerzeit, dass die Preußen mit behindertengerechter Bauweise nicht allzu viel im Sinn hatten, so Döring. Wegen Platzmangels sei der massive Bau von einer Baracke flankiert gewesen.

An seinem ersten Arbeitstag als Gemeindeoberinspektor, gleichzeitig dem ersten Tag der frisch aus der Taufe gehobenen Gemeinde Wachtberg, sei er die Treppen zum Dachbüro hinaufgestiegen und habe dort durch das Fenster das seinerzeit ländchentypische Bild betrachtet: den 263 Meter hohen Hümmerich, und hinter dem Rathausgarten eine Wiese, ein paar verstreute Kühe.

In dem Moment sei er sich nicht sicher gewesen, ob seine reine Bauchentscheidung in Wachtberg zu bleiben, wirklich das Richtige für ihn war. „Aber kurz danach ging es los“, kündigte er die teilweise turbulenten Ereignisse an, die Wachtberg in den Kinderschuhen erlebte.

Ineffiziente Strukturen hätte man damals verändern müssen, weil sich vorher jeder Ort als kleine Gemeinde selbst verwaltete und zudem eine übergeordnete Dachverwaltung unterhalten wurde. So beschäftigten sich vor der Neuordnung elf Körperschaften mit der Verwaltung von zehn Dörfern, deren Einwohnzahl teilweise Hundert Menschen kaum überschritt. Demnach gab es viel neu zu organisieren, als viele Bürger, überrascht vom Hauptstadtstatus der benachbarten Kleinstadt, ins Ländchen zuzogen.

„Es gab ja nichts. Keine Schreibtische, keine außerschulische Kinderbetreuung, nichts“

Alle brauchten Platz, Kindergärten, Schulen, Wasser, Strom und nicht zuletzt einen Weg, untereinander und mit den ursprünglichen Ortsbewohnern zusammenzufinden. Damals kamen Ideen auf, Pläne wurden geschmiedet und in Sitzungen und Besprechungen oft bis tief in die Nacht erörtert. An den Stationen Schulzentrum, Limbachstift, Köllenhof und zuletzt dem Einkaufszentrum zeigte Döring die Orte, an denen für die Grundversorgung aber auch für das gesellschaftliche Zusammenwachsen mit Hilfe eines umfangreichen kulturellen Angebots viel getan wurde.

„Für uns war es eine nostalgische Fahrt“, resümierte Angela Thelen, die mit ihrem Ehemann Hans mitfuhr. Beide leben seit Jahrzehnten in Wachtberg, haben seinerzeit die Ereignisse verfolgt und auchmitgestaltet. Vielen, die heute den Nutzen des Geleisteten genießen und auch noch meckern würden, weil es ihnen nicht genug sei, wüssten gar nicht, wie das damals war, sagte Hans Thelen.

„Es gab ja nichts. Keine Schreibtische, keine außerschulische Kinderbetreuung, nichts“, erinnerte er sich. „Unsere Generation hatte die einmalige Chance, an diesem Aufbau mitzuwirken.“ Er selbst hatte das in vielen Funktionen bei kulturellen Angeboten getan, seine Frau Angela hatte zusammen mit Gertrud Steiner musische Kinderkurse organisiert und gestaltet, um ein außerschulisches Angebot zu schaffen. „Damals hat keiner nach einem pünktlichen Feierabend gefragt“, erinnerte sich das Paar. „Man hat einfach mit angefasst.“

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