Verein "Kunst und Kultur in Wachtberg": Bewegung für Kopf und Füße

Verein "Kunst und Kultur in Wachtberg" : Bewegung für Kopf und Füße

Seit zwölf Jahren gibt es den Verein "Kunst und Kultur in Wachtberg", kurz KuKiWa. Derzeit hat der Verein 300 Mitglieder, Vorsitzender ist seit drei Jahren ist Alfred Schneider. Mit ihm und den beiden Vorstandsmitgliedern Christa von Düsterlho und Hans-Jürgen Döring sprach Rüdiger Franz.

Wer wird Mitglied bei KuKiWa?
Alfred Schneider: Bei unseren Mitgliedern handelt es sich zumeist um absolute Kultur-Idealisten, denn einen Vorteil gibt es ja nur mittelbar - indem die kulturelle Landschaft bürgerschaftlich gepflegt wird. Wir sehen uns in erster Linie als Förderer und nicht als Ausrichter.

Das bedeutet, die Mitgliedschaft erschöpft sich in der Einzahlung in einen Fördertopf?
Schneider: Wir verstehen uns als eine Art Energieversorger für die Wachtberger Kulturlandschaft, indem wir Künstlern, Vereinen und Institutionen dabei helfen, das finanzielle Risiko für eine Veranstaltung, die der Allgemeinheit zugute kommt, zu minimieren. Wir senken somit die Hemmschwelle für Aktivitäten, die ansonsten vielleicht nicht öffentlich präsentiert würden. Zumindest bei zwei Veranstaltungen pflegen wir aber auch als Verein die direkte Ansprache: Bei der Kulturwanderung und bei der Verleihung des Kulturpreises. Zudem gibt es in jedem Jahr den Wachtberg-Kalender, mit dessen Verkaufserlös wir unsere jährliche Fördersumme aufstocken.

Warum hat gerade das ländliche Wachtberg so einen agilen Kulturverein?
Hans-Jürgen Döring: Man muss sich ja nur die Struktur anschauen: Dass eine Gemeinde wie Wachtberg mit ihren 20 000 Einwohnern beispielsweise über vier Theatergruppen, fünf Gesangvereine, ein Jugendorchester, ein Kammerorchester, einen Malerkreis und zwei Fotoclubs verfügt, spricht doch für sich. Die ganze Vielfalt wird bei den in Kürze wieder startenden, von der Gemeinde koordinierten jährlichen Kulturwochen deutlich.

Und diesen Komfort möchten Sie noch ausdehnen?
Döring: Wir sehen ja, dass die Kommunen immer knapper bei Kasse sind. Wenn die Bürger kulturelles Leben haben möchten, müssen sie folglich selbst etwas auf die Beine stellen.
Schneider: Das Wirken des Vereins ist übergreifend auf alle Wachtberger Ortsteile gerichtet, insofern verfolgen wir einen integrativen Zweck. Außerdem unterstützen wir die kulturelle Arbeit in Schulen, Kindergärten und Büchereien. Zum anderen geht es natürlich darum, beispielsweise mit dem Kulturpreis Künstler zu würdigen, die in Wachtberg wirken.

Was muss man tun, um den Wachtberger Kulturpreis zu gewinnen?
Christa von Düsterlho: Bei fast allen bisherigen Preisträgern handelt es sich auch um Wachtberger Bürger. Eine zwingende Voraussetzung ist das aber nicht. Zumindest aber müssen sie sich künstlerisch in Wachtberg engagiert haben.

Wie sieht Ihre Mitgliederstruktur aus, und was kostet der Beitrag?
Schneider: Bei unseren etwa 300 Mitgliedern handelt es sich hauptsächlich um Einzelpersonen. Der Jahresbeitrag kostet 30 Euro pro Person, eine Familienmitgliedschaft kostet 40 Euro.

Und wie viel Fördergeld ist schon geflossen?
Schneider: In den zwölf Jahren seiner Existenz hat der Verein mehr als 120 000 Euro an Förderungen ausgezahlt.

Wie wird über die Förderung entschieden?
Von Düsterlho: Der Vorstand entscheidet anhand von Förderrichtlinien. Jeder Förderantrag wird in der Vorstandssitzung dezidiert besprochen.
Döring: Mehrere ehemals von uns geförderte Projekte tragen sich inzwischen selbst. Beispielsweise das Wachtberger Jugendorchester oder die Reihe "Jazz im Köllenhof".

Was hat es mit der Kulturwanderung auf sich?
Döring: Angefangen hat es 2004, seitdem gab es rund 15 solcher Wanderungen. Auf der zwölf bis 18 Kilometer langen Strecke wird Wachtberger Kultur erlebbar, indem wir Künstler an ihren Wirkungsstätten antreffen. Wir erreichen somit eine Bewegung in Kopf und Fuß. Mit der Kulturwanderung gelingt es uns einerseits, den eigenen Mitgliedern eine Attraktion zu bieten und zugleich Wachtberger Künstler bekannt zu machen. Zum anderen sind dabei in den vergangenen Jahren stets auch mehrere neue Mitglieder zu uns gestoßen.

Zu den Personen

Alfred Schneider (47), Ur-Wachtberger und freier Architekt, engagierte sich zunächst privat als Initiator der Kürrighovener Hofkonzerte. Seit drei Jahren ist er Vorsitzender des Vereins KuKiWa. Hans-Jürgen Döring (72) wurde als KuKiWa-Gründungsvorsitzender nach zehn Jahren von Alfred Schneider abgelöst. Der ehemalige Wachtberger Bürgermeister kam zwar in Frankfurt zur Welt, bezeichnet sich aber heute als "begeisterten Rheinländer". Christa von Düsterlho (72) wirkte 25 Jahre als Leiterin eines Ballettstudios, 40 Jahre freie Tontechnikerin in Bonn und als Buchautorin. Die gebürtige Bonnerin lebt seit 45 Jahren in Wachtberg. Als KuKiWa-Geschäftsführerin kümmert sie sich unter anderem um die Pressearbeit.

Die Kulturwochen

In diesem Jahr finden die Wachtberger Kulturwochen von Freitag, 14. August, bis Sonntag, 30. August, statt. Neben den "alten Kulturwochen-Hasen", jenen Teilnehmern, die sich durch ihre wiederholten Präsentationen bereits über eine eigene Fan-Gemeinde freuen können, darf man auch dieses Mal wieder auf einige "Neuzugänge" gespannt sein.

Das Spektrum der Kulturtage im Ländchen ist groß: Bildende Kunst, Theater, Musik, Lesungen, Tanz. Die 9. Wachtberger Kulturwochen sind auch in diesem Jahr wieder Teil des Rheinischen Kultursommers (www.rheinischer-kultursommer.de).

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