Berkum: Interview mit Pfarrer Michael Maxeiner über ersten Monate im Amt

„In Wachtberg unterstützt man sich“ : Pfarrer Michael Maxeiner über ersten Monate im Amt

Der neue leitende katholische Pfarrer Michael Maxeiner spricht über seine ersten Monate im Amt, die Ökumene und Pläne für 2020. Vorsätze fürs neue Jahr mag er nicht.

Nach dem vorzeitigen Weggang von Pfarrer Michael Hoßdorf hat Michael Maxeiner im August die katholische Gemeinde St. Marien übernommen. Der 37-Jährige sprach mit Silke Elbern darüber, was er an Wachtberg besonders schätzt und über seine Aufgaben.

Ihr Vorgänger ist im Unfrieden mit manchen Wachtbergern gegangen. Wie war der Empfang im August für Sie, als Neuen?

Michael Maxeiner: Ich kann nur allgemein sagen, dass ich nett aufgenommen wurde. Sowohl in der Einführungsmesse wie auch in vielen Gesprächen habe ich Herzlichkeit gespürt. Ich freue mich, hier sein zu dürfen.

Haben Sie schon einen Lieblingsplatz im Ländchen?

Maxeiner: Ich kannte Wachtberg vorher nur vom Hörensagen. Einen Lieblingsplatz in dem Sinne habe ich nicht. Aber woran ich mich immer erfreue, ist die Natur. Je nachdem wo man herfährt, hat man den Blick ins Rheintal oder auf die Obstplantagen, ins Grüne, das ist einfach herrlich.

Das Städtische fehlt Ihnen also nicht?

Maxeiner: Nein, ich bin auf dem Land groß geworden und war in ländlichen Kommunen eingesetzt. Das einzige Mal, dass ich mit der Stadt als solcher zu tun hatte, war während meines Studiums und der Zeit in Leverkusen.

Haben Sie besondere Anliegen, was Ihre Gemeinde angeht?

Maxeiner: Das Schöne als Pastor ist, dass ich die Menschen vom Anfang bis zum Ende des Lebens begleiten kann. Das macht mir Freude. Die letzten Jahre als Kaplan habe ich mich viel in der Jugendarbeit engagiert, also Messdiener- und Firmvorbereitung. Aber ich bin generell für die gesamte Gemeinde zuständig.

Schon vor Ihrer Ankunft war klar, dass der nächste gleichzeitig der letzte Leitende Pfarrer nur für Wachtberg sein wird. Ist die Vorbereitung dieses Schritts eine Ihrer Hauptaufgaben in den kommenden acht Jahren?

Maxeiner: Meine Aufgabe ist darauf hin zu arbeiten, mit der Gemeinde  herauszufinden, was uns hier wichtig ist und wie wir vor Ort eine lebendige Gemeinschaft sein können. Auch wenn kein eigener Pfarrer mehr hier sein wird. Denn dass die Bereiche größer werden, zeigt der Pastorale Zukunftsweg, den wir im Erzbistum Köln beschreiten.

Die Richtung des Anschlusses ist noch nicht klar, oder? Also ob etwa Richtung Meckenheim oder eher Richtung Bad Godesberg?

Maxeiner: Nein, das ist noch nicht entschieden.

Was ist für Sie wichtiger: Gläubige weiter in der Gemeinde zu halten oder Menschen neu für die katholische Kirche zu gewinnen?

Maxeiner: Kirche Jesu Christi muss immer missionarische Kirche sein. Wenn es nur noch darum geht, die Menschen zu halten, dann sind wir ein Verein, der sich nur auf sich selbst beschränkt. Aber wir haben eine Botschaft: Jesus Christus ist Mensch geworden, Gottes Sohn ist einer von uns geworden. Als Erwachsener hat Jesus die frohe Botschaft verkündet. Jetzt dürfen wir die frohe Botschaft verkünden, dass auch wir alle von Gott geliebt sind und zwar dort, wo Gott uns hingestellt hat. Wenn wir hier als Christen diesen Glauben leben, feiern und aus ihm heraus handeln, sind wir automatisch auch immer eine missionarische Kirche.

Welchen Stellenwert hat Glaubensvermittlung bei Kindern?

Maxeiner: Einen hohen und wir haben das Glück, das Familienzentrum in Berkum und die Kitas in Pech und Fritzdorf in katholischer Trägerschaft zu haben. Die Leiterinnen und Erzieherinnen sind engagiert dabei.  Es macht viel Freude, wenn die Kinder einen jetzt grüßen „Du bist der neue Pfarrer Hoßdorf“.

Im Januar wird die Gesamtpfarrei St. Marien zehn Jahre alt. Wie feiern Sie das?

Maxeiner: Am 1. Januar haben wir um 15 Uhr in der Pfarrkirche in Berkum die Neujahrsmesse. Der Neujahrstag ist zugleich das Hochfest der Gottesmutter Maria, die auch unsere Pfarrpatronin ist. Danach gibt es einen Empfang, im Oktober zudem eine Wallfahrt nach Lourdes. Die erste Wallfahrt der Gesamtpfarrrei, die damals Pfarrer Zeyen einführte, ging auch nach Lourdes. Die Neuauflage ist schon ausgebucht.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Wachtberg und Ihrem letzten Posten?

Maxeiner: Es waren sieben selbstständige Pfarreien mit 14 000 Katholiken, hier sind es 9500 in einer Gesamtpfarrei. Man merkt Unterschiede zum Beispiel in den Mentalitäten. Wenn zum Beispiel eine Pfarrei etwas angeschafft hat, hieß es „Das gehört uns, das haben wir angeschafft“. In Wachtberg leiht man sich diese Dinge aus und unterstützt sich mehr. Der wesentliche Unterschied ist: Jetzt bin ich Pastor und nicht mehr Kaplan.

Wie sah es personell aus?

Maxeiner: Es gab drei Priester mit jeweils 100-Prozent-Stellen. Hier sind es neben meiner Person noch Pfarrer Manfred Häuser als Ruhestandsgeistlicher und die beiden Mitbrüder Kaplan Joseph und Pater Pious, die jeweils eine halbe Stelle haben. Und Pastoralreferentin Brigitte Schmidt.

Ist das ausreichend?

Maxeiner: Bislang würde ich sagen ja. Aber ich bin bei allem noch im Kennenlernprozess. Dafür braucht man etwa ein Jahr.

Setzen Sie auf Ökumene?

Maxeiner: Die will ich in jedem Fall fortführen. Was wir beibehalten und was ich selbst als wichtig ansehe, sind die ökumenischen Dienstgespräche mit Pastoralteam und evangelischen Seelsorgern. Zum Beispiel zur Vorbereitung von Schulgottesdiensten oder anderen gemeinsamen Aktionen.

Was sind Ihre Vorsätze für 2020?

Maxeiner: Ich gehe nicht mit Vorsätzen ins neue Jahr, weil es zwar ein neues Jahr ist, in dem Sinne für mich aber nichts Besonderes. Ich freue mich aber, dass wir im Januar hier mit dem Projekt Adoration for Vocations beginnen. Das ist eine weltweite Initiative, bei der Gemeinden besonders für Berufungen zum Priestertum beten.  Wir wissen alle, wie wichtig Berufungen für die Kirche sind. Nicht nur zum Priestertum oder Ordensleben, sondern insgesamt, denn wir glauben ja, dass wir alle von Gott gerufen sind. Gott hat für jeden einzelnen eine persönliche Berufung.

Wie setzen Sie das um?

Maxeiner: Wir beginnen an zwei Orten. Einmal in Werthhoven in der Kapelle, etwa eine Stunde donnerstagnachmittags einmal im Monat und an einem Donnerstagabend in der Pfarrkirche in Berkum.