Alle ziehen an einem Strang: Adendorfer "Drehwerk" lockt viele Besucher an

Alle ziehen an einem Strang : Adendorfer "Drehwerk" lockt viele Besucher an

Das Kulturzentrum Drehwerk hat sich im beschaulichen Töpferort Adendorf zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Die Besucher kommen von weit her, um sich Film, Musik Theater oder Kabarett anzusehen oder -hören.

Vier Jahre lang hat die Familie Knorr auf dem ehemaligen Töpfereigelände an der Töpferstraße 17-19 Schritt für Schritt renoviert, saniert, gebaut und Ideen verwirklicht. Herausgekommen ist ein Kulturzentrum mit Kino, Bühne und Bistro-Restaurant im beschaulichen Töpferort Adendorf. Anfangs von einigen belächelt, mauserte sich das Projekt schnell zum überregionalen Publikumsmagneten. Zusammen mit seiner Frau Ille und den erwachsenen Kindern betreibt Rudi Knorr seit elf Jahren das vermutlich kleinste Kino der gesamten Region.

Zwölf Menschen sorgen hinter den Kulissen für den Betrieb. Wie viele davon für den Filmbetrieb zuständig sind, kann der Chef des Hauses nicht sagen. „Hier sind alle für alles zuständig. In so einem kleinen Unternehmen geht das gar nicht anders“, stellt er fest. Das Telefon nie weit von sich entfernt, sitzt er selbst oft genug an der Kinokasse, sorgt für die Bühnenbelegung, den Einkauf, Saalvermietungen, das Wohlergehen der Gäste und vieles mehr. Einzig unter den Filmvorführern hatte es eine Zeit lang Spezialisten gegeben.

„Der Job ist mit der Digitalisierung weggefallen“, sagte Knorr. Bis 2011 hatte man im Vorführraum noch mit echten 35-Millimeter-Filmen gearbeitet. Spannend sei es immer gewesen, wenn die Filme ankamen, berichtet der Unternehmer. Zumeist wurden rund 1000 Filme für etwa 4500 Leinwände in Deutschland unter den Kinos umhergeschickt. Die Großen bekamen die Streifen zuerst, die Kleinen später. Im Vorführraum musste dann aus jeweils vier kleineren Filmrollen ein kompletter Film zusammengestellt werden. „Die wurden dann bei uns geklebt und auf die große Filmrolle aufgeschlagen“, erklärt der Fachmann. So nennt man im Fachjargon das fachgerechte Vorbereiten der Rolle für die Vorführung.

Wegen falschem Film Besucher ins Bistro eingeladen

„Wenn die Filme alle in der richtigen Reihenfolge kamen, war immer alles in Ordnung“, schmunzelte Knorr. Wenn der Vorgänger aber versehentlich eine Rolle innerhalb eines Films falsch einsortiert hatte, hätte man so manches Mal puzzeln müssen, damit der Gast das Ende des Films nicht gleich zu Anfang sah. Bei einer Panne sei einer der Filmvorführer schier über sich hinausgewachsen, berichtet Knorr. Für eine Vorstellung war versehentlich ein falscher Film auf die Rolle geraten. Ruckzuck hatte man die Kinogäste für die Wartezeit ins Bistro eingeladen. „Normalerweise brauchte man zum Abschlagen des Films 20 Minuten und zum Neu-Aufschlagen nochmal 20“, so Knorr. Der junge Filmvorführer aber hatte innerhalb von 15 Minuten den gesamten Film von der Vorführrolle entfernt und den richtigen Streifen aufgerollt.

Solche Verwechslungen gibt es seit der Digitalisierung nicht mehr. Die Filme werden auf Festplatten geliefert und auf den Kinodatenspeicher überspielt. Etwa eine halbe Stunde braucht der Chef, um die das Kinoprogramm für eine Woche zu programmieren. Danach läuft fast alles automatisch.

Andere Verwechslungen hingegen kämen auch heute gelegentlich noch vor, wenn Gäste erstmals in den Kulturbetrieb kommen. „Wir haben im Bühnensaal auch die Möglichkeit, eine kleine ausziehbare Leinwand zu installieren. Da können für Tagungen oder Versammlungen auch Filme vorgeführt werden“, so Knorr. Da hatte sich ein Paar, das eigentlich ins Kino wollte, einmal in den Saal verirrt und erstaunt anstatt im Kinosessel an einem der Tische Platz genommen. „Meine Frau hat es gemerkt und den beiden das richtige Kino gezeigt“, schmunzelte Knorr.

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