Flüchtlingsarbeit in Wachtberg: Abschiedsfest für Flüchtlinge in der Wiesenau

Flüchtlingsarbeit in Wachtberg : Abschiedsfest für Flüchtlinge in der Wiesenau

Flüchtlinge und Ehrenamtliche feiern gemeinsam ein letztes Mal in der Wiesenau in Pech. Die Unterkunft wird nun aufgegeben.

Viele schwierige, aber auch glückliche Geschichten haben in der Wiesenau in den letzten Jahren stattgefunden. In dem kleinen Hotel am nord-östlichen Rand von Pech hatten mehr als drei Jahre lang Menschen Zuflucht gefunden, die in ihren Heimatländern verfolgt oder bedroht wurden. Nun sind alle in anderen Wohnungen angekommen. Zusammen feierten sie in der Wiesenau am Wochenende den Abschied von einem Ort, der für viele synonym für einen Neuanfang steht.

„Wir sind vor dreieinhalb Jahren aus Syrien hierhergekommen“, erzählte Ayham Qaimaq. Für den 31-jährigen Studienabsolventen war es in seiner Heimat gefährlich geworden. „Wenn man seine Ausbildung oder das Studium beendet hatte, musste man entweder zum Militär oder sich den Rebellen anschließen“, beschrieb er seine Situation. „Aber ich wollte keine Waffe in die Hand nehmen und ich will keine Menschen umbringen.“ Jeder Mensch habe das Recht zu leben, findet er. Deshalb ist er mit seiner Frau geflohen.

In dem Land, in das er floh, waren die ersten Schritte nicht einfach. Das ging vielen der knapp 60 Menschen so, die in den Jahren der starken Flüchtlingsströme in der Wiesenau eine erste Unterkunft fanden. „Es waren Alleinstehende, Paare, Familien mit Kindern. Und sie kamen aus vielen verschiedenen Ländern“, beschrieb Ehrenamtlerin Tülün Kahlenberg. „Alle hatten unterschiedliche Bedürfnisse, es gab Traumatisierte, es war eng und es gab die Sprachbarriere, weil die Leute aus so vielen Ecken der Erde kamen.“

All das galt es mit Flüchtlingshelfern, Sprachkursen, Orientierungs- und Integrationskursen zu bewältigen. All diese Kurse hat auch Qaimaq absolviert. „Mit Bestnoten“, sagte er. Sein Studienabschluss wurde in Deutschland nicht anerkannt, deshalb befindet er sich jetzt in der Ausbildung zum Mediengestalter.

Auch wenn er zu Beginn viel Heimweh hatte, hat er dank der vielen Helfer mit seiner kleinen Familie mittlerweile in Adendorf einen Platz zum Leben gefunden. „Deutschland ist für mich zur Heimat geworden“, sagte er. Er selbst geht seiner Arbeit nach, sein nun dreijähriger Sohn ist im Kindergarten gut integriert. „Meine Frau macht jetzt den nächsten Sprachkurs, sie hat auch Bestnoten“, sagt er stolz.

Beim Fest sieht er Weggefährten wieder, rekapituliert Entscheidungen und ist sich sicher, was er sich für die Zukunft wünscht: Einfach arbeiten und leben, wenn es geht mit der deutschen Staatsangehörigkeit. In jedem Fall aber will er einen weiteren Sprachkurs belegen, um sich besser ausdrücken zu können und seine Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern.

Wie ein Weg in die Zukunft gestaltet werden kann, zeigt im Gastraum des Hotels das Ergebnis der Arbeit der Ehrenamtlichen mit dem kleinen Theaterensemble, den Kindern der Flüchtlinge. „Gold oder Liebe“ heißt das Stück, dass sie zum Abschied und zu Ehren des 50-jährigen Gemeindegeburtstages aufführen. In dem Stück finden sich für die Wachtberger Gäste viele alte Bekannte wieder: Der Finder des Fritzdorfer Goldbechers Heinrich Sonntag, Tenor Anton Raaff und natürlich die über die Grenzen des Ländchens hinaus bekannte Kugel Wachtbergs.

Nach nicht enden wollendem, verdienten Applaus für die Kinder genossen die rund 70 Gäste Kaffee und Kuchen und kauften beim Basar kleine Weihnachtsgeschenke und Spiele ein. „Den Erlös werden wir für die weitere Flüchtlingsarbeit verwenden“, kündigte Ehrenamtskoordinatorin Katja Ackermann an. Denn obwohl in der Wiesenau keine Flüchtlinge mehr wohnen, wird die Arbeit dort auf jeden Fall weitergehen. „Wir bieten beispielsweise Begleitung und Unterstützung bei Alltagsfragen, Arztbesuchen und Behördenkontakten“, informierte Katja Ackermann die Anwesenden. Außerdem wird es weiterhin die Sprachpaten und die Samstagstreffs mit Sprachkursen, Freizeitangeboten auch für Kinder und Jugendliche, Ausflügen und Beratungen geben.

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