Syrer wohnen bei Buschhovener: Wohngemeinschaft mit Flüchtlingen

Syrer wohnen bei Buschhovener : Wohngemeinschaft mit Flüchtlingen

Eine ungewöhnliche, aber gut funktionierende Männerwirtschaft im Haus von Hans Hacke in Buschhoven. Zwei syrische Asylbewerber teilen sich ein Zimmer bei ihm. Die drei Männer kommen bestens miteinander klar, nicht nur beim gemeinsamen Fußballgucken.

Es ist eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft, aber sie funktioniert bestens: Der Buschhovener Hans Hacke hat zwei syrische Flüchtlinge in sein Haus aufgenommen. Im Januar dieses Jahres sind Fakhri Heso (39) und Ali Fetrawi (47) aus dem Übergangswohnheim in Buschhoven in Hackes Einfamilienhaus mit Garten gezogen. „Ich bin oft oben am Sportlerheim vorbeigelaufen und habe gesehen, wie die Flüchtlinge dort gelebt haben. Da ich alleine lebe, dachte ich: Da könntest du ja ein bisschen helfen.“ Hacke bot der Gemeinde ein Zimmer für die Flüchtlinge an. Ehrenamtliche Helfer vermittelten den Kontakt zu den Syrern, die bald bei ihm einzogen.

Für das 20-Quadratmeter-Zimmer bekommt Hacke 250 Euro Miete pro Monat. Zugrunde gelegt hat die Gemeinde Swisttal bei der Festlegung die Größe des Zimmers und den aktuellen Mietspiegel. Dass die Flüchtlinge auch Küche, Bad und das Esszimmer mitbenutzen, geht nicht in die Berechnung des Mietpreises ein, so Hacke.

Heso bezahlt seine 125 Euro Miete mittlerweile selbst: Er arbeitet halbtags in einer Kfz-Werkstatt, die andere Hälfte des Tages besucht er einen Deutschkursus in Bonn. Mittlerweile hat der Kurde aus dem syrischen Hasake das Niveau A2 des Europäischen Referenzrahmens erreicht und verfügt damit über grundlegende Sprachkenntnisse. Sein Mitbewohner Fetrawi wartet noch auf einen Platz im Integrationskursus, um die deutsche Sprache zu erlernen. Beim Gespräch mit dem General-Anzeiger übersetzen Lusin Barmakszian und Vrej Kozakjian, ein befreundetes Ehepaar, für die beiden Flüchtlinge.

Beide Syrer freuen sich über die Verbesserung ihrer Wohnsituation. „Wir fühlen uns frei“, sagt Heso, „Hans ist sehr, sehr nett.“ Und Fetrawi schätzt die Ruhe und Sauberkeit im Haus. Während sie im Übergangswohnheim Essen von einem Caterer bekamen, können sie sich nun ihre Mahlzeiten nach eigenem Gusto zubereiten. Konflikte gebe es bei der gemeinsamen Küchenbenutzung nicht, betonen die drei: Jeder habe seine eigenen Zeiten und sei für seine eigenen Sachen verantwortlich. Die beiden Syrer haben einen eigenen Kühlschrank.

Kulinarisch bleibt jeder in seinem eigenen Kulturkreis. Mit kulturellen Unterschieden gehen sie unverkrampft um. So bietet Hacke den Syrern manchmal scherzhaft Schwein an, wohl wissend, dass sie das als Muslime nicht essen. „Fakhri sagt dann immer: Kein Schwein, Kuh ja“, so Hacke schmunzelnd. Der 73-Jährige ist froh, dass beide im Haus und im Garten mit anpacken. So beteiligen sie sich an Reinigungsarbeiten, mähen den Rasen oder reparieren das Fahrrad. Gerne würde der handwerklich begabte Fetrawi sein Talent auch außerhalb des Hauses einbringen, sucht aber bisher trotz Hackes Unterstützung vergeblich nach einem Job. Im syrischen Idlib war er selbstständiger Metallbauer und beschäftigte zwei Mitarbeiter.

Fetrawi sei oft traurig, berichten seine Freunde. „Ich habe ein Jahr von meinem Leben verloren“, sagt der 47-Jährige und meint damit die Zeit, die er auf einen Termin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) für seinen Asylantrag gewartet hat. Anfang Oktober hatte er nun seine Anhörung und wartet auf den Bescheid. „In Syrien ist alles viel einfacher. Man braucht nicht so viel Papiere“, sagen die beiden Asylsuchenden.

Hacke kümmert sich um die beiden Flüchtlinge, wenn es nötig ist. Er vermittelt Kontakte oder fährt sie zum Amt. Und ein Interesse eint den Männerhaushalt: Bei Fußballspielen sitzen sie immer zusammen vor dem Fernseher.

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