Trinkwasser-Keime in Swisttal: Versorger reagiert mit Leitungsspülung und Chlorung

Trinkwasser-Keime in Swisttal : Versorger reagiert mit Leitungsspülung und Chlorung

Nachdem in Ahrweiler 15 Tage lang ein Abkochgebot wegen verunreinigten Trinkwassers galt, sind jetzt auch in Swisttal sowie Teilen von Euskirchen sogenannte coliforme Bakterien im Trinkwasser entdeckt worden.

Bei einer routinemäßigen Qualitätskontrolle am Mittwoch habe es eine Abweichung von den mikrobiologischen Normwerten der Trinkwasserverordnung gegeben, teilte die Regionalgas Euskirchen am Donnerstag mit. Am Abend erklärte das Unternehmen, dass nach der Spülung der Leitungen und der Chlorung des Trinkwassers die Messwerte nun "wieder nahezu im Normbereich liegen".

Die Regionalgas Euskirchen, die für den Wasserversorgungsverband Euskirchen-Swisttal (WES) seit Anfang des Jahres das operative Geschäft betreibt, hatte die Spülungen des Leitungsnetzes sowie die vorübergehende Zugabe von Chlordioxid zur Desinfektion des Trinkwassers gleich nach Bekanntwerden der Messwerte in die Wege geleitet. Diese Zusatzbeigabe entspreche den Vorgaben der Trinkwasserverordnung und sei gesundheitlich unbedenklich.

Die Menge der coliformen Bakterien sei signifikant geringer als die Funde im Kreis Ahrweiler, sagte Christian Metze, Geschäftsführer der Regionalgas Euskirchen, und berief sich dabei auf Erkenntnisse des renommierten Trinkwasserexperten Professor Martin Exner vom Hygiene-Institut der Universität Bonn, das ebenso umgehend informiert worden sei wie die Gesundheitsämter des Rhein-Sieg-Kreises und des Kreises Euskirchen.

Auch die Sofortmaßnahmen seien in enger Absprache mit den Gesundheitsämtern und in Zusammenarbeit mit dem Bonner Hygieneinstitut erfolgt. "Das sind fest vorgegebene Abläufe", sagte Metze auf GA-Anfrage. An sieben von 33 Messstellen seien die Verunreinigungen aufgetaucht, erklärte Metze weiter. Das Probenfahrzeug der Regionalgas Euskirchen sei nahezu permanent im Einsatz, um die Werte des Wassers zu überprüfen. Bis zu 20 Stunden könne es jeweils dauern, bis nach der Probenentnahme dann die Untersuchungsergebnisse vorlägen.

Ein Abkochgebot wie im Kreis Ahrweiler musste das Gesundheitsamt des Rhein-Sieg-Kreises bislang nicht anordnen, sagte Dirk Kassel, Pressesprecher des Kreises, auf GA-Anfrage. "Das Abkochgebot haben wir nicht ausgesprochen, weil keine akute Gefahr besteht", erklärte Kassel. Das Gesundheitsamt sei am Mittwoch in Swisttal vor Ort gewesen.

Wie lange die Chlorung vorgenommen werden muss, ist noch unklar. "Das hängt davon ab, was die Gesundheitsämter fordern", berichtete Metze. Als Ursache der Verunreinigung machte der Geschäftsführer die extremen Starkregenereignisse aus.

Coliforme Bakterien gelten nicht per se als schädlich - solange der Keim in geringer Menge auftaucht. Ein bis zwei Kilogramm solcher Mikroben können in einem menschlichen Darm vorkommen. Wenn ein solches Bakterium über das Trinkwasser in den Körper gelangt, siedelt es sich in den meisten Fällen im Darm an oder wird ohne Komplikationen wieder ausgeschieden. Nur bei vielen Erregern reagiert der Körper mit Durchfall.

Mehr von GA BONN