Interview mit dem Heimerzheimer Bundespolizeichef Carsten Westerkamp: "Transparent, verlässlich, ehrlich"

Interview mit dem Heimerzheimer Bundespolizeichef Carsten Westerkamp : "Transparent, verlässlich, ehrlich"

Er ist der Chef von 270 Mitarbeitern und damit quasi der größte Arbeitgeber in Swisttal. Seit 1. Mai dieses Jahres leitet Polizeidirektor Carsten Westerkamp das Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Heimerzheim.

Wie kommen Sie mit der neuen Aufgabe zurecht?
Carsten Westerkamp: Ich habe mich gut eingelebt, die Mitarbeiter haben mich gut aufgenommen. Viele kenne ich ja. Vor meiner Zeit in Sankt Augustin war ich ja schon einmal in Heimerzheim.

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?
Westerkamp: Ich führe Gespräche mit den Mitarbeitern, ich verfasse Stellungnahmen für andere Dienststellen der Bundespolizei oder für vorgesetzte Behörden. Ich kümmere mich um die Personalentwicklung und führe die Dienstaufsicht bei Lehrgängen und Seminaren durch. Die Bestandsaufnahme ist abgeschlossen.

Ihre erste Bilanz nach gut vier Monaten im Amt?
Westerkamp: Die Mitarbeiter sind sehr motiviert und engagiert. Die Aus- und Fortbildung befindet sich auf gutem Niveau. Wir verstehen uns als Dienstleister für die Einsatzdienststellen der Bundespolizei. Wir sind für den Qualifikationserhalt und -erwerb des Bundespolizeipersonals zuständig. Die jungen Leute, die zu uns kommen, erhalten hier eine Breitbandausbildung für Einsätze an den Flughäfen, bei der Bahnpolizei, bei der Grenzpolizei und für alle anderen Aufgaben der Bundespolizei.

Wie viele junge Leute bilden Sie pro Jahr in Heimerzheim aus?
Westerkamp: Etwa 500. Die Zahl wird jährlich neu festgelegt.

Welche Voraussetzungen muss ein/e Bewerber/in mitbringen?
Westerkamp: Körperliche Fitness und gute Deutschkenntnisse. Er oder sie muss für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung eintreten und ein solides polizeiliches Führungszeugnis vorweisen.

Wie hoch ist die Frauenquote in Ihrer Dienststelle?
Westerkamp: Der Frauenanteil in der Ausbildung des mittleren Polizeivollzugsdienstes liegt aktuell bei 10,91 Prozent. Im Polizeivollzugsdienst beträgt die Frauenquote in meiner Dienststelle 8,87 Prozent.

Gibt es gefährliche Einsätze, in die Sie Frauen lieber nicht schicken würden?
Westerkamp: Grundsätzlich spielt das Geschlecht bei der Aufgabenwahrnehmung keine Rolle. Im beruflichen Alltag hat sich meiner Einschätzung nach herausgestellt, dass Frauen beispielsweise im kommunikativen und psychologischen Bereich sehr stark sind.

Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil?
Westerkamp: Transparent, verlässlich und ehrlich.

Ehrlich war auch Ihr Vorgänger Rainer Mittmann, als er bei seiner Verabschiedung den Zustand einiger Gebäude am Standort mit dem Zustand einer preußischen Strafanstalt im 18. Jahrhundert verglich.
Westerkamp: So weit würde ich nicht gehen. Aber es ist schon richtig: Wir haben erhebliche infrastrukturelle Defizite. Die Gebäude sind auf dem Stand der 1980er Jahre. Wir streben an, deren Zustand jetzt Schritt für Schritt zu verbessern.

Was ist konkret am Standort Heimerzheim geplant?
Westerkamp: Wir werden eines der alten Gebäude abreißen und an der Stelle ein neues Haus für 420 Leute errichten. Baubeginn soll 2017 sein. Die Gesamtbaukosten des Wohnheims mit 150 Doppelzimmern und 120 Einzelzimmern werden aktuell auf 18,6 Millionen Euro geschätzt. Außerdem muss die Raumschießanlage saniert werden.

Ist der Standort mit dieser Investition langfristig gesichert?
Westerkamp: Ich sehe keine Anzeichen für eine Veränderung des Dienststellenzuschnitts. Schließlich sind wir das größte Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei.

Wann steht die nächste Vereidigung der Polizeianwärter an?
Westerkamp: Am 2. Oktober in der Burg Heimerzheim werden 155 Anwärter vereidigt. Wir gehen bewusst aus dem Standort heraus, um unsere Verbundenheit mit der Gemeinde zu zeigen.

Zur Person

Carsten Westerkamp (46) stammt aus Osnabrück. In Bramsche machte er 1987 sein Abitur und ging dann zum Bundesgrenzschutz. Bevor er Chef des Aus- und Fortbildungszentrums in Heimerzheim wurde, war er stellvertretender Abteilungsführer der Bundespolizei in Sankt Augustin. Westerkamp ist verheiratet, hat drei Kinder, lebt in Rheinbach. In seiner Freizeit spielt er gerne Fußball.

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