Swisttaler Lesetage: Jörg Manhold liest aus neuem Buch

Lesung mit GA-Autor Jörg Manhold : Warum wir das Rheinische so lieben

Warum wir das Rheinische so lieben? Dieser Frage widmet sich GA-Redakteur Jörg Manhold in seinem neuen Buch. Im Rahmen der Swisttaler Lesetage gab Manhold seinen dialektkundigen Zuhörern eine Kostprobe.

Warum wir das Rheinische so lieben? Auf diese Frage mag wohl jeder der 60 Gäste bei der Lesung von Jörg Manhold, Buchautor und GA-Ressortleiter, bei den Swisttaler Lesetagen eine persönliche Antwort gehabt haben. Viele konnten sich sicher auch mit dem Motto des Kölner Karnevals 2019 identifizieren: "Uns Sproch es Heimat." Für Manhold sind es heutzutage Begriffe wie Poesie, Heimat und Glück, die er mit dem Dialekt verbindet.

Denn wie seine dialektkundigen Zuhörer in der Scheune von Angela Garus in Heimerzheim war auch er sicher, dass vermeintlich derbe Sätze im rheinischen Dialekt einen anderen Charakter bekommen als im Hochdeutschen und man Bezeichnungen wie "Föttchesföhler" eher augenzwinkernd quittiert. Obwohl es auch Zeiten gab, als Dialekt verpönt war und Plattsprecher als Angehörige der Unterschicht galten, hat sich das mittlerweile geändert. Es gibt sogar die These in der Sprachforschung, dass Menschen, die mehrsprachig oder mit zwei Varianten einer Sprache aufwachsen - wie Hochdeutsch und Dialekt - ein besser trainiertes Gehirn haben.

Die Swisttaler Lesetage. Foto: privat

Während Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner als "Eefeler Mädsche" der Dialekt schon in die Wiege gelegt wurde, kam der in Duisburg geborene Autor Manhold erst als Kleinkind bei seiner Tagespflegefamilie in Heimerzheim mit dem Rheinischen in Kontakt. Und lernte dort gleich nach dem Wort "Mama" das Wort "luurens".

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Manhold mit dem Rheinischen und veröffentlicht jeden Samstag im General-Anzeiger seine Kolumne über rheinische Redensarten, aus der das Buch "Rheinische Redensarten - Der rheinische Glücksratgeber" entstanden ist. Seither hat er mit Anregungen von Lesern ein zweites Buch geschrieben, das sich den alten Redewendungen widmet. Es wird Ende Oktober erscheinen: "Rheinisch für Fortgeschrittene - Handbuch der rheinischen Lebensart." Aus der Beschäftigung mit den hiesigen Redensarten extrahierte Manhold die wichtigsten Grundregeln für das Leben im Rheinland.

Kurz und knapp und von Einsilbigkeit geprägt ist unterdessen die Redewendung "Von nix kütt nix": Soll heißen, dass man sich anstrengen muss, um etwas zu erreichen. Was sich in der rheinischen Version aber doch gleich viel entspannter anhört.

Faible für bildhafte Sprache

Auch ein Faible für bildhafte Sprache hat Manhold im Dialekt ausgemacht. Zum Beispiel über die Ähnlichkeit von Vater und Sohn: "Dä jlisch singem Vatte wie jekotz und jedresse." Was sich in der Übersetzung ins Hochdeutsche beim Autor vornehmer anhört: "Der gleicht seinem Vater wie von ihm selbst ausgeschieden." Hohen Wiedererkennungswert hatten einige Lieblingswörter der Rheinländer wie Poppeköchekäppesje (Rosenkohl) und Plüschprumm (Pfirsich). Als es um örtliche Spitznamen ging, konnten die Zuhörer einiges beitragen: etwa "Nudel" für einen recht schlanken Mitbürger.

Jörg Manhold liest bei den Swisttaler Lesetagen. Foto: privat

Im Rheinischen Fächer, dem linguistischen Übergangsgebiet zwischen Krefeld und Speyer, findet sich auch manche Melange mit Elementen aus dem Kindervokabular, die jeder versteht, zum Beispiel: "Mach dat Mäh mal Ei" (Streichel mal das Schaf).

Verhindert war Sprachwissenschaftler Georg Cornelissen, bei dem sich Manhold oft Rat holt. Die lokale Mundartband "Jood Jemisch" in der Trio-Formation übernahm mit dem neuen "Swisttal-Lied" und anderen Stücken ebenso wie Manhold mit seiner Quetsch den musikalischen Part.

Mehr von GA BONN