Einladung in den "Big Apple": Swisttaler Chor singt in New Yorker Carnegie Hall

Einladung in den "Big Apple" : Swisttaler Chor singt in New Yorker Carnegie Hall

Der Chor "Joy'n'Glory" aus Swisttal-Buschhoven tritt im Juni gemeinsam mit Sängern aus aller Welt in New York auf. Die Reise müssen die Sänger aus der eigenen Tasche finanzieren.

Buschhovener Sänger in einer Reihe mit Künstlern wie Ella Fitzgerald und Miles Davies? Am 9. Juni 2019 kann sich der Chor „Joy'n'Glory“ in die Riege der Künstler einreihen, die in der legendären Carnegie Hall in New York aufgetreten sind. Als das Angebot der New Yorker Konzertagentur DCINY per E-Mail eintraf, dachte Chorleiterin Monica Schneider-Henseler sofort an einen Fake. „Denn warum sollte so ein kleiner Chor wie unserer zu einem Event nach New York eingeladen werden?“, so Schneider-Henseler.

Nachforschungen bestätigten die Seriosität – im nächsten Jahr wird der Swisttaler Chor gemeinsam mit 200 Sängern aus aller Welt bei einem Konzert des US-amerikanischen Komponisten Christopher Tin dabei sein. Zur Aufführung kommen Tins Album „Calling all Dawns“, mit dem er 2011 zwei Grammys gewonnen hat, sowie Robert Rays „Gospel Mass“. Dass die Sänger aus dem Swisttaler Dorf in die engere Wahl der New Yorker gelangten, verdanken sie mehr oder weniger einem glücklichen Zufall.

Denn „Joy'n'Glory“ war mit dem afrikanischen Gospel-Song „Baba Yetu“ – er stammt aus dem Tin-Zyklus „Calling all Dawns“ – im Januar in Heimerzheim aufgetreten und hatte das Konzert anschließend ins Internet hochgeladen. Dort entdeckten es die Amerikaner auf der Suche nach qualifizierten Chören und nahmen Kontakt auf. „Das war so ungewöhnlich, dass wir es zunächst gar nicht glauben konnten“, freute sich der Vorsitzende des Chores Indra Beer.

Er ist einer der 15 Sänger, die sich am 7. Juni auf den Weg in die USA machen werden. Die Hälfte der Chormitglieder wird den Auftritt aus beruflichen oder privaten Gründen nur aus der Ferne verfolgen. 2500 Euro kostet die Teilnahme pro Person, Mittel, die nicht jeder Sänger zur Verfügung hat. Daher wird der Chor bei Konzerten in den kommenden Monaten um Spenden bitten. Einige Firmen und Stiftungen aus der Region haben schon Mittel bereitgestellt.

Unter dem Motto „Joy'n'Glory goes to New York“ steht das Benefizkonzert am Sonntag, 16. Dezember, ab 19 Uhr im Haus der Bonner Springmaus. „Denn wir müssen nicht nur Flug und Hotel bezahlen. Auch der Auftritt in der Carnegie Hall kostet jeden von uns 700 Euro“, erzählt Beer. Teuer ist auch die vorgeschriebene Kleidung – Frack und Abendkleider –, die sich die Sänger noch zulegen müssen. Während Beer schon die passende Garderobe hat, wartet Ismene Sebering-Elverfeld damit noch ein wenig. „Das Gewicht kann sich immer noch verändern. Ich werde erst im nächsten Jahr losziehen“, lacht die 44-Jährige, die die Fahrt in die US-Metropole kaum erwarten kann.

Die Sänger aus Deutschland werden nicht nur „Baba Yetu“, sondern auch die vollständige „Gospel Mass“ singen. So werden die ersten beiden Tage ausschließlich im Zeichen der Probe stehen. „In der Carnegie Hall zu stehen, wird ein umwerfendes Erlebnis sein. Allerdings wird mit Sightseeing nicht viel sein. Deshalb bleibe ich auch zwei Tage länger“, so Hildegard Rönte (73) aus Merl.

„18 Jahre gibt es den Chor mittlerweile, die Teilnahme in New York ist die Anerkennung unserer Arbeit. Es ist quasi der Ritterschlag“, sagt Schneider-Henseler. In den wöchentlichen Proben werden jetzt immer wieder Passagen und Takte der „Gospel Mass“ wiederholt und die Feinheiten eingeübt. Bis Juni nächsten Jahres muss die Musik perfekt sitzen. Denn Perfektion ist das Markenzeichen des Chores. Die konnte er immer wieder bei bundesweiten Auftritten wie in Limburg, Zülpich und Mannheim unter Beweis stellen.

Karten für das Konzert im Haus der Springmaus, Sonntag, 16. Dezember, ab 19 Uhr kosten 23,10 Euro und sind über die Tickethotline unter 02 28/79 80 81 erhältlich. Wer den Chor für seine Reise unterstützen möchte, findet auf der Homepage unter www.joy-n-glory.de entsprechenden Informationen.

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