Golf-Club Schloss Miel GmbH: Swisttal untersagt Turnier-Startschüsse

Golf-Club Schloss Miel GmbH : Swisttal untersagt Turnier-Startschüsse

Die Gemeinde Swisttal hat der Golf-Club Schloss Miel GmbH untersagt, auf dem Golfplatz Kanonenschüsse abzufeuern. Eine Ausnahmegenehmigung sei im Naturschutzgebiet nicht möglich.

Mit einem Kanonenschuss eröffnen die Golfer im Sommer montags um 18 Uhr ihre Turniere. Das stört nicht alle Anwohner, aber einige Nachbarn sowie der Verein "Rettet Bäume & Biotope" wehren sich: Die Ruhe der Anwohner werde gestört, Vögel würden vergrämt. Die Anordnung der Gemeinde will der Club nun laut Platzeigentümer Heinz Thelen juristisch prüfen lassen.

Anwohner Heinz Lexa beklagt auch, dass sonntags bereits zwischen 5.30 Uhr und 6 Uhr der Golfplatzrasen laut gemäht werde. Auch die viermal im Jahr stattfindenden Feuerwerke störten die Vögel. Norbert Phiesel, Geschäftsführer des Naturschutzvereins, wirft den Betreibern des Golfclubs "Rücksichtslosigkeit" und Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz und das Landesimmissionsschutzgesetz vor. Er hat im Namen seines Vereins eine Beschwerde an NRW-Umweltminister Johannes Remmel gerichtet, die dieser an die Bezirksregierung in Köln weitergeleitet hat.

Feuerwerke und Böllerschüsse seien eine "unzumutbare und vermeidbare Belastung" für Anlieger und Tiere. "Waren früher 30 bis 40 Enten auf und an den Teichen des Schlosses, ist heute nur noch gähnende Leere", hat Phiesel beobachtet. Eulen riefen nach Feuerwerken nachts und während des folgenden Tages nach ihren verstörten Jungen. Dass Jungtiere dadurch verendet seien, sei nicht auszuschließen. Das alles habe in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen.

In der Beschwerde legt Phiesel dar, dass sich inmitten der Golfanlage ein Naturschutzgebiet befinde sowie in zwei Kilometern Entfernung östlich und westlich zwei weitere Naturschutzgebiete, die Rückzugsräume für Tiere bieten. "Böllerschüsse und Feuerwerke vergrämen die Tiere, insbesondere streng geschützte und störanfällige Arten wie Rotmilan, Baumfalke und Wespenbussard", sagt Phiesel. Er kündigt an: "Sollte auch die Beschwerde an den Minister erfolglos bleiben, sind die direkt betroffenen Anlieger, die selbst versucht haben, der Böllerei Einhalt zu gebieten, bereit, mit dem Naturschutzverein und dem BUND eine Klage zu finanzieren."

Was eine Klage angeht, hält sich Achim Baumgartner, Sprecher der Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), allerdings zurück. Man könne nicht in allen Einzelfällen vor Gericht ziehen, außerdem habe der BUND dafür nicht genügend Geld. Die Situation in Miel müsse auf die Empfindlichkeit der Vogelarten geprüft werden. Und es sei zu fragen, ob die Störungen notwendig seien. Peter Meyer, Fachmann beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und Kartierer der Ornithologischen AG Bonn und Rhein-Sieg-Kreis, beobachtet den Schlosspark Miel seit Jahren.

Er sagt, der Rückgang der Populationen von Rotmilan, Schwarzmilan, Baumfalke und Wespenbussard sei seit mehr als zehn Jahren zu erkennen. Meyer: "Eine Brut konnte ich in diesem Zeitraum nicht mehr feststellen. Lediglich Mäusebussard, Waldkauz, Waldohreule, Buntspecht und Rabenkrähe sowie Singvögel konnten dort nachgewiesen werden." Zu erwähnen sei auch die kleine Graureiherkolonie direkt an der B 56 nahe dem Pferdehof. In der Scheune des Reitstalles brüte der Turmfalke.

Kritisch sei es zu sehen, dass Böllerschüsse und Feuerwerke dem Schutzzweck zuwiderlaufen könnten. Ausnahmeregelungen dürften nur außerhalb der Brutzeit erteilt werden, die von Mitte März bis Mitte Juli dauert. Trotzdem könne es sein, dass spät brütende Arten wie Wespenbussard oder Baumfalke gestört werden, denn diese brauchen vier Wochen länger. Durch einen Standortwechsel sei eine Art aber nicht gefährdet.

Zu den Feuerwerken des Golfplatzes sagt der Sprecher der Gemeinde Swisttal, Bernd Kreuer, eine Genehmigung hänge von der Intensität des Feuerwerks ab. Es müsse im Einzelfall geprüft werden, welche Vögel und deren Brutgeschäft betroffen seien. Es werde in jedem Einzelfall eine Stellungnahme der Unteren Landschaftsbehörde eingeholt. Zu den Klagen über zu frühes Rasenmähen: Der Golf-Club habe eine Ausnahmegenehmigung für Sonn- und Feiertage von 7 bis 9 Uhr.

Golfplatz-Chef Heinz Thelen wundert sich. Ihm seien außer der Beschwerde eines Anwohners keine Klagen wegen Lärms zu Ohren gekommen. Die Kanonenschüsse seien kaum zu hören, weil sie in Richtung Ludendorf gezündet würden. Man werde juristisch prüfen lassen, ob das von der Gemeinde ausgesprochene Verbot rechtens sei. Zum Feuerwerk: "Wir haben von der Gemeinde die Genehmigung für vier Feuerwerke im Jahr. Wir halten uns an die Auflagen. Wir informieren die Anwohner rechtzeitig. Viele erfreuen sich daran und laden Gäste ein."

Zum Thema Rasenmähen sagt Thelen, die GmbH habe 250.000 Euro in neue Hybridmäher investiert, die nur halb so laut seien wie die alten Modelle. Man beginne morgens auf der Ludendorfer Seite in einiger Entfernung der Wohnbebauung und komme später in Richtung Rheinbacher Straße. Thelen verweist auf das Bundesimmissionsschutzgesetz, wonach für landwirtschaftliche oder gewerbliche Nutzung Ausnahmen vom Mähverbot zwischen 20 Uhr und 7 Uhr gelten.

Er habe in den vergangenen Jahren jährlich 500 bis 1000 Gehölze und Jungbäume angepflanzt. Dies wolle er auch 2016 tun. Er könne nicht feststellen, dass weniger Vögel im Schlosspark leben. Man habe 15 Greifvogelstangen und zahlreiche Nistkästen angebracht, die vom Verein Naturschutz Rheinbach betreut würden. "Niemand tut so viel für den Naturschutz wie wir."

Edith Höhner und Johannes Beike wohnen seit acht Jahren an der Weiherstraße. Sie sagen, Feiern im Schloss nähmen sie kaum noch wahr. Über Feuerwerke werde man frühzeitig informiert. Und zu den Böllerschüssen: "Wir haben sie hier noch nie gehört."

Hans-Jochen Kunert lebt seit 1968 in Miel, ist Nachbar von Heinz Lexa an der Rheinbacher Straße und Mitglied im Golf-Club. Nach seinem Eindruck ist Lärmbelästigung durch Kanonenschüsse, Feuerwerke und Rasenmähen kein Thema in Miel. Er wisse nichts von Beschwerden.

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