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Gedenktafeln im Pflaster an der Kirchstraße: Stolpersteine für zwei Familien

Gedenktafeln im Pflaster an der Kirchstraße : Stolpersteine für zwei Familien

73 Jahre sind vergangen, seit jüdische Mitbürger von ihrem letzten freiwillig gewählten Wohnort Heimerzheim 1942 in verschiedene Konzentrationslager deportiert und von den Nazis ermordet wurden.

Seit Samstag erinnern sogenannte Stolpersteine an sie. Steine, die der Künstler Gunter Demnig vor ihren jeweils letzten Wohnhäusern verlegt hat. Steine mit Messingtafeln, auf denen die Namen nun zu lesen sind: Adolf Abraham Moses (Jahrgang 1897), Gela Moses, geborene Fröhling (Jahrgang 1915), Alexander Moses (Jahrgang 1936), Katharina Steinhardt, geborene Meyer (Jahrgang 1862), Jakob Steinhardt (Jahrgang 1899), Paula Steinhardt, geborene Levy (Jahrgang 1895) und Irene Steinhardt (Jahrgang 1928).

In einer würdigen, schlichten Feierstunde verlegte Demnig die Steine, auf denen auch das Geburtsjahr, das Deportationsjahr, und - wenn bekannt - der Deportationsort sowie Ort und Tag der Ermordung zu lesen sind.

Schüler und Schülerinnen der Georg-von-Boeselager-Schule skizzierten die Lebensläufe der ermordeten jüdischen Mitbürger. Pfarrerin Claudia Müller-Bück stimmte mit den Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde das jüdische Kaddisch - Heiligung - an. "Ich will fortleben, auch nach meinem Tod", zitierte Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner aus einem Tagebucheintrag von Anne Frank.

Auch die ermordeten jüdischen Mitbürger wollten leben, mit ihren Nachbarn, Freunden, Vereinskollegen und Mitmenschen, sagte sie. Dieses Leben sei ihnen genommen worden. "Innerhalb weniger Jahre wurden sie von geachteten Staatsbürgern zu rechtlosen Verfolgten. Männer, Frauen, Alte und Kinder, die mitten unter uns lebten. Ziel war ihre Vernichtung."

Die Bürgermeisterin dankte allen Beteiligten für das starke bürgerschaftliche Engagement und den breiten politischen Konsens über die Verlegung der Stolpersteine, mit denen künftig an das Schicksal der jüdischen Mitbürger erinnert werde. Zum Beispiel an Irene Steinhardt, geboren am 7. März 1928, die mit ihrer Großmutter Katharina Steinhardt, geborene Meyer, und ihren Eltern Jakob und Paula Steinhardt, geborene Levy, an der Kirchstraße 30 wohnte. Am 10. November 1938 musste die damals Zehnjährige aus dem Unterricht heraus die damalige Katholische Volksschule verlassen und besuchte dann die jüdische Schule in Bonn. 1942 wurde sie nach Minsk deportiert und im Vernichtungslager Maly Trostinec ermordet.

Anni Rupperath und Katharina Wolff stehen ergriffen vor den Stolpersteinen für Irene Steinhardt und ihre Familie. "Wir waren Freundinnen von Irene", sagten sie beiden älteren Damen. Gekommen waren auch die Schwestern Susana Klick und Carolina Spies, Töchter von Jakob und Martha Schmitz, denen 1937 die Flucht nach Argentinien gelang.l Sie sind weitläufig verwandt mit der Familie Steinhardt.

Und sie teilen die Meinung von Anni Rupperath und Katharina Wolff, die sagten: "Wir freuen uns über die Stolpersteine, damit das, was passiert ist, nicht vergessen wird." Susana Klick und Carolina Spies freuen sich auch darüber, dass ihnen die Verlegung eines Stolpersteins für ihren Großvater Hermann Schmitz in Hersel angekündigt worden ist, der dort nach seinem Umzug von Heimerzheim seinen letzten Wohnsitz hatte. Der Leiter der Projektgruppe Stolpersteine Swisttal, Udo Ellmer, dankte Gemeindearchivarin Hanna Albers und allen Beteiligten in der Projektgruppe und betonte: "Wir haben in Swisttal in wenigen Monaten das geschafft, was in anderen Kommunen leider noch undenkbar ist. " Er kündigte an, dass die Projektgruppe auch noch Stolpersteine für die Euthanasieopfer der Nazi-Gewaltherrschaft verlegen wolle, die es auch in Swisttal gegeben habe.