Aufgeben war nie eine Option: Schlaganfallpatientin hofft auf Behindertensportpreis der Gemeinde Swisttal

Aufgeben war nie eine Option : Schlaganfallpatientin hofft auf Behindertensportpreis der Gemeinde Swisttal

Melanie Csikert hat zwei Schlaganfälle erlitten - einen mit 25 Jahren, einen mit 34 Jahren. Mit viel Training hat sie es geschafft, auch mit Rollator und Stöcken mobil zu sein. Der SV Hertha Buschhoven hat sie nun für den Behindertensportpreis der Gemeinde Swisttal vorgeschlagen.

Ein Schlaganfall mit 25 Jahren, und das in der zwölften Schwangerschaftswoche – das war der erste Schicksalsschlag für Melanie Csikert. Ihrer inzwischen 22-jährigen Tochter, mit der sie damals schwanger war, sei „zum Glück nicht viel passiert“, sagt die heute 46-Jährige. Aber wegen der Schwangerschaft habe man ihr nicht viele Medikamente geben können. So konnte die werdende Mutter damals nicht mehr sprechen, war rechtsseitig gelähmt und leidet bis heute unter Gedächtnisverlust und Wortfindungsstörungen.

Dann mit 34 Jahren der zweite Schlaganfall. Die Ursache dafür sei bis heute unklar, erzählt die vierfache Mutter, möglicherweise gebe es einen Zusammenhang mit einem inzwischen operierten Tumor im Kopf. Csikert leidet unter einer Form von Muskel-Nerven-Erkrankung und ist seit vier Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Aber sie kann sich teilweise, nach viel Training in einer Reha-Sportgruppe, mit Rollator und Stöcken fortbewegen. Denn aufgegeben hat sie sich nie.

Weil sie damit für viele Menschen ein Vorbild ist, hat der Sportverein (SV) Hertha Buschhoven sie für den Behindertensportpreis der Gemeinde Swisttal und für den jährlichen Sonderpreis des Gewerbevereins vorgeschlagen, die bei der Swisttaler Sportlerehrung während des Sporttages des Gemeindesportverbandes (GSV) am Sonntag, 26. August, in der Sporthalle am Höhenring in Heimerzheim verliehen werden.

Motivationsschub für ihre Zukunftspläne

Nachdem die gebürtige Friesdorferin für einige Jahre „der Liebe wegen“ mit ihrem zweiten Mann in Gummersbach gelebt hatte, zog es die kleine Familie – Ehemann und den heute neunjährigen Sohn Tobias, die drei älteren Kinder sind erwachsen beziehungsweise leben beim Vater – wieder ins Rheinland, wo sie sich in Buschhoven niederließ. Samt drei Hunden, Fischen im Aquarium und einer Landschildkröte. „Ich habe über 20 Jahre als Einzelhandelskauffrau im Zoofachhandel gearbeitet. Das ist mein Traumberuf, der mich vor, während und nach meinen Schlaganfällen immer wieder beflügelt hat“, sagt Csikert.

Buschhoven hat sich für sie als besonderer Glücksfall erwiesen: dort ist sie auf die Reha-Sportgruppe von Hertha Buschhoven aufmerksam geworden. „Die Leiterin Angelika Hansen hat mit der Gruppe viel dazu beigetragen, dass es mir heute besser geht“, sagt die 46-Jährige. Nachdem die Neuro-Gruppe aufgelöst wurde, nimmt sie jetzt an der Orthopädie-Gruppe teil. „Ich versuche, alles mit dem Rollator mitzumachen, so weit es geht. Das Schöne ist, dass man kein Außenseiter ist. Wenn die Gruppe zum Walken geht, fahre ich eben mit meinem Scooter mit. Auch bei Tagesausflügen wird alles für den Rollstuhl und für Gehbehinderte organisiert“, sagt sie.

Fortschritte in ihrer Bewegungsfreiheit, ein soziales Umfeld, in dem sie sich angenommen weiß und insgesamt einen großen Motivationsschub für ihre Zukunftspläne hat ihr die Reha-Sport-Gruppe von SV Hertha Buschhoven gebracht. Nicht nur, dass sie bei einem „Rollstuhltag“ mit ihrem Sohn Tobias den Rollstuhl-Führerschein gemacht und dadurch Sicherheit in alltäglichen Dingen gewonnen hat. Dort hat sie auch einen jungen Mann kennengelernt, der als Rollstuhl-Basketball-Trainer arbeitet.

Leidenschaft für Basketball

„Just for fun habe ich auf Körbe geworfen und siehe da: Ich kann das!“, sagt sie strahlend. Seither ist spielt sie mit. „Das ist anstrengend, aber richtig schön“, sagt sie. Endlich könne sie wieder Sport machen, schließlich habe sie früher begeistert Fußball gespielt. Diese Leidenschaft teilt sie mit Sohn Tobias, der bei SV Hertha Buschhoven in der E-Jugend spielt. Und auch für Basketball begeistert er sich gemeinsam mit seiner Mutter: „Papa hat uns schon Bälle und Trikots gekauft.“

Mutter Melanie hat sogar eine Ausbildung zur Rollstuhl-Basketball-Trainerin begonnen und ist angemeldet für die Ausbildung zur „Übungsleiterin C im Rollstuhl“, die der Deutsche Rollstuhl-Sportverband ab Februar 2019 in Hamburg durchführt. „Auch das nehme ich auf mich, weil es mir einfach wichtig ist“, so Csikert. Dass es ihr nicht jeden Tag gleich gut geht, ist für sie kein Problem: „Natürlich gibt es auch Tage, wo gar nichts geht. Dann gibt es eben einen ruhigen Tag und später geht es dann wieder besser.“