Naturfilmer aus Heimerzheim: Oliver Roetz erzählt über seine Arbeit bei "Terra X"

Naturfilmer aus Heimerzheim : Oliver Roetz erzählt über seine Arbeit bei "Terra X"

Oliver Roetz filmt für das Naturmagazin "Faszination Erde" der ZDF-Reihe "Terra X" in der ganzen Welt. Jetzt kehrte er in seine Heimat Heimerzheim zurück.

Oliver Roetz ist schon vielen Tieren nahe gekommen. Seit Ende 2008 filmt der Kameramann für das Naturmagazin "Faszination Erde" der ZDF-Reihe "Terra X" in der ganzen Welt. Jetzt kehrte er in seine Heimat Heimerzheim zurück. Roetz' Jugendfreund Udo Ellmer hatte den Abend in der Maria-Magdalena-Kirche in der Reihe "50 Jahre Swisttal" organisiert. Roetz berichtete rund 100 Interessierten - darunter viele alte Weggefährten - in einem bebilderten Vortrag von seiner Arbeit.

Früher sei er dreimal die Woche in dieser Kirche gewesen, sagte Roetz, der dort mit seiner Jugendband die ersten musikalischen Gehversuche unternahm. "Was aber nichts gebracht hat", stellte er amüsiert fest. Zum Glück, könnte man angesichts der Bilder und Geschichten sagen, die er im Gepäck hatte. Darunter eine, die er erst vor wenigen Wochen erlebt hatte.

"Wir haben Fledermäuse auf Kuba gesucht." Rund 10.000 von ihnen lebten dort in einer Höhle, die deswegen auch von deren Fressfeinden, meterlangen Anakondas, belagert würde. In der Höhle sei es stockdunkel, gewesen, gefilmt hätten sie mit einer Infrarotkamera, um die Tiere nicht zu verstören. "Das heißt, man hört Fledermäuse und Schlangen, aber man sieht sie nicht." 40 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit bedeuteten: "Es regnet von der Decke." Wegen Histoplasmose, einer über die Luft übertragene Pilzkrankheit, mussten alle Masken tragen. "Und die ganze Höhle ist voller Schleim, weil die Fledermäuse überall hinmachen." Ungünstig, dass das Team durch die teilweise sehr flache Höhle robben musste. "Die Fledermäuse stinken bestialisch nach Kot, nach Erbrochenem, nach Urin", beschrieb Roetz. Den Ekel konnte man einigen in der Kirche an dieser Stelle vom Gesicht ablesen - doch dem Kameramann war das egal. "Ich würde da sofort wieder reingehen. Das war einer der schönsten Drehs, die wir seit Jahren gemacht haben", versicherte er. Orte zu betreten, an die sonst kaum jemand gelangt, sei Belohnung genug. Beim Bild von einem Grizzly im Fluss ging ein Raunen durch die Menge. Bis auf acht Meter sei das Tier an ihn herangerückt. "Ganz wichtig, wenn man solche Tiere dreht, ist es, dass man schneller ist als der Langsamste im Team", scherzte Roetz. Er, Moderator Dirk Steffens und Tonmeister Thorsten Czart bilden das Kernteam. Dieses "Triumvirat" werde um wechselnde Autoren ergänzt.

Ehrfurcht lösten Bilder von den nächsten Verwandten des Menschen aus: Berggorillas, Schimpansen und Makaken. "Der sieht genau wie ich jemanden, der ihm im Genpool zu 98 Prozent ähnelt", kommentierte Roetz die Nahaufnahme eines Schimpansen. Für Erheiterung sorgten Fotos von Erdmännchen, denen sich das Team mit einem Trick genähert habe: Sie summten jeden Tag die gleiche Melodie, bis die kommunikativen Erdmännchen merkten, dass vom Summern dieser Melodie keine Gefahr ausgehe.

In gewisser Weise war Roetz sein Beruf in die Wiege gelegt: Sein Vater war Korrespondenten-Kameramann in Asien. Geboren wurde Roetz Junior 1968 daher in Dhaka, Bangladesch. "Mein Vater hatte eine Weltkarte mit Pins. Jeder Pin stand für ein Land, in dem er gewesen ist", erinnerte er sich. Das habe er als Kind schon faszinierend gefunden. Als er 1990 selbst das Handwerk gelernt hatte und sein französischer "Kameravater" ihn fragte, ob er ihn als Assistenten acht Wochen lang nach Neuseeland begleiten wollte, zögerte Roetz nicht. "Damals dachte ich, wenn mein Leben so weitergeht, ist das gar nicht schlecht."

Mittlerweile seien er und sein Team durch ihren Beruf zu Umweltschützern geworden. "Der Klimawandel beschäftigt uns, wir diskutieren sehr viel darüber." Das CO2, das durch die vielen Flüge zu den Drehorten entstehe, versuche das ZDF zu kompensieren. Zudem habe der Sender versichert, ein Handbuch zum Thema umweltfreundliche Filmproduktion entwickeln zu wollen. Für eine Folge ging es im September in die sibirische Siedlung Tscherski. Fotos von abgesackten und völlig zerstörten Häusern machten deutlich, in welchem Maße der Permafrostboden dort auftaut - und laut Roetz langsam 16 Gigatonnen gespeichertes Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre abgibt. Um eine Frage aus dem Publikum kam Roetz nicht herum: Wo ist es am schönsten? "Island", lautet seine eindeutige Antwort. "Ein ganz besonderer Ort."

Mehr von GA BONN