Swist-Serie: Mord in der Morenhovener Mühle - Das lange Warten auf die Antwort

Swist-Serie : Mord in der Morenhovener Mühle - Das lange Warten auf die Antwort

Es ist ein malerisches Bild, das die alte Mühle von Burg Morenhoven dem Betrachter bietet. Doch was viele Gäste und Besucher nicht wissen: Mehr als 20 Jahre lag ein dunkler Schatten über der Idylle. So lange dauerte die Aufklärung eines Mordes, dem in der Silvesternacht 1985 die damalige Mieterin der Mühle, Dorothea Reischl, zum Opfer fiel.

Und im Ort fragte man sich all die Jahre: Wer tötete die Heilpraktikerin Dorothea Reischl? Ist es jemand, den man kennt? Erst im September 2006 konnte das Dorf aufatmen, als die Polizei bekanntgab: Der mutmaßliche Täter ist gefasst, und er ist nicht aus Morenhoven. Des Mordes verdächtig ist der 50-jährige Jürgen B. aus Daun.

Am 3. Januar 1986 findet der Bonner Freund der Heilpraktikerin die verstümmelte Leiche der 38-Jährigen in der Mühle - und gerät selbst in Verdacht. Jahrelang ist er für die Polizei der Verdächtige Nummer eins. Nach zwei Jahren wird die Akte erst einmal geschlossen, die Polizei war 139 Spuren nachgegangen, über Deutschland hinaus bis in die USA. Ohne Erfolg.

2003 nimmt die Kripo die Arbeit an dem Fall wieder auf, DNA-Spuren, die damals an Leiche und Tatort sichergestellt worden waren, sollen bei der Aufklärung des Mordes helfen. Im Februar 2006 bittet die Polizei 678 Männer, die zur Tatzeit in Morenhoven lebten, zum Massenspeicheltest, auch Jürgen B. ist darunter. Er lehnt den Test zunächst ab, bis ein richterlicher Beschluss ihm keinen Ausweg mehr lässt. Seine Probe erweist sich als Treffer. Er wird in seinem Haus in der Eifel festgenommen und leistet keinen Widerstand. Aber er bestreitet die Tat.

Am 15. März 2007 beginnt der Prozess gegen Jürgen B. vor dem Bonner Schwurgericht, und er bleibt bis zum Ende dabei: Er habe Dorothea Reischl nicht getötet. Er geht sogar soweit, den zwischenzeitlich verstorbenen Burgherrn und Vermieter der Heilpraktikerin in Verdacht zu bringen. Doch das Schwurgericht stellt fest: Der angesehene Morenhovener hatte zur Tatzeit ein wasserdichtes Alibi.

Welche Belastung der Tatverdacht für den Freund der Getöteten bedeutete, wird deutlich, als der Mann in den Zeugenstand tritt: Zusätzlich zu seiner Trauer um die Frau, die er geliebt hatte, lebte er all die Jahre in dem Wissen, dass er des Mordes an ihr verdächtigt wurde. Er habe viele Jahre gebraucht, um wieder ein halbwegs normales Leben führen zu können, erklärte er dem Gericht.

Nach elf Verhandlungstagen hat die Bonner Schwurgerichtskammer am 21. Juni 2007 keinen Zweifel mehr daran, dass es Jürgen B. war, der Dorothea Reischl in jener Nacht in der Mühle aufgelauert und überfallen hatte, als sie von einem Abendessen mit ihrem Freund aus Bonn zurückkam.

Jürgen B. schlug auf sie ein und erdrosselte sie mit einem Telefonkabel. Anschließend schändete und verstümmelte er ihre Leiche, steckte Messer und Gabel in den toten Körper und bestreute ihn mit Körnern. Sein Motiv ist bis heute nicht geklärt. Das Gericht geht zwar aufgrund der Leichenschändung von einer "sexuellen Zielrichtung" aus, hält aber auch "allgemeinen Frust" für möglich, da er kurz zuvor von seiner Freundin verlassen worden war. Wegen Mordes verurteilt das Gericht Jürgen B. zu lebenslanger Haft.

Endgültig abgeschlossen ist der Mord in der Morenhovener Mühle seit dem 2. April 2008: Da verwirft der Bundesgerichtshof sowohl die Revision von Jürgen B., der freigesprochen werden wollte, als auch die Revision der Bonner Staatsanwaltschaft, die eine besondere Schwere der Schuld ins Urteil festgeschrieben haben wollte. Seit diesem Tag im April ist das Urteil gegen den Mörder von Morenhoven rechtskräftig. Und ein dunkles Kapitel beendet.