Frau in Swisttal verprügelt: Mann rastet wegen Osterbrauch aus

Frau in Swisttal verprügelt : Mann rastet wegen Osterbrauch aus

Das Klappern zu Ostern ist ein alter Brauch. In Swisttal-Ollheim fühlte sich ein Mann davon so gestört, dass er eine Mutter im Beisein der Klapperkinder verprügelte und dabei erheblich verletzte.

In einem Fall „des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung“ ermittelt das Kriminalkommissariat 37 der Bonner Polizei. Zugetragen hat sich der Vorfall am Karsamstag, 15. April, in Swisttal-Ollheim. Aus „ermittlungstaktischen Gründen“ ging die Polizei zunächst nicht an die Öffentlichkeit.

Was war passiert? Eine Gruppe von sieben „Klapperkindern“ im Alter von sieben bis 15 Jahren war in Begleitung von zwei Müttern, 47 und 49 Jahre alt, gegen 18.20 Uhr auf der Straße Am Mattengraben unterwegs. In katholischen Gegenden ist es ein alter Brauch, dass Kinder am Samstag vor Ostern mit hölzernen Instrumenten klappernd durchs Dorf ziehen. Da von Karfreitag bis Ostersonntag die Glocken wegen des Todes Jesu schweigen, erinnern die Kinder die Gläubigen mit den Klappern um 6 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr an die Gebetszeiten.

Als die Gruppe von der Ludendorfer Straße in die Straße Am Mattengraben einbog, hielt ein schwarzer Porsche Cayenne an. Der Fahrer (kräftig, dunkelhaarig, Zopf) ließ die Seitenscheibe herunter. Nach Recherchen des GA habe er die Gruppe angeschrien, er fühle sich von den Klappergeräuschen belästigt. Wenn sie ihn morgens früh nochmals aus dem Bett klappern würden, würde er seinen Hund auf sie hetzen.

Täter droht mit Prügel, wenn das Klappern nicht aufhört

Darauf habe sich die 49-jährige Mutter an den Mann gewandt, um ihm den Brauch zu erläutern. Der habe jedoch davon nichts wissen wollen. Er sei aus dem Wagen ausgestiegen, habe der Frau Prügel angedroht, ihr die Klapper aus der Hand gerissen und diese zu Boden geworfen. Er habe das Gerät dann mehrmals aufgehoben und wieder auf die Straße geschleudert. Er habe seine Drohung wiederholt, wenn das Klappern nicht aufhöre, werde man ihn kennenlernen.

Auch auf die Kinder sei er aggressiv zugegangen und habe sie angeschrien. Als sich dann die zweite Mutter (47) einschaltete und ebenfalls das Brauchtum verteidigte, sei die Beifahrerin ausgestiegen und habe sie ins Gesicht geschlagen. Darauf habe sich ein Gerangel entwickelt. Die 47-Jährige bekam einen Tritt gegen den Brustkorb und stürzte auf die Straße.

Auf dem Boden liegend sei sie vom Fahrer und seiner Beifahrerin gegen den Rücken und in die Seite getreten und geschlagen worden. Die Frau habe sich aufgerappelt und sei dann nochmals getreten worden. Darauf habe sie angekündigt, den Angriff der Polizei zu melden. „Dann mach ich dich kalt“, habe der Mann geantwortet und sei auf die Kinder losgegangen.

Um ihn von den Kindern abzulenken, habe die Frau gegen das Auto getreten. Darauf habe der Mann sie erneut getreten, wodurch sie mit dem Kopf auf den Asphalt aufgeschlagen sei. Die geschockten Kinder hätten die ganze Zeit geschrien. Sie hätten bei einem Anwohner Schutz gefunden. Etwa zehn Minuten habe die gesamte Attacke gedauert, dann sei der Mann mit quietschenden Reifen weggefahren.

Die alarmierten Polizisten der Wache Rheinbach nahmen den Vorfall wenig später auf. Die geschlagene und getretene Mutter wurde in ein Krankenhaus gebracht. Dort stellte der Arzt Hämatome und Prellungen an den Beinen, am Rücken, an der Hand und an den Rippen fest. Die Frau ist immer noch in Behandlung.

Kinder werden psychologisch betreut

Das Erzbistum Köln hat den Kindern psychologische Betreuung angeboten. Nach Informationen des General-Anzeigers ist der schwarze Wagen weder auf den Mann noch auf dessen Beifahrerin zugelassen, sondern auf eine in Ollheim lebende Frau.

Laut einem Sprecher ermittelt die Bonner Polizei in verschiedene Richtungen. „Bereits bei der Anzeigenaufnahme haben die Beamten Zeugen befragt. Ergänzend kontaktierten die Ermittler telefonisch mehrere Zeugen und nahmen deren Schilderungen zum Sachverhalt auf. Der Polizei liegen Hinweise zu den beiden Verdächtigen (Fahrer und Beifahrerin) und dem von ihnen genutzten Fahrzeug vor. Diesen gehen die Ermittler aktuell nach. Die Tathandlungen ereigneten sich in Anwesenheit mehrerer Kinder. Um ihnen und den Geschädigten und Zeugen entsprechende Beratungsangebote machen zu können, binden die Ermittler die Opferschützer des Kommissariats Kriminalprävention/Opferschutz ein“, so ein Polizeisprecher abschließend.

Die Mütter wollen sich nicht von diesem Akt der Gewalt einschüchtern lassen und auch im nächsten Jahr wieder mit den Kindern klappern gehen. Dann allerdings in Begleitung von Männern.

Die Polizei bittet um Hinweise zu dem Vorfall unter der Rufnummer 0228/150.

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