Suchaktion in Buschhoven: Knochen stammen von einem Menschen

Suchaktion in Buschhoven : Knochen stammen von einem Menschen

Die US-Organisation History Flight suchte in Buschhoven nach einem vermissten US-Weltkriegspiloten. Ein Vortrag beleuchtete die Hintergrundgeschichte und Erkenntnisse der aufwendigen Arbeiten.

So viel vorweg: Die Knochenstücke, die die US-Nichtregierungsorganisation History Flight nach einer groß angelegten Suchaktion über mehrere Monate in einem Waldstück des Kottenforsts nahe Buschhoven gefunden hatte (der GA berichtete mehrfach), „stammen von einem Menschen“. Das erklärte Frank Güth, Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft für Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel“, die bei der Suche nach dem vermissten US-Weltkriegspiloten Charles E. Carlson geholfen hatte, am Mittwochabend während einer Informationsveranstaltung im Buschovener Pfarrheim: „Die Knochen sind nun in den USA, wo geprüft wird, ob noch eine DNA-Bestimmung möglich ist“, so Güth weiter.

Erst dann stehe zweifelsfrei fest, ob die Knochen tatsächlich von dem US-Piloten stammten, sodass dieser endlich würdig bestattet werden könne. Neben Güth standen den rund 50 Zuhörern noch der Luftkriegshistoriker Peter Kraut und Patrick Gniesmer, der mit einem zufällig Fund von Wrackteilen und Ausrüstungsgegenständen des Piloten die Suche ins Rollen gebracht hatte, Rede und Antwort. Ebenso der Buschhovener Peter Haarhaus, der die Aktion unterstützt hatte, und sich nun für die Aufstellung eines Gedenksteins einsetzt.

Am 23.12.1944 abgestürzt

Rückblick: Von Februar bis Juni hatte History Flight mit mehrerer Grabungsteams nahe Buschhoven nach den sterblichen Überresten des 23 Jahre alten Carlson gesucht. Der war mit seinem 4,5 Tonnen schweren Jäger vom Typ P 47 Thunderbolt am 23. Dezember 1944 in einem Waldstück nahe des Schützenhauses abgestürzt. Vorausgegangen waren erbitterte Luftkämpfen über der Region, wie Haarhaus, der selbst Luftwaffenpilot war, recherchiert hatte. Belegt ist laut Fachmann Güth anhand offizieller deutscher Notizen: Carlson, dessen Erkennungsmarke sogar vermerkt ist, wurde an beziehungsweise nahe der Absturzstelle beerdigt. Allerdings war das Grab von den später vorrückenden US-Truppen nie gefunden worden.

Ein Mitstreiter Güths hatte Mitte der 90er Jahre den Absturzort identifiziert. Ende 2006 fand dann Patrick Gniesmer per Zufall Wrackteile, einen Teil der Pilotenjacke sowie Knochen. Doch gingen noch knapp zehn Jahre ins Land, bis History Flight, die im Auftrag offizieller US-Stellen arbeitet, im Februar mit der Suche nach Carlson begann. Und das nicht nur mit Archäologen. Einer der effektivsten Mitstreiter war der speziell ausgebildete Leichenspürhund Rekker. „Der Hund hatte an der Absturzstelle fünf Mal angeschlagen“, wusste Güth zu berichten. „Vier Stellen waren positiv und es wurden Knochen gefunden.“

DNA-Abgleich soll für Gewissheit sorgen

Freilich konnten auch die History Flight-Mitarbeiter letztlich kein Grab mehr ausfindig machen, wohl aber viele Wrackreste und sogar Teile von Carlsons Fallschirm und Pilotenkappe.

Nachdem die Bonner Staatsanwaltschaft und Polizei die Knochenreste als „menschlich“ ermittelt hatte, muss laut Güth nun ein DNA-Abgleich in den USA für letzte Gewissheit sorgen. Wenn es nach Peter Haarhaus geht, soll in Buschhoven ein Gedenkstein an Carlsons Schicksal erinnern. Das traf auf Zustimmung bei manchem der Zuhörer, die vor allem die Suchaktion und Güths Vortrag „als großartiges Stück lebendiger Geschichtsaufarbeitung“ lobten.

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