Protestlieder: Klaus der Geiger im Kreaforum in Swisttal

Protestlieder : Klaus der Geiger im Kreaforum in Swisttal

Straßenmusiker und Protestsong-Ikone Klaus der Geiger und sein Trio Ruki Werch brillieren zum Doppelgeburtstag im Kreaforum mit zeitlosen Protestsongs voller Tiefe.

Man ist dann besonders gut, wenn man das tut, wofür man brennt. Klaus der Geiger brennt für Straßenmusik und Protestgesang, erhebt in seinen Texten die Stimme gegen Unterdrückung, Krieg, Rassismus, Umweltzerstörung, Ausgrenzung, Kapitalismus, Großkonzerne und die Macht des Geldes. Er singt für Demokratie und Toleranz, Frieden, Mitmenschlichkeit und Klimaschutz. Und er spielt sein Instrument, die Geige, mit Leidenschaft, Hingabe und Können. In all seinen Facetten erlebten die Zuhörer den 78-jährigen links-alternativen Musiker und Barden bei seinem Gastspiel im Kreaforum als Teil des Trios „Ruki Werch“ mit Uwe Dove (Gitarre) und Tom Fronza (Bass).

Bürgerlich fein gemacht hatte er sich selbstverständlich eigens nicht. In Latzhose, kariertem Hemd und nackten Füßen in Sandalen blieb er authentisch in seiner Art sich zu kleiden – auch wenn der Auftritt von Ruki Werch den brillanten Auftakt zu den Feierlichkeiten zum runden Doppelgeburtstag 20 Jahre Morenhovener Kabaretttage und 40 Jahre Kreativitätsschule bildete. Was alle drei Musiker seit Jahrzehnten verbindet, ist die Straßenmusik und die Freiheit, die sie ihnen gibt verglichen mit dem Knechten in einem Unternehmen.

Das machten sie gleich im ersten Lied „ Ich kam zur neuen Firma“ klar: „Wir scheißen auf Karriere und spielen auf der Straß‘, da sind wir unsre eig‘nen Herrn.“ Denn Frösche im Brunnen, die nur ein Stück vom Himmel sehen, wollen sie nicht sein, wie sie gleich im Anschluss im „Freiheitslied“ bekannten. „Brüder und Schwestern, sagt mir doch, was Freiheit ist.“ Für sie ist klar: „Nicht Freiheit, sondern Ketten schenkt uns das große Geld!“

"Zeit ist Geld"

Nach dem Freiheitslied musste auch ein Gassenhauer dran glauben: „Life is life“. „Lila lula leben. Aber das Leben ist hart. Um was geht es denn eigentlich im Leben?“ Das wollte Klaus der Geiger von einer Zuhörerin in der ersten Reihe wissen. Na, um was denn? „Um Liebe sicher auch“, kam es eher zögerlich. Womöglich ahnte die Zuhörerin schon, dass sie damit völlig falsch liegen würde – in den Augen von Klaus dem Geiger. Und so war es denn auch: „Och hüerens: Et jeht um die Rente!“, machte er klar.

„Denn Zeit ist Geld, Life is life und life is cash. Geld kostet Zeit, meine Zeit, deine Zeit, Lebenszeit, Zeit zu hören, zu riechen, zu schmecken, zu gehen, zu leben, gerne zu leben. Wenn das so ist, dann ist das Leben ein großer Driss“, waren sich „Ruki Werch“ einig. In ein anderes Genre wechselten die drei Musiker mit dem Klezmerstück „Shpil zhe mir a liddele in yiddisch, dervekn soll es freyd un nich keyn kiddesh – shpil a liddele mit harts un mit gefil“.

Mit Uwe Dove und Tom Fronza hat Klaus der Geiger, bürgerlich Klaus von Wrochem, bereits „mindestens zehn bis 20 Jahre auf der Straße“ gespielt. Woher der Name Ruki Werch kommt, erklärten sie auch: Zu Dritt unterwegs in Weißrussland, hörten sie von dem Vater eines Weißrussen, der in Deutschland im Krieg hatte Zwangsarbeit leisten müssen, dass die Zwangsarbeiter von den deutschen Aufsehern mit „ruki werch“ – auf deutsch „Hände hoch“ eingeschüchtert wurden.

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