Erweiterung oder Neubau?: Im Rathaus fehlen 762 Quadratmeter

Erweiterung oder Neubau? : Im Rathaus fehlen 762 Quadratmeter

Berater empfiehlt Neubau an anderer Stelle als wirtschaftlichste Lösung für Swisttal. Die Kosten der verschiedenen Varianten liegen zwischen sechs und acht Millionen Euro.

Ein Neubau des Rathauses an einem neuen Standort auf einem gemeindeeigenen Grundstück wie auf dem Bolzplatz gegenüber dem bisherigen Rathaus in Ludendorf – das wäre die wirtschaftlichste Variante für ein zukunftsfähiges Rathaus der Gemeinde Swisttal mit dem geringsten Ressourcenverbrauch. Zu diesem Ergebnis kommt Michael Bartoschek, Seniorberater der DKC Kommunalberatung GmbH, nach der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der Frage Sanierung oder Neubau des Rathauses.

Der Berater geht dabei davon aus, dass das bisherige Rathaus und die Nebengebäude nicht abgerissen, sondern anders genutzt werden können. „Man könnte es zum Beispiel verkaufen oder in Wohnraum umwandeln“, nannte Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner als Möglichkeiten. Mögliche Erlöse seien noch nicht eingerechnet, so Bartoschek, könnten aber gegebenenfalls den wirtschaftlichen Vorteil der Neubau-Variante weiter verbessern.

Eingeflossen in die Untersuchung waren ein Sollraumprogramm, ein Vergleich der möglichen Realisierungsvarianten (siehe Kasten) und eine Nutzwertanalyse einschließlich eines hausinternen strategischen Workshops. Jetzt ist erst einmal die Politik am Zuge. Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsanalyse werden in den Fraktionen und am 4. Dezember in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschusses (HFB) beraten.

Unstrittig zwischen den Fraktionen und der Verwaltung ist, dass das Rathaus in Ludendorf in die Jahre gekommen ist und in mehrfacher Hinsicht nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht: Der Bau ist nicht barrierefrei, der Datenschutz ist nicht gewährleistet, die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung können ebenso wenig eingehalten werden wie die technischen Anforderungen an moderne Arbeitsstätten.

50.000 Euro freigeben

Auf Basis einer Raumbedarfsanalyse, die eine Arbeitsgruppe der Verwaltung erstellt und dem Hauptausschuss vorgestellt hatte, war im Januar beschlossen worden, zunächst 50.000 Euro freizugeben und Angebote und Vorschläge von einschlägig erfahrenen Beratungsunternehmen anzufordern. Mit 24 Teilnehmern aus der Verwaltungsspitze hatte die DKC Kommunalberatung in einem hausinternen strategischen Workshop Ende August ein zukunftsorientiertes Flächen-Funktionsprogramm erarbeitet, wie Bartoschek im Rat berichtete.

Auf Basis der Mitarbeiterzahl von 78, den Vorgaben der gesetzlichen Unfallversicherung und den Empfehlungen der Gemeindeprüfungsanstalt hatte die Berechnung einschließlich des zur Zeit extern untergebrachten Gemeindearchivs eine Bruttobedarfsfläche von insgesamt 3113 Quadratmetern, eine Nutzfläche von 1995 Quadratmetern und rund 39 Quadratmetern je Mitarbeiter ergeben. Nach dem Ist-Stand fehlen demnach 762 Quadratmeter Nutzfläche beziehungsweise 1189 Quadratmeter Bruttofläche.

Für Joachim Euler (SPD) hatte die empfohlene Variante mit Neubau an neuem Standort die größten Fragezeichen, weil dabei über das bisherige Gebäude keine Aussage getroffen werde. „Das bestehende Gebäude ist doch dann eine Belastung“, fürchtete Euler. Potenzielle Erlöse seien nicht eingerechnet, so der Berater, denn das sei nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen.

Monika Wolf-Umhauer (FDP) vermisste Aussagen zu künftiger Digitalisierung der Verwaltung, denn das sei doch ein wesentlicher Grund für die Beauftragung gewesen. Auch Hanns Christian Wagner (CDU) vermisste diesen Aspekt. Die Büros sollten unter Berücksichtigung von Digitalisierung nicht so groß berechnet werden als würden 2043 noch große Aktenschränke darin stehen. Gisela Hein (SPD) fand „nichts Zukunftsorientiertes, weder Digitalisierung noch Home-Office-Möglichkeiten“ in der Darstellung. Werner Hahnenberg (CDU) malte als „Super Gau“-Szenario aus, dass sich nach Umsetzung von digitalisierter Verwaltung herausstelle, dass man die Hälfte der neuen Rathausflächen gar nicht gebraucht hätte. Dem schloss sich Sven Kraatz für die Grünen an.

Es sei ja auch Bestandteil des Prüfauftrags gewesen, Aussagen zu treffen wie die moderne Verwaltung in zehn Jahren aussehen werde, wie viele Menschen überhaupt noch ins Rathaus kommen und wie viel von zuhause erledigt werde. Hartmut Kircher (CDU) wollte die Nennung des Grundstücks Bolzplatz Essig/Ludendorf ersetzen durch allgemein „gemeindeeigenes Grundstück“, während Udo Ellmer (Grüne) forderte, ein künftiges Rathaus solle dorthin, wo die meisten Bürger wohnen: nach Heimerzheim.

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