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Löcher für den Artenschutz: Im Kottenforst entstehen knapp 50 Tümpel

Löcher für den Artenschutz : Im Kottenforst entstehen knapp 50 Tümpel

Man grabe ein Loch und warte, bis es sich mit Regenwasser füllt: Fertig ist der Lebensraum für Frösche, Molche und Enten. In den Villewäldern werden gerade neu ausgehobene Löcher zu Tümpeln, die bedrohten Tierarten Unterschlupf bieten.

Wer in den letzten Wochen einen Spaziergang durch den Kottenforst gemacht hat, dem wird vielleicht der große Bagger aufgefallen sein, der hier und da Löcher im Waldboden aushob. Dabei handelt es sich nicht um Bauvorhaben, sondern um eine Naturschutzmaßnahme. Die dabei entstehenden Mulden und Gräben sollen einer Vielzahl von teils bedrohten Arten als Lebensraum dienen.

Die Maßnahme ist Bestandteil des 2014 ins Leben gerufenen Projekts „Villewälder – Wald- und Wasserwelten“ des Programms Life+. Noch bis 2019 werden im Rahmen des Projektes zahlreiche Naturschutzmaßnahmen auf einer Fläche von 4378 Hektar zwischen dem Kottenforst und dem Phantasialand durchgeführt.

Eine dieser Maßnahmen ist die Anlage von Gewässern beziehungsweise die Optimierung bereits vorhandener Gewässer. Bei der Aushebung der Tümpel ist allerdings Präzisionsarbeit gefragt, denn der Bagger darf auf keinen Fall die wasserstauende Schicht des Waldbodens durchbrechen; sonst würde das Wasser schnell wieder versickern. Deshalb arbeitet der Baggerfahrer in enger Absprache mit Karina Jungmann von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft zusammen.

Mangel an Teichen lässt Bestände zurückgehen

Die Mulden füllen sich von selbst mit Regenwasser, und Wasserpflanzen siedeln sich ohne menschliches Zutun an, da ihre Samen meist schon im Boden vorhanden sind oder von Vögeln verbreitet werden. Viele der im Wald beheimateten Amphibien verbringen zwar den Großteil des Jahres am Waldboden, im Frühjahr suchen sie aber die Gewässer auf, um dort zu laichen. „Auch entwickeln sich ihre Larven in den Teichen“, weiß Jungmann. Wenn die Gewässer zurückgehen oder mit Laub gefüllt sind, finden die Amphibien keine geeigneten Laichplätze mehr und der Bestand geht zurück.

Besonders im Fokus des Projektes stehen gefährdete Arten wie der Springfrosch und der Kammmolch, so werden die Tümpel auch speziell an die Bedürfnisse einzelner Arten angepasst. Neben der Anlage der Gewässer werden teilweise auch Lichtungen geschaffen, da die Larven der Amphibien für ihre Entwicklung viel Wärme, also Sonnenlicht, benötigen. In enger Absprache mit den Forstrevierbeamten werden einige herabgefallene Äste und abgestorbene Bäume nicht entnommen, um sie als Unterschlupf für Tiere zu erhalten.

Lebensraum für Amphibien, Reptilien und Vögel

Die Gewässer ziehen neben Amphibien auch Reptilien an, die sich an den Ufern sonnen, und verschiede Vogelarten. In der Regel würde es nicht lange dauern, bis sich die Gewässer in die Natur eingefügt und die ersten Amphibien sie entdeckt hätten, erklärt Biologe Klaus Striepen vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. Der Bagger kommt nur in den Wintermonaten zum Einsatz, damit die Tiere im Frühjahr nicht gestört werden. Insgesamt wurden in den vergangenen zwei Jahren 49 Gewässer auf dem Gebiet der Villewälder angelegt.

Die Maßnahme ist nur ein kleiner Baustein des großen Projekts zum Erhalt der Eichen- und Mischwälder, die einzigartige Biotope darstellen. Mit einem Budget von 3,3 Millionen Euro wird das Projekt je zur Hälfte von der Europäischen Union und vom Land NRW finanziert. Partner sind das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft und die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft.

Wer sich auf die Spuren des seltenen Springfroschs und des gefährdeten Kammmolchs begeben möchte, kann dies bei einer Waldführung tun.

Informationen zu Führungen und Artenschutzprojekten:www.villewaelder.de.