Kabarett-Tage in Morenhoven: Hommage an Kabarettgenie Hüsch

Kabarett-Tage in Morenhoven : Hommage an Kabarettgenie Hüsch

Das Ensemble Arche Nova II eröffnet am Samstag, 13. Oktober, die 31. Morenhovener Kabarett-Tage. Dabei steht besonders eine Hommage an Hanns Dieter Hüsch im Fokus.

Der Titel hätte schon vergangenes Jahr – zum 30-jährigen Bestehen der Initiative KuSS (Kultur und Spektakel im Swisttal) – gut gepasst. Aber er tut es jetzt, ein Jahr darauf, nicht minder: „Ihr habt es weit gebracht.“ Kann man so sagen, meint aber jetzt zur Eröffnung der 31. Morenhovener Kabarett-Tage am Samstag, 13. Oktober, im Kreaforum vor allem das aktuelle Programm des Ensembles Arche Nova II mit Holk Freytag, Irmgard Haub, Jürgen Kessler, Nicole Meisenzahl und Markus Schönberg. Ihre Hommage an Hanns Dieter Hüsch – den Preisträger der Morenhovener Lupe 1990 – ist somit also fast schon eine Art Heimspiel.

Zur Erinnerung: 1956 gründete Hüsch in Mainz zusammen mit Gleichgesinnten das Ensemble „Arche Nova“, ein Kellerkabarett, das mit seinen Programmen „Aus dem Kon-Kursbuch der Zeit“ (1957), „Wer einmal in den Fettnapf tritt“ (1958), „Der Scheck heiligt die Mittel“ (1959), „Das kann ja heiter werden“ (1960), „Carmina Urana“ (1961), „Wie das Geschwätz es befahl“ (1961) und „Von Musen und Menschen“ (bis 1962) den Nerv der Zeit traf.

Und das, obwohl es im Gegensatz zum Düsseldorfer Kommödchen oder der Münchner Lach- und Schießgesellschaft nicht tagespolitisch, sondern vielmehr gesellschaftlich-philosophisch agierte. Sein Credo lautete: „Einzige Aktualität: Der Mensch“. Diesem Grundsatz folgte Hüsch auch, als die Arche 1962 auseinanderging und er fortan von Mainz aus mit seinen Soloprogrammen durch die Bundesrepublik zog. Der Rest ist bekannt und Hüsch heute unter versierten Kabarettfreunden eine Legende. Wer ihn selbst noch von seinen Auftritten kennt – auf der Bühne, aus dem Radio oder auf dem Bildschirm – der kennt ihn als Poet und Literaten mit nachhaltigem Humor und spitzer Zunge.

In diesem Sinne haben fünf seiner engen Weggefährten (siehe oben) Texte geschrieben, inszeniert, Regie geführt und praktischerweise gleich selbst die Hauptrollen übernommen. Ein kabarettistisches Bühnenstück als szenische Lesung: So blättern Freytag als Hüsch (Regie) und Jürgen Kessler als sein Agent (Buch mit eigenen und Texten von Hüsch) vor dem Hintergrund vergangenen und aktuellen Zeitgeschehens in den Annalen einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit. Dann verlässt der Künstler die Bühne, die sein Leben war. Es wird geschildert, was seither geschah. Bis eine Aktivistin des Wahrheitsministeriums – gespielt von Nicole Meisenzahl – dem freien Wort scheinbar ein Ende setzt. Begleitet werden die Akteure von Sängerin Irmgard Haub und Markus Schönberg am Klavier.

Philosophisch und pointiert geht es auch am nächsten Abend des Auftaktwochenendes weiter, wenn der österreichische Kabarettist Stefan Waghubinger zum scheinbar ultimativ resignierenden Stoßseufzer anhebt: „Jetzt hätten die guten Tage kommen können.“ In seinem dritten Soloprogramm hat er es zumindest schon mal ganz nach oben geschafft. Auf dem Dachboden der Garage seiner Eltern sucht er eine leere Schachtel und findet den, der er mal war, den, der er mal werden wollte und den, der er ist. Was genau das meint? Erfahren seine Zuschauer am Sonntag, 14. Oktober.

Mehr gibt es in diesem Jahr auch Serhat Dogan, der vor zwei Jahren als Gast im Programm von Fatih Cevikkollu sein Debüt auf der Morenhovener Kabarettbühne gab. Nun geht's in 90 rasanten Minuten ans Thema Deutsche, Türken und Deutsch-Türken. „Kückück“ heißt sein Solo über Männer, Frauen, Weicheier und eben diese Uhren, die für Gemütlichkeit stehen wie keine anderen. Wie sie ticken und wie Dogan selbst, erlebt das Publikum am Freitag, 26. Oktober.

Morenhovener Kabarett-Tage: Programm, Karten und weitere Informationen zu allen Künstlern unter www.kreaforum.de

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