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Betrieb in Swisttal: Gut Vershoven steckt in der Fritten-Krise

Betrieb in Swisttal : Gut Vershoven steckt in der Fritten-Krise

Im Kühlhaus im Gut Vershoven in Swisttal lagert Paul von Boeselager 4500 Tonnen Kartoffeln. Normalerweise würden diese im Juni an einen Agrarhandel gehen, doch bisher findet Boeselager keinen Abnehmer. Der Markt für Pommes liegt brach.

Paul von Boeselager steigt die Außentreppe an einer seiner Lagerhallen im Gut Vershoven hinauf. Auf etwa fünf Metern Höhe öffnet er die Tür und blickt auf 4500 Tonnen Kartoffeln, die im Herbst geerntet wurden. Normalerweise würde er die Knollen im Juni an den Wilhelm Weuthen Agrarhandel in Schwalmtal liefern. Das Unternehmen ist Europas größter Kartoffelhändler, kauft bei den Anbauern an und dann weiter an Hersteller von Pommes frites, Püree und anderen Kartoffelprodukten.

Ob es aber in diesem Sommer noch zur Lieferung an Weuthen kommt, ist mehr als fraglich. Landwirt von Boeselager könnte trotz bestehender Verträge auf seiner für die Weiterverarbeitung zu Fritten bestimmten Ernte sitzenbleiben. Seit Restaurants infolge der Coronakrise wochenlang schließen mussten und alle Volksfeste, bei denen Besucher erfahrungsgemäß Tonnen von Pommes konsumieren, ausfallen, ist der Absatz nahezu komplett eingebrochen. Auch die Tatsache, dass Imbisslokale unter bestimmten Auflagen öffnen durften, rettet den Absatz nicht.Von Boeselager hat sich auf den Anbau von Fritten-Kartoffeln spezialisiert. Die Anbaupläne sind auf Jahre ausgelegt. Er baut auf 80 Hektar an, erntet die Knollen im Oktober, lagert sie in Kühlhallen und liefert sie im Juni/Juli an die Firma Weuthen. Die veräußert sie weiter an die Pommes-Hersteller. So könnte beispielsweise ein Käufer der Tiefkühlmarke „McCain“ Fritten auf dem Teller haben, die im Acker von Gut Vershoven gewachsen sind.

Viehfutter oder für Biogasanlagen?

Wenn Weuthen keine Kartoffeln mehr abnimmt, bleibt von Boeselager wohl nur die Alternative, seine Ernte als Viehfutter oder als Rohstoff für Biogasanlagen zu verkaufen. Dann kann er allerdings aber nur etwa zwei bis drei Euro je Doppelzentner erlösen, während bei Weuthen gut sechsmal so viel vereinbart war. In diesem Fall wäre, wie er sagt, der Kartoffelanbau ein riesiges Verlustgeschäft, denn die Erlöse würden noch nicht einmal die entstandenen Kosten der Lagerung bei sieben Grad Celsius decken.

In der Existenz bedroht ist von Boeselagers Betrieb durch den möglichen Ausfall des Kartoffelabsatzes zwar nicht, dennoch macht er sich finanzielle Sorgen: „Das Kartoffelgeschäft macht etwa 50 Prozent des Erfolgs unseres Betriebs aus.“ Wie hoch der Schaden sein wird, kann er noch nicht abschätzen. Der Landwirt setzt auch noch auf andere Feldfrüchte: etwa Erbsen, Bohnen, Getreide, Zuckerrüben. Wenn die Krise vorüber ist, wird er umso mehr seine Fritten genießen können: am liebsten klassisch rot-weiß, also mit Ketchup und Mayo.

Landwirt Maximilian Rothkopf aus Dom-Esch baut auf 50 Hektar Kartoffeln an, und zwar sowohl für die Weiterverarbeitung zu Fritten und Chips als auch diverse Sorten Speisekartoffeln. Bei ihm steht der Absatz von 250 Tonnen in Frage. Im schlechtesten Fall liefert er sie an Stärkefabriken, an Bauern zur Viehfütterung oder an Biogasanlagen. Da er seine Speisekartoffeln jeden Tag absetzt (auch in eigenen Läden) würde ihn der Wegfall des eingeplanten Erlöses bei den Industriekartoffeln zwar schmerzen, die Existenz aber nicht gefährden.