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WM-Augenzeugen: Grabesstille im Stadion

WM-Augenzeugen : Grabesstille im Stadion

GA-Leser erzählen ihre WM-Geschichten. Gänsehaut bei der Nationalhymne.

Einer war Augenzeuge der historischen Niederlage gegen die DDR bei der WM 1974. Ein Ehepaar erinnert sich gerne an ein spannendes Spiel im Kölner Stadion bei der WM 2006. Und ein junger Mann durfte kürzlich mit Jerome Boateng ins Mönchengladbacher Stadion einlaufen. Der GA hatte seine Leser aufgerufen, uns ihre WM-Erinnerungen mitzuteilen. Hier sind drei spannende Geschichten.

"Die WM 2006 bleibt für uns ein unvergesslich tolles Erlebnis", schreiben Heike und Rainer Klein aus Swisttal-Ludendorf. "Dass sie im eigenen Land stattfand, war schon super. Aber dass wir zwei Karten für ein WM-Spiel bekommen konnten, war ein unbeschreibliches großes Glück, über das wir uns natürlich wahnsinnig gefreut haben."

Es war der 20. Juni 2006. Das Vorrunden-Spiel, Schweden gegen England in Köln, beeindruckte die Kleins sehr. Schon wegen der Nationalhymnen. "Eine Gänsehaut brachte uns die englische Hymne, die aus tiefstem Herzen gesungen wurde. Das Spiel ging 2:2 aus. Weiterhin bleibt dieser 20. Juni 2006 unvergessen, da an diesem Tag mein Patenkind Ben-Noah geboren wurde."

Und dieser Ben-Noah Burgartz aus Bornheim-Hersel, mittlerweile acht Jahre alt, spielt in der nächsten Geschichte die Hauptrolle. Bei einer Gewinn-Aktion hatte er Glück und wurde als "Begleitperson" für Jerome Boateng fürs Einlaufen ins Mönchengladbacher Stadion vor dem Länderspiel gegen Kamerun ausgelost.

Nun hat der Junge neben Lukas Podolski und Manuel Neuer ein weiteres Idol: den Abwehrspieler von Bayern München. Ben-Noah betrat das erste Mal ein Stadion. Er war so aufgeregt, dass er seinen Eltern gar nicht sagen konnte, was ihm am besten gefallen hatte.

Lukas Podolski saß auf der Ersatzbank. Ben-Noah winkte ihm zu. Darauf stand Poldi auf, kam zu Ben-Noah und begrüßte ihn. Verwundert war Ben-Noah, als Boateng sich bückte, den Rasen anfasste und dann das Kreuzzeichen machte. Die Eltern erklärten ihm, dass Boateng sich von dieser Geste Beistand von oben verspricht. Übrigens: Ben und seine Paten wussten gar nicht, dass der jeweils andere seine Erinnerung an den GA geschickt hat.

Von einem besonderen Erlebnis kann auch Horst Paulmann aus Swisttal-Morenhoven berichten. Er hat die historische Niederlage der bundesdeutschen Mannschaft gegen die DDR am 22. Juni 1974 im Hamburger Volksparkstadion miterlebt.

Er war damals 22 und verdiente als Gas- und Wasserinstallateur etwa 1000 Mark im Monat. Die Eintrittskarte, Stehplatz, Block H, kostete zehn Mark. "Nach heutigen Maßstäben fast geschenkt", sagt Paulmann, "aber damals war das für mich viel Geld." Er fuhr mit drei Freunden von seinem damaligen Heimatort Lemmie bei Hannover nach Hamburg.

In der Stadt sei keine Spur von WM-Stimmung gewesen, keine "Sommermärchen-Laune" wie 2006, alles ging seinen Gang wie an einem normalen Wochenende in einer Großstadt. "Wir alle waren der festen Überzeugung, dass unsere Mannschaft gegen die DDR mit mindestens drei Toren Unterschied gewinnt", erinnert er sich. Doch das Spiel sei "eine Katastrophe" gewesen, die Zuschauer hätten mit Sprechchören den Einsatz von Günter Netzer gefordert.

Der kam dann auch für Overath, konnte die Niederlage aber auch nicht verhindern. Nach dem Tor von Sparwasser hätten nur die DDR-Fans im benachbarten Block ihre Hammer-und-Zirkel-Fähnchen geschwenkt, im Rest des Stadions habe sich Grabesstille breitgemacht.