Gift in Kunstrasenplätzen?: „Gefährdung sollte ausgeschlossen sein“

Gift in Kunstrasenplätzen? : „Gefährdung sollte ausgeschlossen sein“

Ist Fußballspielen auf Kunstrasenplätzen gefährlich? Nachdem es Nachrichten über abgesagte Fußballspiele in den Niederlanden gab, sind Vereine auch bei uns verunsichert. Nachfragen ergeben: Die Kommunen verwenden beim Bau von Kunstrasenplätzen unbedenkliches Gummigranulat.

Niederländische Wissenschaftler warnen Fußballer vor Gesundheitsgefährdungen durch Kunstrasengranulat. Es handelt sich um Gummi-granulate in der Füllschicht von Kunstrasen. Sie sollen krebserregende Stoffe, sogenannte polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), enthalten. Das geht aus einem Bericht des WDR hervor, der jetzt die Swisttaler Ratsherren Karl-Heinz Peters und Herbert Waskow (Die Swisttaler) auf den Plan gerufen hat.

Sie haben bei der Gemeinde Swisttal angefragt, ob auch vom Kunstrasenplatz in Buschhoven gesundheitliche Gefahren ausgingen. Auf Anfrage des General-Anzeigers antwortete Gemeindesprecher Bernd Kreuer: „Auf der Gemeinschaftssportanlage Buschhoven/Morenhoven wurde ein EPDM-Neugummi der Firma Polytan als Füllmaterial im Kunstrasen verarbeitet. Dieses Material ist nach Herstellerangaben PAK-frei und erfüllt laut Firma Polytan auch die Anforderungen der europäischen Spielzeugnorm. Eine Gesundheitsgefährdung sollte damit ausgeschlossen sein.“

Der Rheinbacher Bürgermeister Stefan Raetz erläuterte, die Produzenten der Kunstrasenplätze in Rheinbach hätten zugesichert, dass von ihnen keine Gesundheitsgefährdung ausgehe. „Wir werden aber Kontrollen durchführen“, so Raetz.

Jürgen Bachmann, der Vorsitzende des Fußballkreises Bonn, hat erfahren, dass Spieler und Vereine, die auf Kunstrasen spielen, sich sorgen machen. „Ich gehe davon aus, dass die Kommunen das prüfen“, sagte er. Die Stadt Bonn sieht keine gesundheitliche Gefährdung für die Sportler. Das verwendete Granulat sei unbedenklich, so Stadtsprecherin Steffi Zießnitz.

Die Firma Polytan weist darauf hin, dass die Thematik aus Holland nicht auf Deutschland übertragen werden sollte. In Deutschland würden sehr hohe und strenge Standards an das Material bezüglich der Schadstoffe und der Inhaltsstoffe gestellt. Zudem unterscheide sich die Systembauweise in Holland grundlegend von der in Deutschland. Da in Holland keine elastischen Unterbauten genutzt würden, sei dort die Einfüllmenge des Granulats viel höher. In Deutschland würden pro Quadratmeter vier bis fünf Kilogramm eingefüllt, in den Niederlanden jedoch 18 bis 20 Kilogramm.

Bei der Stadt Bornheim liegen bei den Plätzen, die mit Erbpachtvertrag an Vereine übergeben wurden, keine Informationen darüber vor, die darauf schließen lassen, dass gesundheitsgefährdendes Material verarbeitet wurde. Weiter teilt die Stadt mit, die Wahl des Materials habe im Ermessen der Bauherren der Plätze gelegen. Man habe die Vereine vor der Planung gebeten, hinsichtlich des zu verbauenden Materials sehr kritisch zu sein. Die Vereine hätten bei der Verwirklichung ihrer Projekte die geltenden DIN-Normen beachtet.

Beim Bau des städtischen Kunstrasenplatzes in Hersel sei kein Recyclingmaterial als Einstreugranulat verwendet worden, sagt Bürgermeister Wolfgang Henseler. Das grüne EPDM-Neugranulat sei umweltverträglich nach der Bodenschutzverordnung. Daher schließt die Verwaltung für den Herseler Platz eine Gesundheitsgefährdung aus. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit sei vom Hersteller garantiert worden. Dazu liege auch ein gültiges Prüfzeugnis eines unabhängigen Prüfinstituts vor.

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