„Macht! Geld! Sexy?“: Finanzkabarett im Kreaforum in Morenhoven

„Macht! Geld! Sexy?“ : Finanzkabarett im Kreaforum in Morenhoven

Kabarettist Chin Meyer erklärt im ausverkauften Kreaforum beim Finanzkabarett „Macht! Geld! Sexy?“ die Anziehungskraft des Geldes.

Zunächst einmal: Vorsicht bei allen Fragen, bei denen die Antwort auf der Hand zu liegen scheint. Zum Beispiel „Macht! Geld! Sexy?“ Denn erstens handelt es sich hier um den Titel eines Kabarettprogramms. Und zweitens brütet der Kopf eines Chin Meyer noch ganz andere Gedankenspiele aus als die reziproke Verhältnismäßigkeit zwischen dem Einkommen und dem Auskommen mit dem anderen Geschlecht. Das ließ er bereits bei der satirischen Jahresendabrechnung in der Krea namens „Schlachtplatte“ durchblicken.

Eine beeindruckende Visitenkarte, in der Tat. Doch Herr Meyer stand seither in der Pflicht. Und hat nun bei den Kabaretttagen im ausverkauften Kreaforum weit mehr als dieses Soll erfüllt. Zurück zur Ursprungsfrage: Ja, die Antwort darauf ist wahrlich kein Hexenwerk. Doch wer nun also daheim oder im Job die Hosen anhat, ist relativ – relativ privat.

Denn letztlich müssen wir uns alle – so wir nicht im Aufsichtsrat irgendeiner Bank oder eines Autokonzerns in Lohn und Brot stehen – mit den gleichen Sorgen plagen. Wer steuert dieses Land wohin? Nun möchte Meyer gewiss keiner defätistischen Panik das Wort reden. Neue Technologie kann auch Spaß machen, selbst dem Durchschnittsbürger.

Sein Alter Ego, der Steuerfahnder Siegmund von Treiber, ist nicht weit

Nehmen wir zum Beispiel das Bioprinting: „Da kommen Sie sturzbetrunken vom Oktoberfest nach Hause, schmeißen den 3-D-Drucker an, Stammzellen rein und drucken sich eine neue Leber aus.“ Etwas diffiziler wird es da schon bei der künstlichen Intelligenz. Frühe Versuche, sie mit Bioprinting und einem Toupet zu kombinieren, scheiterten. „Der Prototyp floh aus dem Labor und ist heute Präsident der Vereinigten Staaten.“ Nun, fragt Meyer, wie wohl die USA reagieren würden, „wenn in einem anderen Staat ein psychisch auffälliger Autokrat mit ausländerfeindlichen Ansichten, einer komischen Frisur und Zugang zu Massenvernichtungswaffen an die Macht käme? Natürlich, sie würden dem Land helfen. Ja, Amerika hat uns befreit. Und mal ganz ehrlich: Ich finde, wir schulden ihm dafür noch einen Gefallen.“ Eine „Operation Ensuring Freedom“. Wohlan denn: „Uschi, mach schon mal die Luftwaffe klar.“ Was denn, etwa die militärische Antwort auf den Flughafen BER?

Wo Meyer weilt, ist sein Alter Ego, der Steuerfahnder Siegmund von Treiber, nicht fern. Und der lässt im weiteren Verlauf des Abends aber auch so gar keinen Zweifel zu, wes Geistes Kind er ist. So könnte die Steuererklärung der Zukunft tatsächlich auf einen Bierdeckel passen. Zeile eins: Wie viel haben Sie im vergangenen Jahr verdient? Zeile zwei: Wo können wir diesen Betrag wieder abbuchen?Nicht bei dem sympathischen Musikcomedian „Dr. Pop“, den Meyer sich als Gast zu einem auflockernden Intermezzo eingeladen hat. Und schon gar nicht bei dem Kabarettkollegen Matthias Reuter, der in Morenhoven seinen bis dato vier kurzweiligen Gastspielen nun ein weiteres hinzugefügt hat. Über die Anziehungskraft von bedruckten Scheinen lässt sich weiterhin vortrefflich streiten. Im Fall der Musik ist die Antwort klar.

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