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Windenergie in Swisttal: Experten äußern sich erneut zu geplanten Windkraftzonen

Windenergie in Swisttal : Experten äußern sich erneut zu geplanten Windkraftzonen

Das Dialogforum Windenergie, das die Gemeinde Swisttal zum besseren Austausch mit den Bürgern ins Leben gerufen hat, ist am Donnerstagabend in die zweite und letzte Runde gegangen.

In strukturierten Themenblöcken sollten weitere Fragen der Bürger geklärt und ein Planungsausblick gegeben werden. Um die 100 Teilnehmer waren ins Dorfhaus Ollheim gekommen - deutlich weniger als noch vor zwei Wochen beim ersten Dialogforum.

Petra Kalkbrenner, Beigeordnete der Gemeinde Swisttal, verwies darauf, dass beim ersten Dialogforum noch einige Fragen offen geblieben waren, die inzwischen von den Experten nachträglich beantwortet und auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht worden seien.

Außerdem kündigte Kalkbrenner an, dass man nun noch die laut Flächennutzungsplan betroffenen Eigentümer, auf deren Grundstücken die Windkraftanlagen installiert werden könnten, anschreiben und zu einer Eigentümerversammlung einladen wolle.

Nach den einleitenden Worten kamen die Experten zu Wort, die bereits beim ersten Dialogforum zu rechtlichen und planerischen Fragen Stellung genommen hatten. Der Rechtsanwalt Felix Pauli erläuterte noch einmal die rechtlichen Auswirkungen der harten und weichen Tabuzonen. So seien bei den harten Tabuzonen 500 Meter Abstand zu Einzelhofanlagen und bei den weichen Tabuzonen 900 Meter Abstand zu Wohngebieten rechtlich vertretbar und zulässig.

Detlef Naumann vom Planungsbüro sgp architekten in Meckenheim erläuterte aus planerischer Sicht die Tabuzonen: "Wenn sich die Gemeinde nicht damit auseinandersetzt, dann können bis in die harten Tabuzonen überall Windkraftanlagen eingesetzt werden", verdeutlichte er das Bestreben der Gemeinde, eine Steuerung der Positionierung der Anlagen vorzunehmen.

Er wies auch noch einmal darauf hin, dass die Gemeinde durchaus bereit sei, auf die Belange der Bürger Rücksicht zu nehmen und dass sie dafür sorge, weiche Tabuzonen einzurichten. "Wir wollen keine Verspargelung der Landschaft, sondern die Möglichkeit nutzen, steuernd einzugreifen", ließ Naumann wissen.

Ein Bürger wandte ein, dass es anscheinend bei vielen Anwohnern keine Akzeptanz für regenerative Anlagen gebe. Er stellte den energetischen Nutzen der in Swisttal möglichen Windkraftanlagen infrage. Naumann konterte, dass die Gemeinde vorbereitet sein möchte, falls Investoren kämen.

"Die Gemeinde Swisttal verfolgt genau dieselben Absichten wie der gesamte Rhein-Sieg-Kreis. Auch die Nachbargemeinden arbeiten an den gleichen Problemen", so Naumann. Auf eine Frage aus dem Publikum, ob es Gutachten über die Windhäufigkeit in dem betroffenen Gebiet gebe und ob sich diese überhaupt für die Investoren lohnen würde, sagte Naumann: "Die Standorte reichen aus. Schauen Sie nach Nörvenich oder Zülpich. Da geht es um ähnliche Windzonen. Eine Wirtschaftlichkeit ist gegeben."

Das Thema Infraschall, das der Sachverständige für Lärmschutz, Manfred Heppekausen, erläuterte, warf bei den Bürgern ebenfalls Fragen auf. Zunächst erläuterte Heppekausen die Bedeutung des Infraschalls, der von natürlichen und künstlichen Quellen erzeugt wird: "Windkraftanlagen emittieren neben dem Hörschall auch tieffrequente Geräusche, den so genannten Infraschall, durch die Umströmung der rotierenden Flügel", erklärte Heppekausen.

Er verdeutlichte den Infraschall in einem Liniendiagramm am Beispiel eines bei 120 Stundenkilometer fahrenden Autos. So sei der Infraschall, der auf die Insassen im Auto wirke, weitaus höher als bei einer Windkraftanlage. "Schädliche Wirkungen durch Infraschall können nach Stand der Wissenschaft ausgeschlossen werden", beendete er seinen Vortrag.

Eine Bürgerin verwies jedoch auf eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts hin, die auf eine gesundheitsbeeinträchtigende Wirkung aufmerksam mache. Demnach sei die Auswirkung des Infraschalls noch nicht genug erforscht.

Der letzte Themenblock behandelte die Frage der Abwägung von Naturschutzkriterien. Michael Ginster vom Planungsbüro für Landschaftsplanung und Artenschutz legte noch einmal dar, dass die ausgewiesenen Tabuzonen zum Schutz von Menschen und Tieren eingehalten würden. In einem Schreiben des Naturschutzvereins "Rettet Bäume & Biotope" begrüßte der zweite Vorsitzende und Geschäftsführer Norbert Phiesel die Bemühungen der Gemeinde, einen Dialog mit den Bürgern zu führen. Er schlug zudem Ausgleichsmaßnahmen für den Bau von Windanlagen vor.

Das Dialogforum schloss mit einer Einladung zur öffentlichen Sitzung des Planungsausschusses am 10. Oktober, 17.30 Uhr, in die die Ergebnisse aus den Dialogforen für eine politische Entscheidung einfließen sollen.