Schnäppchenjäger unterwegs: Dünstekoven wird zum Trödelmarkt

Schnäppchenjäger unterwegs : Dünstekoven wird zum Trödelmarkt

In Hofeinfahrten und vor Garagen standen beim zweiten Dünstekovener Dorftrödelmarkt die mit Schnäppchenjägern dicht umringten Stände der Verkäufer. Dabei wechselte reichlich Krimskrams den Besitzer.

Irgendwo gibt es ihn: den Menschen, der gerade eine Ackerfräse braucht. Und wenn es ihn an diesem Sonntagvormittag nach Dünstekoven verschlägt, wird er bei Familie Söntgerath fündig. Wie er das klobige Ding allerdings mit nach Hause nimmt, ist eine andere Frage. Man könnte Räder montieren und damit fahren, erklären die Verkäufer gerne. Nur sind die Räder gerade nicht da.

Die meisten Besucher, die beim zweiten Dünstekovener Dorfflohmarkt von Hofeinfahrt zu Vorgarten schlendern, sind ohnehin auf der Suche nach kleineren Dingen. Oder gänzlich ohne spezielles Ziel bei dem schönen Wetter unterwegs. Bunte Luftballons, so die Idee der Organisatorinnen Iris und Marion Rang sowie Margret Kalupa, zeigen, wo es etwas zu sehen gibt.

Ihnen folgt auch Alexander Teichert, der mit seinen Söhnen Julian (acht Jahre) und David (sechs Jahre) aus Troisdorf angereist ist. Die drei sind echte Profis für die Flohmärkte, bei denen ein ganzer Ort seine Garagen und Dachböden ausräumt. „Wir fahren auf jeden Dorfflohmarkt, den wir mitnehmen können“, sagt der Vater, während die Jungen fachmännisch kleine Sternenkrieger unter die Lupe nehmen. „Die Atmosphäre ist dort immer am besten, gerade auch für Kinder.“ Und man macht noch schöne Schnäppchen. Die Weltraumtruppe im Troisdorfer Kinderzimmer ist nach diesem Stand um 18 Mann und ein Raumschiff größer.

57 verschiedene Stände

Kinderspielzeug und Kleidung gerade für die Jüngsten gibt es viel, dazu einen interessanten Querschnitt über Dekorationsartikel der vergangenen Jahrzehnte. An einem der 57 Stände berichten Bücher von aufgegebenen Lieblingsserien, etwas später erinnern Sportgeräte an ehemalige Hobbys. Andere Sachen sind schwer zuzuordnen. Eine Kiste künstliche Wimpern hat sich angesammelt, eine Familie, die lieber ungenannt bleiben möchte, verkauft unter anderem über 50 Hüte – allerdings aus einer Geschäftsauflösung.

Wer sich aus der Masse heben will, muss erfinderisch sein wie Elisabeth Heuser. Sie hat ihren Artikeln kleine Werbeschilder verpasst. „Omas Kommödchen“ und „Fahrrad für Tüftler und Bastler“ sind noch da, eine „Sitzgarnitur für den gemütlichen Nachmittagskaffee“ war schnell weg. Es macht ihr zudem sichtlich Spaß, ins Gespräch zu kommen. „Viele bewundern meinen Hof“, erzählt sie. Die Leute stehen ja mittendrin, auch das macht die besondere Dorfflohmarkt-Atmosphäre aus.

Verkäufer müssen Abschied nehmen

Bei Familie Sustar steht ein altes Bild im massigen Goldrahmen zwischen einem modernen Kinderreisebett und einer bunten Lampe. Ein unbekannter niederländischer Maler hat das Bild vor rund 200 Jahren gemalt, es ist ein Erbstück. Schwer, sich davon zu trennen, aber: „Bei uns hängt es nur im Keller.“ Was Verkäufer können müssen, ist eben Abschied nehmen. Andere Schätzchen, die beim Entrümpeln gefunden wurden, liegen dann doch zu sehr am Herzen. Heusers Schwiegertochter Judith Heuser beispielsweise nimmt kurz vor Verkaufsstart noch zwei Ketten zurück, die sie doch lieber behalten will.

Ein paar Meter weiter ringt der acht Jahre alte Timo mit sich. Er hat mit seiner Mutter freudig sein altes Spielzeug aufgebaut. Aber als das Kettcar tatsächlich einen neuen Besitzer bekommen könnte, schluckt er schwer und würde es am liebsten auslösen. Dabei hat er das Geld eigentlich schon für neue Sachen eingeplant ist. Seine Wünsche? „Ganz viel.“ Das vielleicht irgendwann auf einem späteren Flohmarkt ebenfalls neue Besitzer sucht.

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