Bürgerwerkstatt in Heimerzheim: Das sind die Stärken und Schwächen von Swisttal

Bürgerwerkstatt in Heimerzheim : Das sind die Stärken und Schwächen von Swisttal

Bei der ersten Bürgerwerkstatt zur Entwicklung von Swisttal haben die Heimerzheimer das Sagen. Sie notierten die Stärken und Schwächen ihrer Gemeinde.

Hätten die Heimerzheimer Wünsche frei, die in Erfüllung gehen sollen, wären dies einige davon: ein Bürgerhaus, mehr sozialer bezahlbarer Wohnraum, mehr OGS-Plätze und Modernisierung der Schulen. Auch bessere Radwege, Lärmschutz an der Autobahn gegebenenfalls durch ein Gewerbegebiet als Lärmpuffer zur Wohnbebauung, Umgestaltung des Fronhofes etwa als Fußgängerzone, eine Ortsumgehung und Geschwindigkeitsreduzierungen auf den Straßen im Ort stehen auf ihren Wunschzetteln.

„Von Heimerzheim nach Bonn und Köln in 20 Minuten“ durch ein entsprechendes ÖPNV-Angebot, E-Scooter, Mitfahrbörse, Streuobstwiesen und Ausbau von Radwegen in alle Richtungen, wünschen sich Bürger. Und auch alternativer Wohnraum für die älter werdende Bevölkerung oder generationenübergreifender bezahlbarer Mietwohnraum.

Alle diese Wünsche werden nicht Wirklichkeit werden können, aber einige davon schon. Und zwar mit Fördergeldern von Bund und Land. Voraussetzung dafür ist allerdings ein „Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept“ (ISEK) für die Gemeinde Swisttal, das bis September nächsten Jahres stehen soll (GA berichtete). Mit der ersten Bürgerwerkstatt in Heimerzheim ist das Beteiligungsverfahren gestartet.

Mehr als 150 Interessierte waren in die Aula der Georg-von-Boeselager-Schule gekommen, um im Zuge des Beteiligungsverfahrens die zukunftsfähige Entwicklung ihres Wohnortes mitzugestalten. „Sie sind die Experten, gerade in Heimerzheim“, sagte Sebastian Horstkötter vom beauftragten Stadtentwicklungsbüro „Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft“ (DSK). Gemeinsam mit DSK-Gebietsleiter Rainer Kalscheuer und Kjell Nickmann stellte er zunächst Methode, Vorgehensweise und Beteiligung im Zuge des Verfahrens zur Aufstellung des ISEK für Swisttal vor.

Ohne ein solches Konzept muss die Gemeidne alle Maßnahmen, die sie umsetzen will, zu hundert Prozent selbst finanzieren. Mit einem Konzept gibt es laut Kalscheuer zurzeit 70 Prozent Fördermittel von Bund und Land.  Kernelement des ISEK-Prozesses sind Beteiligung und Mitwirkung von  Bürgern der gesamten Gemeinde, Betroffenen, lokalen privaten und öffentlichen Akteuren in Beteiligungsformaten wie Bürgerwerkstätten oder Online-Fragebögen.

Nach Heimerzheim ist für Januar 2020 eine weitere Bürgerwerkstatt in Odendorf und für Februar eine in Buschhoven vorgesehen. Am Ende sollen im September 2020 so viele konkrete Maßnahmen wie möglich abgebildet werden, die dann zu Förderungen angemeldet werden sollen.

Das Prinzip auf diesem Weg lautet: Erst identifizieren, wo Handlungsbedarf besteht, und danach schauen, wo es welche Fördermittel dafür gibt. „Wir sammeln, rütteln, schütteln und identifizieren Projekte, dann schauen wir nach Fördermöglichkeiten, und nicht umgekehrt“, sagte Kalscheue. Infrage kommen je nach Projekt Fördertöpfe für Sportstätten, Denkmale, Radwege oder Gewässerrenaturierung.In vier Rubriken konnten die Heimerzheimer am Dienstagabend Stärken, Schwächen und Wünsche auf farbigen Zetteln an Pinnwände heften.

„Stärkung der Grundfunktionen“: In dieser Rebrik wurden unter anderem eine gute Nahversorgung und eine gute Verkehrsanbindung aufgeführt. Gemessen an der Zahl der Zettel überwogen aber die Schwächen. „Es gibt keine Gewerbegebietsflächen!“ oder „Zu wenig Handel und Gewerbe“ wurde ebenso notiert wie „zu wenig barrierefreier Wohnraum“, die Positionierung der „Einkaufsmöglichkeiten meist am Rand“ und „zu wenig Parkplätze im Zentrum“.

■ „Stadtgestaltung im öffentlichen Raum“: Bei Straßen, Wegen, Plätzen wurden nur wenige Stärken aufgeführt. Beispiel: toller Spazierweg an der Swist, die Nähe zum Kottenforst, viele Grünflächen und Cafés mit Außenplätzen. Weitaus größer die Zahl der aufgeführten Schwächen: fehlende Lärmschutz an der Autobahn, veraltete Infrastruktur, „Verkehrschaos“ an der Kölner Straße und zu wenig Parkplätze.

„Gemeinbedarfseinrichtungen/ Bildung“: In dieser Rubrik  machten die Bürger nur zwei Stärken aus: die große Sporthalle und das Hallenbad. Die Kehrseite: beide seien marode beziehungsweise sanierungsbedürftig. Außerdem wurden zu wenige U 3- und Kita-Plätze allgemein bemängelt, ebenso ein fehlender Dorftreffpunkt oder eine Veranstaltungsstätte sowie Tagespflege und betreutes Wohnen für Senioren.

■ „Mobilität und Klimaschutz“: Hier  standen die direkte Anbindung an die Autobahn, die vielen Freizeitmöglichkeiten und die kurzen  Wege ins Grüne ebenso auf der Habenseite wie die gute Taktung der Buslinien. Allerdings wurden die Kosten für den Nahverkehr als zu hoch bemängelt. Auch gebe es insgesamt zu viel Verkehr, zu viele Steingärten oder „Gärten des Grauens“ und kein Car-Sharing-Angebot.

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