Die Wölfe kamen bis ans Dorf: Benno Willers schreibt Heimatgeschichte über Swisttal

Die Wölfe kamen bis ans Dorf : Benno Willers schreibt Heimatgeschichte über Swisttal

Der 81-jährige Benno Willers ist Agrar-Ökonom und befasst er sich verstärkt mit ortshistorischen Themen. 2011 veröffentlichte er sein erstes Buch „Heute zu Hause in Buschhoven“, 2014 folgte „Buschhoven 1939 bis 1948“. Für beide Projekte befragte Willers zahlreiche Zeitzeugen.

Benno Willers ist Agrar-Ökonom. Seitdem der 81-jährige Buschhovener seinen Ruhestand genießt und auch nicht mehr in der Swisttaler Kommunalpolitik aktiv ist, befasst er sich verstärkt mit ortshistorischen Themen. 2011 veröffentlichte er sein erstes Buch „Heute zu Hause in Buschhoven“, 2014 folgte „Buschhoven 1939 bis 1948“. Für beide Projekte befragte Willers zahlreiche Zeitzeugen.

Für sein neues Buch „Buschhoven. Seine Wege, Gewässer, Flure und Straßen“, herausgegeben vom Heimat- und Verschönerungsverein Buschhoven, das jetzt im Buchhandel erhältlich ist, hat er vorwiegend in Archiven geforscht. Beispielsweise im Landesarchiv in Duisburg und im Buschhovener Pfarrarchiv.

Drei Jahre hat Willers für die Recherche benötigt, war oft zu Fuß oder mit dem Rad in Buschhoven und Umgebung unterwegs, hat Protokolle von Kirchenvorstandssitzungen und alte Landkarten ausgewertet. So etwa eine französische Militärkarte aus dem Jahre 1811. Buschhoven hatte damals – unter französischer Besatzung – etwa 450 Einwohner. Auf der Karte ist die Umgebung des Ortes – „Village de Buschhofen“ genannt – in drei Sektionen unterteilt, die sich an der heutigen Ecke Alte Poststraße/Schmittstraße treffen.

Die amtliche Benennung von Straßen setzte sich im Rheinland im ausgehenden Mittelalter durch – zunächst in den Städten. In den Dörfern wurden die Häuser noch lange durchnummeriert. In Buschhoven war dies bis 1964 der Fall. Erst dann erhielten die Straßen amtliche Namen. Im Volksmund trugen sie freilich schon seit früher Zeit prägnante Namen.

Frühere Treibjagden auf Wölfe im Kottenforst

Wie Willers erläutert, führen die heutigen Straßen im Buschhovener Ortskern über Trassen, die die Römer vor 2000 Jahren angelegt hatten. Wo die Baustraßen für den Römerkanal die Militärstraße von Trier nach Bonn kreuzte, entstand Buschhoven. Aus dem Römerkastell am heutigen Burgweiher entwickelte sich eine Burg, die den Ort im Mittelalter prägte. Heute existieren in Buschhoven 44 benannte Straßen, darunter zwölf Unikate – von der Akazienstraße bis zur Wolfsgasse.

Die Wolfsgasse, heute am Ortsrand nahe der B 56, ist bereits in der Militärkarte von 1811 verzeichnet. Amtlich heißt sie seit 1965 so. Willers hat herausgefunden, dass die dortigen Waldflächen erst in den 1930er Jahren gerodet wurden. In den 1960er Jahren entstanden an der Wolfsgasse erste Häuser. Früher führte der Pfad über eine Wiese in den Wald. Willers geht davon aus, dass dort einmal Wölfe gesichtet wurden. Um Kinder zu warnen, habe sich im Volksmund der Name Wolfsgasse durchgesetzt. Bei der Recherche hat Willers weiter herausgefunden, dass früher im Kottenforst Treibjagden auf Wölfe stattfanden, weil sie eine große Gefahr für die Menschen und das Vieh darstellten. So zahlte der Landrat 1815 für ein Paar Wolfsohren eine Prämie, die dem Jahreslohn einer Magd entsprach. Der letzte Wolf im Kottenforst wurde 1835 erlegt.

Viele Namen wie Schulstraße, Brunnenstraße, Birkenweg oder Kirchpfad erklären sich selbst. Woher kommt aber der Name Am Steinrausch? Laut Willers weist er auf steinreiche Flächen hin, die sich schwer beackern lassen. Für den Straßennamen Am Zuschlag gibt es zwei Deutungen. Einmal bezeichnet Zuschlag ein eingehegtes Waldstück. Eine andere Erklärung ist die, dass früher Waldparzellen unter den Bewirtschaftern verlost wurden. Der Zuschlag wurde per Handschlag erteilt.

Benno Willers: „Buschhoven. Seine Wege, Gewässer, Flure und Straßen“, 238 Seiten, 19,50 Euro. Erhältlich in der Buchhandlung Kayser in Rheinbach, bei Wappenschmidt in Buschhoven und bei der Book Company in Heimerzheim.

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