Buschhovener Ahnenforscherin: Auf den Spuren von Luthers Nachfahren

Buschhovener Ahnenforscherin : Auf den Spuren von Luthers Nachfahren

Die Buschhovener Ahnenforscherin Angelika Hansen hat auf Burg Kriegshoven aus ihrem neuen Buch vorgelesen. Darin geht es um die Nachkommen des Reformators Martin Luther.

Passender hätte der Ort für diese Lesung kaum sein können: In Burg Kriegshoven berichtete Angelika Hansen über ihre Ahnenforschung zu den Nachkommen des Reformators Martin Luther, speziell dessen Enkel Martin und Ur-Enkel Daniel. Die Burgherren waren schon früh Protestanten im ansonsten katholischen Rheinland. "Schon 1851 war Burg Kriegshoven eingegliedert in die evangelische Kirchengemeinde Bornheim", sagte Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner bei der Begrüßung zur Lesung im Zuge der "Swisttaler Lesetage".

Als nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Zahl der Protestanten in der Region größer wurde, stellte die Ur-Großmutter des heutigen Besitzers Friedrich von Scherenberg der Gemeinde von 1952 bis 1973 Räume zur Verfügung für Gottesdienste, Taufen, Konfirmationen und Gemeindeleben, bis das Gemeindezentrum am Sebastianusweg in Heimerzheim eröffnet wurde, wie Hausherrin Alice von Scherenberg erläuterte.

Der Reformator Luther spielt in der Familie von Angelika Hansen eine große Rolle. Der gebürtigen Leipzigerin und Wahl-Buschhovenerin ist es in 20 Jahre langer akribischer Recherchearbeit gelungen, nach den eigenen Vorfahren auch die ihres Mannes Johannes Friedrich zurückzuverfolgen. Und sie wies nach, dass er über eine weibliche Linie in der 21. Generation Urenkel des Reformators ist. Dazu hat sie 2017 ihr erstes Buch mit dem Titel "Generalsuperintendent Prof. Dr. theol. Stephan Klotz - Eine norddeutsche Biografie des 17. Jahrhunderts" veröffentlicht (GA berichtete).

Damit war das Thema Luther-Nachfahren aber nicht beendet. Hansen machte sich auf die Spurensuche nach dem Enkel des Reformators, der ebenfalls Martin hieß. Auf ihn war sie bei der Recherche zum Ur-Enkel des Reformators Daniel Luther gestoßen, der gemeinsam mit Theodor Luther 60 Jahre lang in der Breklumer Sankt-Olaf-Kirche in Nordfriesland gewirkt hatte - beide als Pastoren. "Den Ur-Enkel hatte ich. Aber seinen Vater Martin nicht. Diesen Enkel Luthers gab es nirgendwo in den Aufzeichnungen", berichtete die Ahnenforscherin aus Leidenschaft.

Das war für Hansen Herausforderung und Ansporn zugleich. Nach 20 Jahren, die sie sich in Archiven in vielen Ländern auf Spurensuche begeben hatte, wusste sie, wie und wo sie suchen musste. Mit großer Akribie hat sie schließlich die Spuren Martin Luthers (des Jüngeren) gefunden, erforscht und handschriftlich zu Papier gebracht. Die Übertragung hat ihr Sohn übernommen. "Immer wenn er einen Korb Wäsche fertig gebügelt mitgenommen hat, habe ich ihm ein paar Seiten zum Schreiben mitgegeben", verriet sie bei der Lesung. Das Ergebnis: ein neues Buch mit dem Titel "Suchet, so werdet ihr mich finden".

In der Ich-Form erzählt sie vom Leben des Enkels: Im Alter von sieben Jahren wurde der 1568 geborene Martin Luther (der Jüngere) zum Vollwaisen, und seine Paten und Vormünder übernahmen für ihn die Verantwortung. Und seine offizielle Spur verliert sich. "Diesen Enkel konnte man deshalb nicht finden", stellte Angelika Hansen fest. Sie fand ihn schließlich doch - in Königsberg, wo er Fluss-Schiffer war. Mit 40 Jahren heiratete er, und seine Frau begleitete den fahrenden Handelsmann. In Soest wurde Sohn Daniel geboren, jener spätere Pfarrer in Breklum, als zweiter Sohn wieder ein Martin sowie sechs weitere Kinder.

Ihre Forschungsergebnisse hat Hansen bei der Luther-Gesellschaft eingereicht. "Es wurden Gutachten geschrieben und meine Angaben wurden bestätigt." Sie ist jetzt nicht nur wegen ihrer Arbeit Ehrenmitglied der Luther-Gesellschaft und darf als anerkannte Forscherin den nordfriesischen Luther-Nachfahren die Abstammung offiziell schriftlich bestätigen. Ihre Ergebnisse hatten auch Konsequenzen für das nächste Luther-Nachkommenbuch. Dessen Veröffentlichung wurde gestoppt, weil rund 2000 neue Nachfahren, die Hansen gefunden hat, eingepflegt werden müssen.

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