Auch außerhalb von Bonn gedeiht die Kleinkunst-Szene im Rhein-Sieg-Kreis.

Comedy, Kabarett und Co : Das sind die Kleinkunstbühnen im Rhein-Sieg-Kreis

Kabarett und Comedy finden in der Region nicht nur in Bonn statt. Auch Swisttal, Bad Honnef und Siegburg haben einiges zu bieten.

In Bonn sind die Großen der deutschen Kabarett-Szene regelmäßig zu Gast. Pantheon, Haus der Springmaus und Brückenforum heißen die dortigen Spielstätten. Doch auch außerhalb der Großstadt gedeiht eine lebendige Kleinkunst-Landschaft. Ein Blick auf die Bühnen des Kreises.

Jedes Jahr im Herbst geben sich in der ehemaligen Grundschule an der Ecke Eichenstraße/Vivatsgasse in Swisttal-Morenhoven rund sechs Wochen lang Kabarettisten, Comedians und manchmal auch Musiker die Klinke in die Hand. Saison Nummer 32 ist in vollem Gange. Und als Höhepunkt jeder Spielzeit bürgt die Verleihung der Morenhovener Lupe – die nach dem Deutschen Kleinkunstpreis und dem Passauer Scharfrichterbeil drittälteste Auszeichnung dieser Art im deutschsprachigen Raum – auch für einen gewissen Glamour-Faktor.

Die Liste der bisherigen Preisträger jedenfalls liest sich wie ein Who is Who der Szene - von Hanns Dieter Hüsch und Gerhard Polt über Dieter Nuhr und Volker Pispers bis zu Jochen Malmsheimer. Weitere prominente Ausnahmen wie Erika Fuchs (Übersetzerin der Micky-Maus-Comics), Janosch (der Vater der Tigerente) oder auch der eloquent-streitbare Politiker Gregor Gysi bestätigen die Regel. Am Montag, 11. November, erhält Jürgen von der Lippe die 32. Morenhovener Lupe.

Ansonsten gilt: Die Neuentdeckungen von gestern sind die Größen von heute. Gut 80 Zuschauer finden im Saal Platz. Deswegen herrscht dort eine persönliche bis familiäre Atmosphäre. Die Quote der Stammgäste ist hoch, so auch die der Künstler, die mit neuen Programmen zurück nach Morenhoven kommen. Zwei bis drei Auftritte sind da keine Seltenheit, der Rekord eines Kabarettisten liegt bei 13.

Keimzelle der Kabarett-Tage war der 1977 gegründete Verein Kreativitätsschule Morenhoven mit Kursen, Workshops und Freizeiten im künstlerischen und handwerklichen Bereich. Aus dem Wunsch, darüber hinaus auch etwas Künstlerisches und Unterhaltsames für die Eltern sowie die dem typischen Krea-Alter so langsam doch entwachsenen Jugendlichen zu bieten und zugleich eine weitere finanzielle Unterstützung für die Kursangebote zu ermöglichen, wurde 1988 die Initiative KuSS (Kultur und Spektakel im Swisttal) gegründet. Heute zeichnet sie unter der Leitung von Klaus und Elisabeth Grewe für das Programm der Kabarett-Tage verantwortlich.

Rund 350 Mitglieder des Fördervereins der Kreativitätsschule genießen dafür jedes Jahr das Privileg des ersten Zugriffs auf die Karten der bevorstehenden Saison. Weitere Unterstützung erhalten Krea und KuSS zudem vom Landschaftsverband Rheinland, vom Rhein-Sieg-Kreis und von der Gemeinde Swisttal.

Die Bühne ist klein, der Platz im Zuschauerraum begrenzt. Aber es ist genau diese unmittelbare Nähe zwischen Akteuren und Publikum, die den Charme der Siegburger Studiobühne ausmacht. Seit 1998 gestaltet sie im Bauhaus-Anbau des VHS-Studienhauses das kulturelle Leben der Kreisstadt und auch über die Stadtgrenzen hinaus mit. Von roten Kinosesseln aus haben in der vergangenen Spielzeit rund 5000 Besucher eine der insgesamt 100 Veranstaltungen besucht – überwiegend gestaltet vom eigenen Ensemble der Studiobühne und ihren Schauspielschülern. Denn von Anfang an ist das Ensemble-Theater auch Lehrbühne der angegliederten, staatlich anerkannten Schauspielschule.

Seit 2004 trägt der Verein „Theaterschatz“ Studiobühne, Schauspielschule und das seitdem bestehende Kinder- und Jugendtheater „Tollhaus“. Das Haus finanziert sich über seinen Förderverein, Projektförderungen, Sponsoren und Eintrittsgelder. Aufsehen erregten Schauspieler und Tänzer aus allen drei Institutionen im Sommer etwa mit ihrer Inszenierung „Müll 2.0, We’re burning now“ auf dem Siegburger Marktplatz.

Neben Theater und Revuen gibt es seit dem vergangenen Jahr mit „Pralinen mit Paul“ eine eigene Talk-Show auf der Studiobühne. Paul Kieras triff auf drei ihm vorher unbekannte Gäste und muss im Gespräch mit ihnen ungewöhnliche Aufgaben erledigen. Für die nächste Auflage am Samstag, 25. Januar 2020, ab 20 Uhr können schon Karten gekauft werden: Studiobühne Siegburg, Humperdinckstraße 27, ☎ 022 41/2 61 51 41, www.theaterseite.de.

„Hautnah“ heißt der Verein, der aus der Kooperation der Karnevalsgesellschaft „Löstige Geselle“ mit Rainer Hombücher im August 2018 hervorging und seitdem ein feines Kulturprogramm auf die Bühne bringt. Am 22. November schauen Barth & Römer mit ihrem Jazz- und Blues-Programm vorbei. Am 29. November sagt das Frauenduo „Die Puderdose“, was wirklich Sache ist. Und am 6. Dezember spielt die Pia Fridhill-Band „Elch-Pop“: Soul, Pop, Jazz, Funk, Folk, Rock und Blues aus Schweden.

Comedy, Kabarett und Musik bilden den Schwerpunkt des Programms. Im kleinen Rahmen und mit persönlicher Atmosphäre: Hauptveranstaltungsort ist das Zeughaus der „Löstigen“ an der Bergstraße

Weitere Infos auf www.hautnah-ev.de. Vorverkauf: Brunnencafé, Hauptstraße 63, Bad Honnef.

In Bornheim waren in der jüngsten Vergangenheit mehrere Versuche gescheitert, ein dauerhaftes Kulturangebot zu etablieren. Ende Juni 2014 hatte der Verein „Theater im Kloster Bornheim“ um die Schauspieler Gerhard Fehn und Cécile Kott seine Spielstätte im alten Kloster an der Secundastraße aus finanziellen Gründen aufgegeben.

Fortan hatten die Theatermacher, die nach eigenen Angaben ein „professionelles, anspruchsvolles Unterhaltungstheater zu erschwinglichen Preisen“ machen wollten, an verschiedenen Orten im Bornheimer Stadtgebiet gespielt. Allerdings auch das nur mit mäßigem Erfolg. Zum Jahresende 2017 hatte sich der Theaterverein dann aufgelöst. Nach dem Aus im alten Kloster war dort noch 2014 eine neue Gruppe um den Schauspieler Olaf Sabelus an den Start gegangen, um in den Räumen eine Mischung aus Musik, Show, Varieté, Theater und Comedy anzubieten. Allerdings blieben auch hier die Zuschauerzahlen unter den Erwartungen, sodass das Projekt im September 2015 beendet wurde.

Weiterhin richtet das als Verein organisierte Kulturforum Bornheim in unregelmäßigen Abständen Musik, Theater, Kleinkunst, Ausstellungen und Lesungen an verschiedenen Stellen in der Vorgebirgsstadt aus. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch immer wieder die von Laienspielgruppen aufgeführten Theaterstücke.

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