Interview mit Wolfgang Mertgen und Ulrich Rehbann: So laufen die Vorbereitungen für den Karnevalszug in Roisdorf

Interview mit Wolfgang Mertgen und Ulrich Rehbann : So laufen die Vorbereitungen für den Karnevalszug in Roisdorf

Seit 13 Jahren organisiert der Roisdorfer Ortsausschussvorsitzende Wolfgang Merten den Karnevalszug, der an Weiberfastnacht durch den Ort zieht. Im Gespräch erzählt er von den Vorbereitungsarbeiten, verschärften Sicherheitsmaßnahmen und seinem Wunsch nach einem Alkoholverbot für Jugendliche.

Oss Roisdorf oos Heemat“ – unter diesem Motto startet der Roisdorfer Karnevalsumzug an Weiberfastnacht, 20. Februar, um 14 Uhr. Bereits zum 13. Mal organisiert Wolfgang Mertgen, Ortsausschussvorstehender von Roisdorf, den Karnevalszug. Er und sein Stellvertreter Ulrich Rehbann sprachen mit Elena Bünger über die Organisation eines Zuges.

Herr Mertgen, Sie organisieren den Roisdorfer Zug schon seit Jahren. Liefen die Vorbereitungen dieses Mal anders?

Wolfgang Mertgen: Es ist eigentlich so gut gelaufen wie immer. Über die letzten drei Jahre hinweg hat sich die Zusammenarbeit mit der Polizei stark verbessert. Wir haben die Hundertschaft gebeten, selbst im Zug zu sein. Sonst stand sie nämlich immer außerhalb. Jetzt wird sie an gewissen Schwerpunkten im Zug positioniert. Wenn etwas vorfällt, können die Beamten schneller zur Stelle sein. Ihrer Erfahrung nach sind die Jugendlichen auch viel ruhiger, wenn Polizisten vor Ort sind.

Ulrich Rehbann: Dieses Jahr haben wir allerdings besondere Schwierigkeiten, Wagenengel zu bekommen. Unser Zug findet immer schon donnerstags statt, wenn die Schüler oft noch bis 13 Uhr Unterricht haben. Neuerungen in den Sicherheitsverordnungen schreiben aber pro Achse zwei Wagenengel vor. Dadurch haben wir einen großen Mangel an jugendlichen Helfern.

Wann fangen Sie mit der Organisation an?

Mertgen: Das hängt von der Länge der Karnevalssession ab. Meistens beginnen wir schon im Oktober mit den Vorbesprechungen mit der Stadt. Anfang Januar führen wir dann die Vorbesprechungen mit den Zugteilnehmern. Dazu bringen sie die Anmeldeformulare mit und bekommen, wie dieses Jahr, eine Sicherheitsbelehrung.

Was zählt sonst noch zu Ihren Aufgaben?

Mertgen: Man ist als Zugleitung für alles verantwortlich, wie zum Beispiel die Verkehrsführung oder die Finanzen. Montags stellen wir Halteverbotsschilder auf. Anschließend müssen die Zugänge zum Zug abgesperrt werden. Als 2016 der Anschlag in Berlin (auf dem Weihnachtsmarkt, Anm. d. Red.) war, gab es noch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Da stand auf der Herseler Straße zum Schutz vor ebendiesen Attentaten ein Feuerwehrwagen und blockierte die Bonner Straße. Das ist danach aber wieder zurückgeführt worden. Was sich noch geändert hat, ist der Weg des Zuges. Wir haben ihn von der Bonner Straße umgeleitet, was sich bewährt hat. Der Zug ist jetzt viel flüssiger geworden.

Rehbann: Was die Finanzierung angeht, ist bei uns die Besonderheit, dass wir keine Teilnehmerbeiträge nehmen. Stattdessen bezuschussen wir die Gruppen noch. Weitere Kosten fallen für die Verpflichtung der Musikkapellen und die dazugehörigen Gema-Gebühren an. Ebenso für Sicherheitspersonal und Versicherung. Jedes Jahr machen wir dafür Haussammlungen, bei denen uns die Roisdorfer stets gut unterstützen.

Gibt es eine Sache, die Sie an den Vorbereitungen immer besonders stresst?

Mertgen: Wir haben ja ein großes, bekanntes Problem in Roisdorf, nämlich die Ecke bei der Kirche. Dort versammeln sich ungefähr 2000 Jugendliche jedes Jahr. Ich versuche mit der Stadt noch eine Zusammenarbeit hinzubekommen – vor allem, was ein Alkoholverbot angeht. Bei der Kirche besteht bereits ein Glasverbot und ich setzte mich klar auch für ein Alkoholverbot ein. Für die Stadt besteht aber der Mangel an Personal – wer kann das kontrollieren?

Rehbann: Es gibt aber ein Beispiel, wo das funktioniert, nämlich in Waldorf. Im ganzen Bereich von der Bahn bis zum Rewe besteht ein Alkoholverbot. Das wird von der Polizei überprüft – wenn Jugendliche Alkohol mitführen, wird der direkt abgenommen. In dem Bereich ist es dadurch wesentlich ruhiger geworden und die Jugendlichen verteilen sich. Bei uns ist das Problem, dass sich das vor der Kirche konzentriert. Das Glasverbot ist schon mal viel wert.

Seit wann besteht das Glasverbot und hat sich seitdem viel geändert?

Mertgen: Ja auf jeden Fall! Wir haben das Verbot jetzt im dritten Jahr und es ist eine große Entlastung für uns. Entsorgung und Säuberung laufen natürlich unkomplizierter, aber auch die Unfallrate ist wesentlich zurückgegangen. Fälle von Schnittwunden haben wir immer weniger.

Rehbann: Auch für die Zugteilnehmer und die Wagen ist es besser; ein Traktor hatte durch die vielen zerbrochenen Glasflaschen einmal einen platten Reifen. Das hat den gesamten Zug aufgehalten, weil es lange gedauert hat, bis der abgeschleppt wurde.

Gibt es sonst noch besondere Verordnungen für diese Problemzone?

Mertgen: Die Anwohner haben ihre Grundstücke mit Bauzäunen gesichert, die wir ihnen stellen. Außerdem sperren wir eine komplette Straße, weil die Jugendlichen dort wild pinkeln. Für diese Ecke haben wir vergangenes Jahr 2600 Euro investiert: Wir mussten schließlich die gesamten Absperrungen finanzieren, zehn externe Sicherheitsleute, einen DJ und den Toilettenwagen.

Können Sie den Zug genießen?

Mertgen: Durch die Situation an der alten Kirche ist das für mich der schlimmste Tag im Jahr. Ich genieße den Tag um 23.30 Uhr – dann sollten der Zug und die Zeltveranstaltung ohne größere Probleme abgeschlossen sein. Wenn an Weiberfastnacht alles gut gelaufen ist, fängt für mich der Karneval ab Freitag erst richtig an.

Nehmen denn jedes Jahr auch immer wieder neue Gruppen teil?

Mertgen: Ja, zum Glück. Es brechen viele ältere Gruppen weg und das haben wir fast jedes Jahr durch ein oder zwei neue Gruppen kompensieren können. Es sind aber schon weniger geworden: Früher waren wir um die 40 Gruppen und jetzt ungefähr 36. „Naturbekloppte“ und die KG Verplant sind zum Beispiel dieses Jahr neu dabei.

Möchten Sie die Organisation auch weiterhin machen?

Mertgen: Ich bin auf jeden Fall noch für die nächsten drei Jahre gewählt. Einen Führungswechsel strebe ich aber schon an. Mir ist besonders wichtig, dass ich über die Jahre nicht verbittert werde. Trotzdem helfe ich gerne weiterhin mit.

Sind Sie selbst mit dem Karneval groß geworden?

Mertgen: Ich komme aus dem Westerwald. Ich wusste zunächst also gar nicht, was Karneval überhaupt ist. Als ich zwölf Jahre war, sind wir nach Linz gezogen. Wir waren eine Musikerfamilie und so sind wir dem Tambourcorps beigetreten. Dadurch sind wir natürlich auch beim Karnevalszug in Linz mitgegangen. So bin ich zum Karneval gekommen; mit zwölf Jahren ist man ja noch beeinflussbar.

Würden Sie am Roisdorfer Zug etwas verändern wollen?

Mertgen:Ich möchte gar nicht viel verändern. Vielleicht wäre es für die Sicherheit, Finanzierung und Umwelt das Beste, wenn nur noch Fußgruppen teilnehmen würden. Außerdem bin ich der Meinung, dass lieber weniger, dafür hochwertigere Kamelle geschmissen werden sollten, wie zum Beispiel fair gehandelte Kamelle, und einfach mal die Freude durch Bützje, Schunkeln und singen ins Publikum übertragen wird. Diese Entscheidungen liegen aber nicht bei mir, sondern werden von den Gruppen selbst getroffen.