Ehrung für Autor: Wolfgang Schorlau erhält in Rheinbach den Glasdolch

Ehrung für Autor : Wolfgang Schorlau erhält in Rheinbach den Glasdolch

Der Autor, Wolfgang Schorlau, erhält im Rahmen der Rheinbacher Krimiwoche den Glasdolch. Die Verleihung ist am 5. November

Kaum etwas ist so, wie es scheint. Diese Erkenntnis haben die Leser der stets hochpolitischen Kriminalromane von Wolfgang Schorlau zuhauf, wenn sie die spannenden Werke des in Stuttgart lebenden Autors lesen. Der 67-Jährige ist im deutschsprachigen Raum der Maestro im Komponieren spannender Fälle, in denen die Kritik an politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen keine eintönige Hintergrundmusik ist, sondern so etwas wie der nicht mehr aus dem Gedächtnis gehende Ohrwurm der Handlung. Ob NSU-Morde, RAF-Terror, deutscher Afghanistaneinsatz, das Oktoberfestattentat - Schorlau ist kein Eisen zu heiß, um es nicht genüsslich literarisch zu schmieden.

Wie kaum ein zweiter Vertreter seines Genres weiß er, seine Leser mit gezielt gesetzten, nicht selten abgründigen Finten und Wendungen in die dramaturgische Irre zu geleiten. Für sein imposantes Gesamtwerk bekommt Wolfgang Schorlau am Dienstag, 5. November, den Rheinbacher Glasdolch 2019 verliehen.Schorlau ist nach der schottischen Schauerqueen Val McDermid und dem britischen Kriminalautor Peter James der dritte Preisträger der noch vergleichsweise jungen Literaturauszeichnung. "Wir haben mit Absicht in der Ersten Liga des Sujets angefangen", sagt Winrich C-W. Clasen, Herausgeber und Geschäftsführer des Rheinbacher CMZ-Verlags, im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Clasen hatte zusammen mit Buchhändler Christoph Ahrweiler von der Buchhandlung Kayser vor mehr als drei Jahren die Idee, dem Spannungsgenre eine Krimiwoche zu widmen, die stets mit einer Auszeichnung für die besten Vertreter der mordlüsternen Literaturgattung beginnt. "Entscheidend ist für uns das Gesamtwerk dieses Autors und die Relevanz seiner Bücher", findet Ahrweiler. "Ein wichtiges Kriterium ist auch, dass Schorlau spannende Krimis schreibt", so Ahrweiler. Und: "Er arbeitet gegen den Zeitgeist und gegen Fake News", erklärt Clasen.

Bekannte Autoren in der Jury

Die Jury des Rheinbacher Glasdolchs, die zusammengesetzt ist aus dem Bad Godesberger Bestsellerautor und Dylan-Übersetzer Gisbert Haefs, der Krimi- und Jugendbuchautorin Heidi Möhker aus Rheinbach, Buchhändlerin Christel Engeland sowie Clasen und Ahrweiler, gelangte zu der Auffassung, dass es an der Zeit wäre, nach zwei Ausgezeichneten aus dem angelsächsischen Sprachraum, einen deutschen Vertreter des Genres zu küren. "Wir haben uns in der Jury ein paar überlegt und sind zu der Überzeugung gekommen, dass Schorlau der Richtige ist", berichtet Ahrweiler. Die Preisverleihung samt Lesung in der historischen Aula des Sankt-Joseph-Gymnasiums ist opulent garniert mit einer Gesprächsrunde, die Wolfgang Kaes, Chefreporter des Bonner General-Anzeigers, vom Mediummagazin im Jahr 2012 gewählter Reporter des Jahres und seit 2013 Preisträger des renommierten Henri-Nannen-Preises, moderieren wird.

Seit 2003 verfasst Kaes auch Kriminalromanen - vor wenigen Tagen ist sein neuntes Buch "Endstation" erschienen, in dem er sich mit dem mysteriösen Verschwinden eines Studenten auseinandersetzt. Der Eintritt kostet 15 Euro. Auch der zweite Abend der Krimiwoche am Freitag, 8. November, 19 Uhr, bietet Außergewöhnliches: Die in Bonn lebende Autorin Judith Merchant bringt in ihrem jüngst erschienenen Gänsehautthriller "Atme!" das Auslegen falscher Fährten zur Perfektion. Auch in ihrem neuesten Werk ist scheinbar nichts so, wie es scheint. Vor "Atme!" hatte Merchant neben mehrfach preisgekrönten Kurzgeschichten eine Serie von Rhein-Krimis wie "Loreley singt nicht mehr", "Nibelungenmord" oder das zum Teil in Rheinbach spielende "Rapunzelgrab" verfasst. "Die Lesung dürfte für Judith Merchant ein Heimspiel werden", sagt Clasen. Beginn ist um 19 Uhr in der Aula des Sankt-Joseph-Gymnasiums, Karten kosten 15 Euro. Das dritte Glanzlicht bildet am Samstag, 9. November, 19 Uhr, die Krimiautorin und Musikkabarettistin Jutta Wilbertz.

Die Frau, die bei einem Spaziergang entlang hoher Klippen, einem Föhn am Badewannenrand oder einem Segeltörn durch haiverseuchte Gewässer an skurrile Arten des kriminalliterarischen Ablebens denkt, liest ihre Krimis und singt dazu mörderische Lieder aus eigener Feder. Beim Singen begleitet sie ihr Mann Thomas Wilbertz virtuos an der Gitarre. Los geht es um 19 Uhr, Karten kosten 15 Euro. Karten für die Krimiwoche gibt es ab sofort in allen Bonnticket-Vorverkaufsstellen, in der Buchhandlung Kayser, Hauptstraße 28 und unter bonnticket.de.

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