Lesungen in Rheinbacher Häusern: Wenn Wildfremde an der Türe klingeln

Lesungen in Rheinbacher Häusern : Wenn Wildfremde an der Türe klingeln

Bei „Literatur in den Häusern der Stadt“ lesen Schauspieler in acht Rheinbacher Wohnzimmern aus besonderen Büchern. Diesmal stehen Biografien von Frauen auf dem Programm.

Es klingelt an der Haustür von Susanne Obersteg. Die Rheinbacherin öffnet mit einem strahlenden Lächeln und geleitet die für sie gänzlich unbekannte Person, die da des Abends an der Türschwelle steht, in ihr Wohnzimmer. Dort sitzen bereits weitere wildfremde, nur zum Teil untereinander bekannte Menschen in freudiger Erwartung: Bei „Literatur in den Häusern der Stadt“ ist die Überraschung das entscheidende Gewürz für einen genussreichen Abend mit guten Büchern. In diesem Jahr geht es bei der vom Verein „Rheinbach liest“ organisierten Veranstaltung am Sonntag, 15. Oktober, ab 18 Uhr um Frauenbiografien. Der Clou: Gelesen wird ausschließlich in Privathäusern.

„Wir sind in diesem Jahr zum dritten Mal dabei“, berichtet Obersteg. Die Motivation, ihre behaglichen Wohnräume für Wildfremde zu öffnen, ist rasch erklärt: „Es ist immer spannend und macht total viel Spaß“, berichtet die 56-Jährige im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Rund 15 Minuten, bevor die Lesung beginnt, klingt jeweils ein Schauspieler des Bonner Euro Theater Central bei den Oberstegs. Denn: Alle Bücher und Geschichten werden, wie auch schon in den Vorjahren, von professionellen Lesekönnern vorgestellt und rezitiert. „Die Art der Betonung, die die Schauspieler leisten, ist äußerst beeindruckend“, schildert Obersteg.

Acht spannende Biografien warten in diesem Jahr bei „Literatur in den Häusern der Stadt“ auf die Zuhörer, in denen von ungewöhnlichen Lebenswegen, überraschenden Entwicklungen, Ehrgeiz und Mut erzählt wird. Die ausgewählten Bücher geben Einblicke in die Welt und das Leben berühmter Frauen, unter anderem von Frida Kahlo, Pina Bausch und Katharina von Bora, unterhaltsam und doch treffsicher beschrieben. Auch eine zeitgenössische Autobiografie ist dabei, die Geschichte der jungen Gesa Neitzel, die ihr Leben von Berlin in den afrikanischen Busch verlegte, um dort als Rangerin zu arbeiten.

Im Wohnzimmer von Susanne Obersteg geht es am Sonntag etwa um das vielschichtige Leben von Friedelind Wagner. In ihrer Biografie mit dem Untertitel „Die rebellische Enkelin Richard Wagners“ ist auf 504 Seiten das Leben des „schwarzen Schafes“ des Wagner-Clans eindrucksvoll und kontrovers skizziert. „Die Themen sind immer unterschiedlich, das macht den Reiz aus“, findet Obersteg.

Nach der Lesung ist der Abend noch nicht am Ende: „Schön ist, dass es danach ein Treffen 'aller Wohnzimmer' im Himmeroder Hof gibt.“ Dort besteht dann die Gelegenheit, ausgiebig über das Gehörte zu plaudern. Eintrittskarten gibt es pro Hauslesung für neun Euro im Vorverkauf bei der Buchhandlung Kayser in Rheinbach oder unter info@rheinbach-liest.de.

Zur Einstimmung auf die Veranstaltung lädt Rheinbach liest bereits für Montag, 9. Oktober, zur Auftaktveranstaltung unter der Überschrift „Anna Sacher – die Geschichte einer Verführung“ ein. Im pittoresken Café „Der Silberlöffel“ liest Schauspielerin Claudia Dalchow bei Sachertorte und anderen köstlichen Verführungen Passagen aus der Biografie Anne Sachers. Beginn ist um 17 Uhr im Café „Der Silberlöffel“, Bachstraße 18 in Rheinbach. Karten kosten zwölf Euro, die im Café erhältlich sind.

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