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Rheinbacher helfen in Togo: Verein baut Augenprüfraum in Togo auf

Rheinbacher helfen in Togo : Verein baut Augenprüfraum in Togo auf

Einheimische Optiker sollen Menschen helfen, die sich weder Augenprüfungen noch Korrekturbrillen leisten können.

Augenoptikermeister Firmenich weiß, dass einfache Fehlsichtigkeit in Togo manchmal nicht erkannt wird, und wenn, dann fehlt vielen Familien das Geld für eine Augenprüfung sowie die entsprechende Korrekturbrille. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein kleines Kind, dessen Eltern es für behindert hielten. Aber: „Das Kind war einfach nur stark kurzsichtig. Und mit der entsprechenden Korrekturbrille konnte es Fußballspielen und auch zur Schule gehen.“

Im Juni vergangenen Jahres hatte Firmenich erfahren, dass Kai Rosinsky in Rodgau bei Offenbach die Einrichtung eines Augenprüfraumes an eine gemeinnützige Organisation verschenken wollte – und die Togo-Hilfe griff sofort zu. Kurzfristig konnten dank des Netzwerks des Vereins die gesamte Anlage abgebaut, verpackt und abgeholt sowie der Transport im See-Container nach Togo organisiert werden. Anfang Oktober waren die Geräte in Lomé, Togos Hauptstadt am Golf von Guinea, eingetroffen und wurden von dort auf einem Lastwagen ins 120 Kilometer nordwestlich gelegene Kpalimé gebracht.

Dort sollte alles in einem festen Gebäude mit Stromanschluss auf dem Gelände des sozialen Berufsausbildungszentrums Agerto (Assoziation Germano Togolais) aufgebaut werden. Das gelang auch – zumal auch Spender Rosinsky kurzentschlossen mit nach Togo flog. Er, Firmenich und Joachim Milz von der Handwerkskammer zu Köln, der als Langzeitexperte in Togo aktiv ist, konnte der Augenprüfraum dann in Betrieb genommen werden. Erste Augenprüfungen wurden bei Agerto-Lehrkräften durchgeführt, die sich das wegen ihrer niedrigen Gehälter nicht hätten leisten können. Einige sprechen nur lokale Sprachen, so dass die Prüfung mit zwei Übersetzern erfolgen musste, die ins Französisch und ins Deutsch übersetzen.

„Am schwierigsten war die Augenprüfung mit der Schneidermeisterin der taubstummen Lehrlinge, denn sie ist selbst taubstumm“, erzählt Firmenich. Da sei es ein Glücksfall gewesen, dass Kira, eine junge Freiwillige aus Deutschland, die derzeit bei Agerto arbeitet, die Gebärdensprache sehr gut beherrsche und direkt ins Deutsche übersetzen konnte. Die Brillengläser wurden in Deutschland geschliffen und im Dezember nach Togo mitgenommen. Für April plant Firmenich die nächste Reise mit einer 17-köpfigen Gruppe, darunter auch der frühere deutsche Botschafter in Togo.

Bis dahin will der Rheinbacher mit Milz und Vertretern der lokalen Handwerkskammern in Kpalimé ein Konzept ausarbeiten, wie togolesische Optikermeister ausgebildet und zertifiziert werden können, um im neuen Augenprüfraum arbeiten zu können.

Parallel hatte ein zweites Team in Lomé Besuche der Sozialpatenschaften durchgeführt und die seitens Togo-Hilfe geförderte Radiosendung der Germanistik-Studenten „L’allemand par la radio“ (Deutsch übers Radio) besucht. Gemeinsam haben beide Gruppen dann im Norden des Landes allen drei Agerto-Ausbildungszentren unangekündigte Besuche abgestattet, um die Effektivität der Arbeiten kennenzulernen. In den sozialen Berufsausbildungszentren bekommen mittellose Jugendliche, Straßenkinder oder von ihren Familien verstoßene Frauen eine kostenfreie Handwerksberufsausbildung, um finanziell selbstständig zu werden.

Im Ausbildungszentrum in Akpakpakpe zum Beispiel hat Togo-Hilfe mit Spenden aus Deutschland ein neues Ausbildungsgebäude sowie ein Gebäude für ein Lager und ein kleines Wohngebäude für Lehrlinge finanziert. Derzeit werden dort Schneider, Weber und Friseure ausgebildet. Außerdem werden Alphabetisierungskurse angeboten.

Im Ausbildungszentrum Kpalimé können Einheimische sechs Berufe erlernen: Schneider, Weber, Schweißer, Schreiner, Elektriker und Maurer. Außerdem gibt es dort eine Schneidermeisterin für gehörlose Lehrlinge. Zum Abschluss besuchte die Projektgruppe aus Deutschland die Schule von Madjikpeto. In dem Vorort von Lomé gibt es einen Kindergarten mit inzwischen 200 Mädchen und Jungen sowie 1200 Schülern von der ersten bis zur sechsten Klasse. Zwar gibt es drei gemauerte Schulgebäude, aber viele Klassen werden noch in wellblech-gedeckten Strohhütten unterrichtet. In den Klassen sind jeweils mehr als 100 Schüler, und die Kinder drängen sich zu Dritt auf einer Schulbank. „Hier besteht dringend Handlungsbedarf“, weiß Firmenich.