Naturschutz in der Region: Swisttaler und Rheinbacher helfen Kröten bei der Wanderung

Naturschutz in der Region : Swisttaler und Rheinbacher helfen Kröten bei der Wanderung

Naturschützer aus Swisttal und Rheinbach bauen Zäune für Amphibien und transportieren sie zu ihren Laichgewässern. Teilweise entstehen dadurch Verkehrsbehinderungen.

Peter Meyer (66) freut sich. Seit Kurzem hilft eine Familie mit Kindern während der Krötenwanderung mit, damit die Amphibien wohlbehalten im Naturschutzgebiet des Nabu (Naturschutzbund Deutschland) in Swisttal-Dünstekoven ankommen. Der stellvertretende Vorsitzende der Nabu-Kreisgruppe Bonn zeigt auf einen Aushang im Schaukasten, der am Zaun des Stützpunktes an der Waldstraße 31 hängt.

Insgesamt unterstützen acht Helfer die Wanderung der Amphibien – unter der Woche und am Wochenende. Die Kröten kommen aus den umliegenden Feldern, um in den Tümpeln des Naturschutzgebietes zu laichen. Bei den Tieren handelt es sich vor allem um Erdkröten und Schwanzlurche (Molche). Damit sie auf dem Weg nicht totgefahren werden oder Schäden an der Lunge davon tragen, die schon entstehen können, wenn ein Auto mit nur 30 Kilometern pro Stunde an ihnen vorbeifährt, haben die Naturschützer kürzlich wieder einen 400 Meter langen Zaun aufgestellt. Die dunkelgrüne Kunststoffplane ist mit Metallspießen im Boden verankert.

Hinter dem Zaun werden gewöhnliche Eimer in den Boden eingelassen. „Die Kröten und Molche wandern dann so lange den Zaun entlang, bis sie in einen Eimer fallen,“ erklärt Meyer und begutachtet einen Eimer mit seinen Kollegen Jürgen Wissmann (52), Leiter der Nabu-Naturschule, und Matthias Pütz (26), Praktikant bei der Organisation und Masterstudent im Fach Naturschutz- und Landschaftsökologie. Doch noch ist er leer, von Kröten und Molchen keine Spur. Damit er nicht voll Wasser laufen kann, hat er am Boden Löcher und in jedem steckt ein dünner Zweig, an dem Mäuse oder andere Säugetiere wieder hinausklettern können, falls sie ungewollt hineingefallen sind.

Rund 2000 Kröten erwartet

An die 2000 Kröten werden in den nächsten Wochen die Waldstraße überqueren. Dabei trägt das Weibchen, das um einiges größer ist als das Männchen, dieses auf dem Rücken zum Tümpel. „Sie kommen aus einem Umkreis von ein bis zwei Kilometern. Bis vor Kurzem haben sie noch Winterschlaf gehalten und sich zum Schutz vor Frost tief ins Erdreich eingebuddelt“, sagt Meyer, der inzwischen den Nabu-Stützpunkt betreten und im Büro Platz genommen hat.

Nach dem Ablaichen und wenn sich der Nachwuchs entwickelt hat, kehren die Tiere wieder in die Felder zurück, aus denen sie gekommen sind. Später, wenn die Jungtiere geschlechtsreif sind, werden sie in dasselbe Laichgewässer zurückkehren, in dem sie geboren wurden. „Das ist genetisch bedingt“, weiß Meyer.

Bis etwa Anfang April wird der Zaun stehen bleiben, dann haben die Kröten ihren Laich abgelegt. Aber: Selbst wenn die Tiere es bis zum Tümpel geschafft haben, heißt das nicht, dass sie lebend in die Felder zurückkehren. „Allein das Rübertragen des Männchens und das Ablaichen sind für die Weibchen sehr anstrengend. Viele überleben diesen Stress nicht“, sagt der Experte.

Fressfeinde bedrohen den Nachwuchs

Hinzukommt, dass auch die Kröteneier bedroht sind. Von 1000 Eiern kommen etwa nur ein bis zwei durch. Der Grund: Fressfeinde wie Molche, Graureiher und Libellenlarven lauern im Wasser und im Unterholz. Dennoch ist die Population der Erdkröte stark, weshalb sie nicht auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten steht. Anders sieht es bei Kreuz- und Wechselkröten sowie beim Laubfrosch aus.

Seit 1999 gibt es die Hilfsaktion für die Erdkröten an der Waldstraße in Dünstekoven. Motivation war laut Meyer, dass früher zu viele von den Amphibien überfahren wurden. Mittlerweile gibt es 15 verschiedene Arten im angrenzenden Schutzgebiet. Erst kürzlich kam die Gelbbauchunke dazu. Farblich gleicht sie an ihrer Unterseite dem gelb-schwarzen Feuersalamander. Wenn ein Fressfeind sie erspäht, legt sie sich auf den Rücken und stellt sich tot. Dann kommen ihre gelben Streifen gut zur Geltung und der Feind lässt von ihr ab; schließlich gilt die Farbe in der Natur als giftig.

Doch Meyer wiegelt ab. „Man stirbt nicht, wenn man einen Feuersalamander oder eine Gelbbauchunke anfasst. Man sollte anschließend nur nicht mit den Finger an die Schleimhäute kommen.“

Wer ehrenamtlich während der Krötenwanderung an der Waldstraße 31 helfen will, kann sich beim Nabu unter 02254/84-65-37 melden.

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