Attraktion im Doppeljubiläumsjahr: Stiftung sponsert Glasschmelzofen für Rheinbach

Attraktion im Doppeljubiläumsjahr : Stiftung sponsert Glasschmelzofen für Rheinbach

Die NRW-Stiftung finanziert einen Glasschmelzofen nach römischer Vorlage im Glasmuseum Rheinbach. Bau und Aufstellung erfolgen im September.

Eine ganz besondere Attraktion zum Doppeljubiläumsjahr (50. Geburtstag des Rheinbacher Glasmuseums und 70. Geburtstag der Glasfachschule) ermöglicht eine großzügige Spende: Einen Zuschuss in Höhe von 13.000 Euro für den Bau und die Präsentation eines römischen Glasschmelzofens stellt die Nordrhein-Westfalen-Stiftung auf Antrag des Fördervereins Freunde edlen Glases zur Verfügung.

Die schriftliche Zusage dieser Fördersumme hat die stellvertretende Präsidentin der NRW-Stiftung, die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, dem Vorsitzenden des Fördervereins, Joachim Strasdas, im Glasmuseum überreicht.

Der römische Glasschmelzofen soll von dem Experimentalarchäologen Frank Wiesenberg gemeinsam mit Schülern des Berufskollegs am Glaspavillon aufgebaut und betrieben werden, so Strasdas. In dem Ofen können kleine bis mittelgroße formgeblasene Gefäße, Anhänger, Perlen oder kleineres Fensterglas hergestellt werden. Errichtet wird der Ofen auf einer transportablen Unterlage, um ihn später an seinen überdachten Standort, geschützt im Innenhof des Glasmuseums, transportieren zu können. Dort soll seine Funktion an einer Medienstation erläutert werden.

Glasschmelzofen als Herzstück des Jubiläumsjahres

„Ich freue mich, dass wir mit dem Glasschmelzofen ein Herzstück für das Jubiläumsjahr bekommen“, sagte Bürgermeister Stefan Raetz, der auch dem Regionalbeauftragten der NRW-Stiftung, Albert Plümer, für diesen „ersten Spendentermin in Rheinbach“ dankte. „Es ist etwas Altes, in dem etwas Neues entsteht, das gut hierher passt. Es wird beeindrucken, vor allem auch die Jugend, und es wird etwas wirklich Nachhaltiges sein.“ Kultur, Nachhaltigkeit und bürgerschaftliches Engagement bezeichnete Schock-Werner als wesentliche Kriterien für die Förderwürdigkeit von Projekten durch die NRW-Stiftung. „Das wird keine Eintagsfliege. Es wird viele schöne Anlässe geben, den Ofen anzufeuern“, war sich Museumsleiterin Ruth Fabritius sicher.

Einzelheiten erläuterte Experimentalarchäologe Wiesenberg, der bereits an mehreren Orten solche Projekte realisiert hat. Das Problem: Es gibt keine vollständig erhaltenen römischen Glasschmelzöfen. „Wir stehen mit der Forschung ganz am Anfang. Wir kennen nur die Ofensohle“, sagte der Fachmann. Einzige Information über die vollständige Konstruktion liefere die Darstellung auf einer Öllampe aus der Zeit, wie er an einem Duplikat zeigte.

Sicher sei allerdings, dass die Römer die Technik der Glasherstellung und -verarbeitung „perfekt beherrscht“ haben, was Glasfunde belegten. So seien etwa in Köln sechs Glashütten der Antike bekannt, in denen „profanes Glas“ für Fenster ebenso hergestellt worden sei, wie künstlerisch edles Glas, auf „das man selbst in Rom neidisch geworden wäre“. Durch die Rekonstruktion des Glasschmelzofens solle die Technik begreifbar und die Funktionsfähigkeit bewiesen werden, so Wiesenberg.

Das ist der Zeitplan

Georg Linden, Abteilungsleiter der Berufsfachschule für Glastechnik und Glasgestaltung am Berufskolleg (Glasfachschule), wird den Bau und den Betrieb des Glasschmelzofens mit zwei Teams von je vier Schülern ehrenamtlich unterstützen. Der Bau soll am Mittwoch, 12. September, starten, in Betrieb genommen werden soll der Ofen spätestens Montag, 17. September, und bis Ende der Woche in Benutzung bleiben. Für Mittwochabend, 19. September, ist ein „Bürgerglasblasen“ am Glaspavillon geplant.