Bewohner entsetzt: Sirene sorgt in Rheinbach für Ärger

Bewohner entsetzt : Sirene sorgt in Rheinbach für Ärger

Sirenen sollen Feuerwehren im Ernstfall alarmieren. Eine Anlage an einem Wohnhaus in Rheinbach ist jedoch äußerst ungünstig platziert. Die Bewohner klagen über ohrenbetäubenden Lärm.

Der Anblick ist respekteinflößend: Wenn Linda und Thilo (Namen geändert) aus dem Fenster ihrer neu bezogenen Wohnung an der Rheinbacher Keramikerstraße blicken, sieht das Studentenehepaar einerseits viel sprießendes Grün, andererseits starren sie mehr oder minder fassungslos auf eine Sirene, die hoch oben auf einer etwa fünf Meter hohen Stange thront, nur wenige Meter von ihrem Fenster entfernt. Wenn die Sirene Alarm schlägt, um etwa die Feuerwehrleute zum Einsatz zu rufen oder die Bevölkerung vor Gefahren zu warnen, beschallen mehr als 100 Dezibel die Nutzer zweier neuer Wohnhäuser.

Ursprünglich waren die beiden Gebäude mit 24 Wohneinheiten an der Keramikerstraße als Wohnhäuser für anerkannte Flüchtlinge vorgesehen. Im September vergangenen Jahres war der Wohnkomplex nach einem Jahr Bauzeit fertiggestellt worden. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) hatte 2015 die Bereitschaft signalisiert, die Häuser auf dem städtischen Areal als soziales Wohnungsbauprojekt zu errichten. Da die Frau des Studentenehepaars hochschwanger ist, sieht Gert-Uwe Geerdts, Anwohner und engagierter Flüchtlingshelfer, „Gefahr im Verzug“, wie er dem GA sagte.

Schallkopf vor dem Wohnzimmerfenster

„Bereits seit einem halben Jahr habe ich als Mitglied des Leitungsteam des Flüchtlingshelferkreises die Rheinbacher Verwaltungsspitze fortlaufend in den Sitzungen der Lenkungsgruppe auf diesen Konflikt hingewiesen, der mit diesem Neubau neben dem Spielplatz Stauffenbergstraße geschaffen wurde“, erklärte Geerdts. Bereits während der Planung des Gebäudes sei bekannt gewesen, dass sich dort in unmittelbarer Nähe eine Sirene befindet, deren Schallkopf sich in Höhe des Wohnzimmerfensters der obersten Wohnung befindet. Wie oft die Sirene geht, hängt von der Dringlichkeit der Feuerwehreinsätze ab. An jedem ersten Samstag im Monat schrillt sie probeweise, Alarmierungen via Sirene kommen darüber hinaus etwa ein bis zweimal im Monat vor.

Unverständlich ist für Geerdts, dass ausgerechnet diese Wohnung mit dem zweifelhaften Ausblick auf die laute Lärmquelle als eine der ersten vergeben wurde – und dann noch an ein Paar, das ein Kind erwartet. Nachdem sich der Ehrenamtler an Bürgermeister Stefan Raetz wandte, regte dieser an, die Sirene abzustellen. Letztlich ließ sich dies aber nicht realisieren, da die Sirene mit ihren Signalen zwei verschiedene Aufgaben erfüllt: zum einen den Ruf für die Feuerwehrleute und zum anderen das Signal für den Bevölkerungsschutz.

Neuer Standort an Hochschule

„Es war nie eine Frage, ob die Sirene versetzt wird“, sagte Norbert Sauren, Pressesprecher der Stadt Rheinbach, auf GA-Anfrage. Allerdings habe die ursprüngliche Planung, die Sirene auf dem Gebäude selbst zu installieren, nicht umgesetzt werden können, da der Eigentümer, die GWG, diesem letztlich nicht zugestimmt habe. Durch die Suche nach einem alternativen Standort für die Sirene, der jetzt mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg identifiziert wurde, ist eine zeitliche Verzögerung eingetreten, so Sauren. Ein entsprechender Vertrag mit der Hochschule Bonn, respektive dem Land NRW sei vorbereitet. „Sobald dieser unterzeichnet ist, wird die Verwaltung den Neubau einer Sirene ausschreiben und nach Beteiligung der Gremien in Auftrag geben. Insofern ist mit der Umsetzung bis Mitte des Jahres zu rechnen“, sagte der Stadtpressesprecher.

Und: Viele Menschen hatten sich gewundert, dass nach der Eröffnung des Hauses im September monatelang niemand in den 2,5 Millionen Euro teuren Neubau eingezogen war. Die Wohnanlage sei ursprünglich für die Unterbringung von Flüchtlingen geplant gewesen, berichtet Sauren. „Mittlerweile wurde diese umgewidmet und mit Bürgern belegt, die über einen Wohnberechtigungsschein verfügen. Sie ist also keinesfalls ausschließlich Flüchtlingen oder Beziehern von Leistungen nach dem SGB II vorbehalten“, stellte Sauren klar. „Auch wenn die Wohnungen übergangsweise leer gestanden haben, wäre ein zwischenzeitlicher Bezug mit Flüchtlingen nicht zielführend gewesen.“ Heißt: Die Stadt wollte vielerlei Wohnungssuchende in der neuen Immobilie unterbringen. Derzeit seien für zehn der 24 Wohnungen Mietverträge abgeschlossen, für alle weiteren läuft das Besetzungsverfahren.