Rheinbach Classics: Schmalztollen, Petticoats und Pferdestärken

Rheinbach Classics : Schmalztollen, Petticoats und Pferdestärken

Ein bisschen roch es am Wochenende in Rheinbach wie in den 50er Jahren: nach Maiglöckchen-Parfüm, Superbenzin und Pomade. Die Innenstadt rockte zwei Tage zur Großveranstaltung "Rheinbach Classics" mit Schmalztollen, Petticoats und Pferdestärken. Die Benzinpreise geraten in Vergessenheit beim Sound der Hubraum-Protze, wenn die "Minerva" ihre Stimme drohend erhebt und "Mustangs" und "Donnervögel" aus ihren Auspuffrohren dröhnend antworten.

Beim Oldtimer-Korso applaudierten unzählige Menschen den mehr als 600 Scheunenschätzchen und den passend gekleideten Fahrern auf der Hauptstraße. Die weiblichen Zuschauer in Petticoat, Pünktchenrock in grau, rot oder schwarz oder das männlichen Pendant mit Elvistolle zeigten sich offen für alle Karrossen.

Da tuckerte das Goggomobil genauso gefeiert über den Asphalt, beeindruckte der Opel Kadett mit "Bordsteinabstandhalter" ebenso wie das rote Ford Thunderbird Cabriolet. Die russische Antwort kam in Form eines schwarzen Tatras. Das älteste Fahrzeug war ein Lagonda aus dem Jahr 1927, gefahren von Leo Baumann und Heinz Brückmann.

Seine 140 Pferdestärken trugen ihn bereits von Peking nach Paris. Das Kontrastprogramm erlebte Mario Stamm aus Neuss. Sein Oldsmobile hatte nur 2008 Meilen auf dem Tachometer. Das Fahrzeug hatte nach dem Tod des amerikanischen Besitzers 30 Jahre lang in der Garage gestanden und kam mit 67 Meilen bei einer Versteigerung in seinen Besitz.

Am Samstagmorgen hatten zudem die rund 90 Oldtimer der Wertungsprüfung ihren Auftritt. In Ramershoven und Morenhoven saßen die Menschen beim Picknick mit Sekt und Selters am Wegesrand und begrüßten die Wagen mit Applaus. Frank und Anja Eberhart waren mit ihrem "Sahneschnittchen" unterwegs, einem so genannten Renault 4 CV.

Sie amüsierten sich über die Dickschiffe bei der Einparkprüfung: "Da haben viele Männer versagt." Erfolgreich waren hingegen Christian Fey mit Beifahrerin Manuela van Schewick. Sie belegten mit ihrem Marcos Mantula den ersten Platz in ihrer Altersklasse. Nicht nur der Chrom und Lack der Wagen wurden aufpoliert, auch die Besucher legten auf. Auf der Rock-Party am Samstagabend flogen die Röcke und Petticoats bis die Strumpfhalter blitzten.

Die Rheinbach Classics trumpften beim Korso mit illustren Namen auf, wie der von Marlene Dietrich. Die Namensschwester der Hollywood-Ikone wurde standesgemäß im Rolls Royce GOS aus dem Jahr 1931 gefahren. In den Papieren eines Ford Thunderbirds stand der Name eines berühmten Vorbesitzers, die Rocklegende Jerry Lee Lewis. Lisa Pick rollte als Marilyn Monroe in einem Ford Thunderbird ein, zur großen Freude der zahllosen PS-Freaks.

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