Karriere im Internet: Rheinbacher startet als Livestreamer "Alt-West" durch

Karriere im Internet : Rheinbacher startet als Livestreamer "Alt-West" durch

Die Unterhaltungskünste des 61 Jahre alten Rheinbachers gefallen mehr als 3300 Followern im Internet. Fünfmal in der Woche ist der Rheinbacher online, singt Lieder und erzählt Geschichten.

Das Internet bietet bekanntlich die unterschiedlichsten Plattformen, auf denen Menschen nicht nur andere Menschen kennenlernen, sondern diese auch beeinflussen oder unterhalten können. So kennt das Netz reichlich Stars – auch Influencer genannt –, die berühmt werden, weil sie etwa Trends in Sachen Style setzen. Und dann gibt es auch noch die Streamer, die eigene Talente live per Webcam und Internetstream im World Wide Web auf entsprechenden Plattformen verbreiten.

So eine Plattform für Streamer ist die Kontakt-, Chat- und Flirtbörse Lovoo, die der 61 Jahre alte Günter Müsseler seit dem Frühjahr für sich entdeckt hat. Allerdings weniger zum Flirten, denn der Frührentner ist glücklich und zufrieden verheiratet mit Ehefrau Anne, mit der er in einem Haus auf dem Campus Klein-Altendorf lebt. Günter Müsseler, dem man wohl ohne Bedenken ein heiteres Gemüt bescheinigen kann, geht es vielmehr darum, anderen Menschen als eine Art Alleinunterhalter Spaß zu bereiten. Genau das setzt er in Livestreams unter seinem Alias „Alt-West mit Herz“ und mit der Schiebermütze auf dem Kopf als persönliches Erkennungszeichen um.

Vier Tage in der Woche ist er online. Seine Programme gestaltet er oft quasi auf Zuruf von Mitnutzern der Plattform, die ihn etwa dazu anhalten, verkleidet mit einer Krone zu singen. Auch Tanzen und Luftgitarre spielen hat er im Repertoire, bis hin zum Erzählen von Geschichte aus dem Leben. Sein Streamer-Konzept, das er in einem kleinen Studio in seinem Haus umsetzt, scheint anzukommen: Rund 3300 Follower verfolgen die Späße von "Alt-West mit Herz" mittlerweile, wenn der montags, dienstags, donnerstags und freitags von 7 bis 9 Uhr und mittwochs von 18 bis 20 Uhr sozusagen auf Sendung ist. Müsseler, der sich selbst als einen der ältesten Livestreamer auf der Plattform bezeichnet, hat derweil so viel Freude an seinem Tun, dass er am kommenden Samstag zur Streamer-Party in sein Haus einlädt. Er erwartet rund 80 Gäste, darunter auch einige Stars aus der Streamer-Szene, wie er sagt.

Eine rheinische Frohnatur

Müsseler ist wohl das, was man sich so landläufig unter einer rheinischen Frohnatur vorstellt: Ein Mensch, der fast immer gute Laune hat, der voller Tatendrang steckt, der stets einen frechen Spruch auf den Lippen hat – natürlich auf Platt. Auch ist er natürlich einer, der gerne feiert – vor allem Karneval.

Mit seinen 61 Jahren fühlt sich der gelernte Raumausstatter auch angesichts seines vorgezogenen Ruhestands noch keineswegs zu alt, neue Herausforderungen anzunehmen. Seine kleine Internetkarriere, wenn man das so nennen mag, entsprang allerdings aus einer Laune heraus, und war alles andere als geplant: "Ich hatte mich im März auf Lovoo einfach mal spaßeshalber angemeldet und habe dort dann ein wenig den Entertainer gespielt." Etwa, indem er den Partyohrwurm "Drei weiße Tauben" interpretierte. "Ich war selber überrascht, wie gut das ankam", staunte er. Die Zahl der Follower stieg fortan merklich an. Und was ihn besonders freut: "Meine Fans kommen aus allen Altersgruppen." Und die hält er mit wechselnden Späßen, Wortspielen und Gesangseinlagen bei Laune.

Dass er rasch zu so etwas wie einem kleinen Stern am Streamer-Himmel auf der Plattform avanacierte, wurde Günter Müsseler dann im Juni klar: Da stand eine Party für 200 Lovoo-Nutzer auf dem Rhein-Ausflugsschiff Moby Dick auf dem Programm. Ein Überraschungsgast war mit an Bord: Ein Mann mit Schiebermütze und dem Aufdruck „Alt-West mit Herz“ auf dem T-Shirt – Günter Müsseler. Was er zum Besten gab? Natürlich den Hit "Drei weiße Tauben". Auch in Rheinbach erkennt man ihn inzwischen: "Auf den Rheinbach Classics hat mich ein Fan angesprochen." Unlängst stand auch ein Follower aus der Schweiz bei ihm vor der Haustür.

Der anhaltende Zuspruch motiviert ihn, so sagte er, "noch mehr Gas zu geben". Neben der Streamer-Party am kommenden Samstag, auf der allein geladene Gäste willkommen sind, hat er daher auch noch Weiteres vor: "Im Dezember mache ich eine Tour nach Paderborn, Magdeburg und Berlin." Was ihn dorthin treibt? "Ich will meine Fans besuchen."

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