Woher kommt der Osterhase?: Rheinbacher Kunsthistorikerin erklärt Osterbräuche

Woher kommt der Osterhase? : Rheinbacher Kunsthistorikerin erklärt Osterbräuche

Hungertuch, Klappern und Aschenkreuz - von diesen Ostertraditionen haben wir alle schon einmal gehört. Aber woher stammen die Bräuche eigentlich? Kunsthistorikerin und Stadtführerin Petra Lentes-Meyer hat Antworten.

„Titschen“, „Klappern“, „Schmachtlappen“: In den verschiedensten Regionen gab es zur Osterzeit wiederkehrende Riten. Einige von ihnen gibt es heute noch, andere gerieten in Vergessenheit. Der Osterhase ist an den Festtagen in den Familien ein gern gesehener Gast. Was aber hat der Hase mit Ostern zu tun, dem ältesten und höchsten Fest der Christen zur Erinnerung an die Leiden und die Auferstehung Jesu Christi?

Von den Traditionen in Fastenzeit, Karwoche und an Ostern erzählte die Kunsthistorikerin und Stadtführerin Petra Lentes-Meyer in ihrem Vortrag „Von den Osterglocken zum Osterhasen – alte Fasten- und Osterbräuche“ in der katholischen Bücherei Sankt Martin in Rheinbach. Launig und amüsant berichtete die 53-jährige Brühlerin von mittelalterlichen Büßern während der 40-tägigen Fastenzeit, von fliegenden Kirchenglocken und von der reinigenden Wirkung des Osterwassers.

Allein schon die Erklärung des Wortes „Ostern“ sei nicht so einfach, meinte Lentes-Meyer. So gehe die Bezeichnung wahrscheinlich auf die indoeuropäische Sprachwurzel „aus“ – scheinen, glänzen, leuchten – zurück. Daraus habe sich das germanische Wort „aust“ entwickelt mit der Bedeutung „Osten“, dort, wo die Sonne aufgehe und das Morgenlicht beginne.

Aschenkreuz: Fastenzeit zielte auf Sünder ab

Schon früh habe sich der gläubige Mensch in der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Gründonnerstag mit einer inneren und äußeren Reinigung auf das höchste Fest im Jahresverlauf vorbereitet, so die Referentin. „Die Fastenzeit richtete sich besonders an die Sünder, die Buße tun sollten, wobei die Buße eine öffentliche Angelegenheit war. Die Sünder erhielten zu Beginn Asche aufs Haupt oder ein Aschenkreuz – daher der Name Aschermittwoch –, durften nicht mehr an den Gottesdiensten teilnehmen und wurden erst Gründonnerstag wieder in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. Während dieser Zeit mussten sie besondere Kleidung aus grobem Leinen tragen“, schmunzelte die Fachfrau, die bei der Gelegenheit auf die Strenge der kulinarischen Fastenregeln hinwies.

Fleisch, Eier und Butter waren verboten, Bier als Alltagsgetränk gehörte zum täglichen Verzehr dazu. „Das tranken auch die Kinder“, erzählte Lentes-Meyer. Schon im Hochmittelalter seien während der gesamten Fastenzeit das Kreuz Christi und die Flügelaltäre mit Leinentüchern verhüllt worden, den sogenannten „Schmachtlappen“ oder „Hungertüchern“, denn die Gläubigen sollten auch „mit den Augen fasten“. Dabei wurde die Gestaltung der Tücher im Laufe der Jahrhunderte immer aufwendiger – eine Tradition, so die Brühlerin, die auch heute noch in den Gemeinden gängige Praxis sei.

Ein einschneidendes Erlebnis für die Menschen von einst sei allerdings immer wieder das Schweigen der Kirchenglocken ab Gründonnerstag gewesen. „Die Menschen dachten, dass die Glocken nach Rom fliegen“, lachte die Referentin. In dieser Zeit seien Jugendliche mit Klappern drei Mal am Tag durch den Ort gezogen – sie klapperten die Häuser ab, um den Menschen eine zeitliche Struktur zu geben. Woher die Bezeichnung Gründonnerstag komme, sei laut Lentes-Meyer nicht klar. Man könne allerdings feststellen, dass die Menschen an dem Tag grüne Speisen bevorzugten. So sei in Frankfurt die grüne Soße, in anderen Regionen Spinat oder das Würzen mit grünen Kräutern bis heute üblich.

Ausgestorbene Tradition: das Osterwasser

Die Osternacht und den Ostersonntag repräsentieren immer noch Symbole, die auf das Licht Gottes und die Auferstehung hindeuten, wie unter anderem das Osterfeuer und die Osterkerze. Sie werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag entzündet. Hingegen spiele das Osterwasser in der Gegenwart keine Rolle mehr. Der Aberglaube veranlasste nämlich früher die Menschen in der Osternacht, das Wasser in nahen Gewässern zu trinken und das Vieh damit zu besprengen.

„Dieses Osterwasser sollte gegen das Altern helfen und im folgenden Jahr Gesundheit bringen. Aber: Es durfte auf keinen Fall gelacht werden, denn dann verpuffte die besondere Wirkung“, berichtete die Expertin. Zur Osterspeise gehöre bis heute das Osterlamm – eine Tradition, die auf das Pessach-Lamm des jüdischen Glaubens zurückgehe. „Das Lamm gibt es heute auch in gebackener Form, im vorderen Lauf eine Siegesfahne als Zeichen des Sieges über den Tod.“

Der Osterhase: eine Erfindung der Evangelen?

Als Tradition bezeichnete Lentes-Meyer das Beschenken von Familie und Nachbarn mit rot gefärbten Hühnereiern, denn „das Ei versinnbildlicht die Auferstehung, da das Küken die Eischale genauso zerbricht wie Jesus das Grab zerbrochen hat“. Belege für das Verschenken von Eiern gebe es allerdings erst seit dem 17. Jahrhundert. Der Brauch habe sich allmählich durchgesetzt. Kinder in der Stadt gingen um 1900 auf Eiersuche, um 1930 seien Osternester bei rheinischen Familien üblich gewesen.

Das Ei wurde jahrhundertelang nicht verschenkt, sondern sei zum Spielen benutzt worden. Wie beim „Titschen“: Da wurden die Spitzen zweier Eier gegeneinander geschlagen. Sieger wurde der, dessen Ei nicht zerbrach. Wer aber bringt die Ostereier? Glaubten die Menschen zunächst, dass die zurückkehrenden Kirchenglocken diese mitbrächten, so änderte sich die Auffassung während der Reformation. „Brauchtumsforscher gehen heutzutage davon aus, dass der Osterhase eine evangelische Erfindung ist. Man wollte sich von der katholischen Ostereiersegnung distanzieren.“ Ab 1900 habe der Osterhase seinen Siegeszug angetreten und sei für das Verstecken von Eiern und Nestern zuständig gewesen.

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