Engagierte Bürokratielotsen: Rheinbacher helfen Flüchtlingen bei Jobsuche

Engagierte Bürokratielotsen : Rheinbacher helfen Flüchtlingen bei Jobsuche

Auf der einen Seite stehen Unternehmer, die händeringend Mitarbeiter suchen, auf der anderen Flüchtlinge, die gerne arbeiten wollen: Die Bürokratielotsen des Rheinbacher Flüchtlingshelferkreises bringen beide Seiten zusammen. Zur Zufriedenheit aller.

Eigentlich könnte sich Udo Werner das Öffnen der großen Briefumschläge sparen – zumindest, wenn er weiß, dass eine Bewerbung in dem Kuvert schlummert. Der Geschäftsführer der Firma Werner Vakuumsauger und des Sport Point in Meckenheim sucht händeringend neue Mitarbeiter. „Bei der letzten Ausschreibung einer Stelle habe ich 40 Bewerbungen erhalten, und davon sind 37 Bewerber gar nicht erst zum ausgemachten Gespräch erschienen“, berichtet Werner, der 40 Mitarbeiter beschäftigt. Dass er mit Tarek Khouli (25) aus Syrien dennoch einen qualifizierten und sehr zuverlässigen Mitarbeiter, wie Werner sagt, für seine Vakuumsaugerherstellung im Industriepark Kottenforst gefunden hat, verdankt er dem Bürokratielotsen des Rheinbacher Flüchtlingshelferkreises.

Die versuchen nicht nur, Flüchtlinge durch das Dickicht von Bürokratie, Formularen und Vorschriften zu lotsen, sondern insbesondere, ihnen die Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Ein stilles, von den Strapazen einer langen Reise vom Bürgerkriegsland Syrien quer durch die Türkei, den Balkan und Südosteuropa gezeichnetes Sextett sei es gewesen, welches im Herbst 2015 im Rheinbacher Ortsteil Ramershoven in der dortigen Mehrzweckhalle ein temporäres Obdach erhielt, erinnert sich Dirk M. Frankenberger, Vorsitzender des Flüchtlingshelferkreises Rheinbach: Drei Jahre später sind Hani Khouli (21), Nasooh Khouli (21), Sariah Khouly (23), Tarek Khouli (25), Mohamed Khouly (19) und Adel Al Mazzi (52) alle in den Arbeitsmarkt integriert, wie sie freudestrahlend im Gespräch mit dem General-Anzeiger berichten.

"Flüchtlinge nehmen niemandem den Job weg"

Mit dem Problem, fähige Mitarbeiter zu finden, steht Udo Werner beileibe nicht allein da. Auch Norman Weisleder, Inhaber der Rheinbacher Kfz-Reparaturwerkstatt Autoport Weisleder, berichtet von Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt fündig zu werden. „Ich habe zwei Jahre nach einem geeigneten Mitarbeiter gesucht, und keinen gefunden“, sagt Weisleder. Beim „Klinkenputzen“, wie Frankenberger es nennt, stoßen die Flüchtlingshelfer auch auf Weisleders Unternehmen.

„Man kann wirklich nicht sagen, dass Flüchtlinge jemanden einen Job wegnehmen“, betont Weisleder. Er hat den 52 Jahre alten Automechaniker Adel Al Mazzi eingestellt. „Ich habe schon 35 Jahre als Automechaniker gearbeitet, auch mit vielen deutschen Modellen“, berichtet Al Mazzi. Da sein Deutsch am Anfang des Engagements noch ausbaufähig gewesen sei, haben sich der Firmenchef und sein neuer Mitarbeiter aus dem Nahen Osten anfangs auf Englisch unterhalten. „Durch Adel habe ich mein Englisch aufgebessert“, sagt Weisleder. Im Gegenzug habe sich der 52-Jährige in Windeseile das Spezialvokabular und alle Fachausdrücke angeeignet. „Ich bin froh, dass ich ihn habe und ich könnte noch mehr von seinem Schlag brauchen“, bekundet Weisleder.

Eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert der 21 Jahre alte Hani Khouli, den Dagmar und Peter Hölscher, Inhaber der Firma DPH Designagentur in Rheinbach, eingestellt haben. Die Eheleute und ihre Mitarbeiter designen und vertreiben vielfältigen Kinderschmuck und andere Accessoires. „Wir können von Bewerbern berichten, die im Vorstellungsgespräch zu verstehen gegeben haben, dass sie am Wochenende aber nicht arbeiten wollen“, berichtet Peter Hölscher. „Das ist im Einzelhandel natürlich ungünstig.“ Nach einem Praktikum im Unternehmen haben die Hölschers Khouli eine Ausbildung angeboten. „Wir erkennen, dass das Bildungsniveau der Geflüchteten aus Syrien zumeist sehr hoch ist“, berichtet Frankenberger, „sie besitzen eine besondere Methodik des Lernens“. „Ich hatte anfangs viele Schwierigkeiten mit der Sprache“, räumt Hani Khouli ein. „Die Mitarbeiter sind sehr freundlich zu mir, und sie zeigen mir, was ich tun muss.“ Geradezu gerührt ist er, dass die Kollegen mitunter extra langsam gesprochen haben, damit er dem Gesagten auch folgen kann. „Das finde ich so nett“, sagt Khouli.

"Wir hoffen, dass die jungen Leute bleiben"

„Der beste Sprachkursus ist ein Job. Jeder, den wir betreuen, hat dadurch einen Sprung gemacht“, findet Flüchtlingshelferin Elsbeth Weiler. Sie betreut den 23 Jahre alten Sariah Khouly, der bei der Stadt Bonn eine Ausbildung als Kläranlagentechniker begonnen hat. „Ich bin sogar beim Elternabend für die Auszubildenden gewesen, um mir anzusehen, wie Sariah arbeitet – ein technisch anspruchsvoller Job“, erklärt Weiler.

Auch Al Mazzi lernt systematisch: Er hat immer ein Notizheftchen bei sich. Darin notiert er alle Begriffe, die ihm nicht auf dem ersten Blick erklärlich sind und lässt sie sich dann von den Kollegen erklären. Der berufliche Erfolg sorgt dafür, dass die meisten der sechsköpfigen Gruppe nicht mehr auf Flüchtlingsunterkünfte angewiesen sind, sondern in einer Wohnung oder einer Wohngemeinschaft leben. „In dieser Runde hat die Integration schon funktioniert“, so Frankenberger. „Wir hoffen, dass ihr jungen Leute auch bleibt“, sagt Dagmar Hölscher. „Wir können euch brauchen.“

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