Förderung der Alexander-Tutsek-Stiftung: Rheinbacher Glasfachschule erhält 150.000 Euro

Förderung der Alexander-Tutsek-Stiftung : Rheinbacher Glasfachschule erhält 150.000 Euro

Die Rheinbacher Glasfachschule kann dank einer Stiftung aus München die Bandbreite der Ausbildung erweitern. Die Schüler arbeiten verstärkt skulptural und digital.

Ein Geschenk der besonderen Art haben die Schüler und Lehrer der Rheinbacher Glasfachschule bekommen: Sie können jetzt völlig neue Wege der Ausbildung beschreiten. Das Ausbildungsportfolio der Berufsfachschule für Glastechnik und Glasgestaltung erweitert sich um den Bereich der skulpturalen Glaskunst.

Nicht etwa das Christkind oder andere himmlische Helfer zeichnen für „die Verwirklichung eines langgehegten Traums“, wie Walter Dernbach, Leiter der Glasfachschule, es nennt, sondern die Förderung der Alexander-Tutsek-Stiftung. Diese gemeinnützige Stiftung mit Sitz in München stellt der Glasfachschule 150.000 Euro zur Verfügung - verteilt auf drei Jahre.

Hintergrund: Die Alexander-Tutsek-Stiftung fördert Kunst und Wissenschaft und legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Förderung zeitgenössischer Kunst mit dem Material Glas. Vor allem die Nachwuchsförderung liegt Eva-Maria Fahrner-Tutsek, Witwe des Unternehmers und Namensgebers der Stiftung, Alexander Tutsek, nach eigenem Bekunden am Herzen. 2016 hat die Stiftung darum ein Förderprogramm aufgelegt, mit dem neben dem Institut für Künstlerische Keramik und Glas (IKKG) der Hochschule Koblenz und anderen Institutionen, nun auch die Glasfachschule Rheinbach finanziell unterstützt wird. „In das Anliegen der Stiftung, junge Künstler zu fördern, passen wir natürlich sehr gut rein“, sagt Dernbach im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Die skulpturale Glaskunst sei deswegen ein wichtiges Metier, da Kunstschaffen auch im Zeitalter zunehmender Digitalisierung ein individueller kreativer Prozess ist und bleibt. Die Wertschätzung für künstlerische Tätigkeit lasse sich trotz industrieller Massenproduktion an einer Tendenz zur Individualisierung im Objektdesign, zur Erstellung von Unikaten beobachten. Um die Singularität künstlerischen Schaffens nicht nur zu erhalten, sondern noch stärker zu betonen, könne die Glasfachschule dank der finanziellen Förderung der Alexander-Tutsek-Stiftung nun den Bereich der skulpturalen Kunst aus Glas als Zusatzqualifikation in die Ausbildung integrieren, wie Stephanie Merkenich, Abteilungsleiterin für die Berufsfachschule für Gestaltung an der Glasfachschule, sagt.

„Wir wollen kein Schauglasblasen oder ähnliches auf die Beine stellen. Wir wollen die Fertigkeit der skulpturalen Glaskunst nachhaltig in die Ausbildung integrieren“, erklärt Georg Linden, Abteilungsleiter der Berufsfachschule für Glastechnik und Glasgestaltung. Das neue Zusatzmodul „Skulpturale Glaskunst“ ergänzt das Kompetenzportfolio der Glas-Auszubildenden, die das Modul als Teil der Glas-Ausbildung in den Segmenten Glasschmelzen, Glasblasen und Sandguss zur Erstellung von Skulpturen während ihrer Ausbildung im zweiten und erneut im dritten Ausbildungsjahr durchlaufen. Außerdem finden Workshops und Sommerakademien mit renommierten internationalen Glaskünstlern statt. Im Fokus steht dabei die Vermittlung künstlerischer Techniken zur Erstellung von skulpturalen Hohlkörpern aus Glas und deren Veredelung. Dank der Förderung konnte die Glasfachschule bereits einen neuen Glasschmelzofen und eine sogenannte Glory Hole anschaffen, mit denen das Glasgießen, genauer gesagt der Sandguss, sowie das Glasblasen und die sogenannte Roll-Up-Technik gelehrt werden.

Was mit dem neuen Glasschmelzofen möglich ist, stellten Glaskünstler wie der Australier Scott Chaseling vor einigen Wochen unter Beweis. Bei einem Workshop am neu angeschafften Ofen, der bis zu 1300 Grad Hitze erzeugen kann, um Glas zum Schmelzen zu bringen, zeigten Chaseling und andere Koryphäen ihrer Kunst, wie vielseitig kunstvoll gestaltetes Glas entstehen kann. „Die Schüler waren sehr inspiriert von den Dingen, die die Künstler aus Glas hergestellt haben - und wie sie es hergestellt haben“, berichtet Linden. An gleich mehreren Öfen habe Chaseling unterschiedlichste Techniken der Glasgestaltung präsentiert. Nicht zuletzt dank der Neuanschaffungen und der Kooperationen mit den eingeladenen Glaskünstlern sei, so findet Georg Linden, eine „neue Dynamik“ an der Schule festzustellen.

Eine zusätzliche Erweiterung an Know-how erfahren die Auszubildenden der Berufsfachschule für Glastechnik und Glasgestaltung überdies durch die ebenfalls ins schulinterne Curriculum zu integrierende Kooperation mit der Abteilung der Berufsfachschule für Gestaltung an der Glasfachschule, die neben Gestaltungstechnischen Assistenten mit dem Schwerpunkt Grafik- und Objektdesign auch den Schwerpunkt Medien und Kommunikation ausbildet. In beiden Bereichen wird für das Objektdesign dann das dreidimensionale Gestalten mit einer Software vermittelt. Wo in der Vergangenheit nur punktuell – insbesondere bei Ausstellungsprojekten – zusammengearbeitet wurde, wird nun die abteilungsübergreifende Kooperation als eigenes Modul in die didaktische Jahresplanung integriert. Hiermit können die Glas-Auszubildenden dreidimensionale Modelle erstellen, mit denen skulpturale Objekte in Glas gegossen werden können. „Wir wollen neue Ideen von Glaskunst vermitteln“, so Georg Linden.

Und: Der neue Ausbildungsschwerpunkt werde das Berufskolleg auch für neue Schüler öffnen, weiß Schulleiter Walter Dernbach. Die Berufsschule möchte nämlich künftig mit dem Institut für Künstlerische Keramik und Glas in Höhr-Grenzhausen sowie Ausbildungsstätten in Tschechien, Frankreich und Polen kooperieren. „Unsere Ausbildung wird somit auch für Abiturienten interessanter“, so Dernbach. „Die sehen nämlich dann bereits in der Berufsschule die Perspektive zum Hochschulstudium.“