Denkmalschutz für Marienkapelle: Rheinbach sichert die Schönstattkapelle

Denkmalschutz für Marienkapelle : Rheinbach sichert die Schönstattkapelle

Eigentlich sollte die Marienkapelle am Pallotti-Areal schon 1994 unter Schutz gestellt werden. Ein Bürgerantrag hat daran erinnert. Als Nummer 155 steht sie nun in der Denkmalliste der Stadt.

Die Marienkapelle am Rheinbacher Pallotti-Areal ist nun auch formal ein Denkmal. Die Stadt stuft das kleine Gotteshaus aus „wissenschaftlichen, besonders architektur- und ortsgeschichtlichen, städtebaulichen sowie ortsbildprägenden Gründen“ als erhaltenswert ein – und mit der Unterschutzstellung verhindert sie, dass es im Fall einer späteren Bebauung des zum Verkauf stehenden Geländes der Pallottiner den Baggern zum Opfer fallen könnte.

Der Bauausschuss des Stadtrates nahm die Information erfreut zur Kenntnis. Der stellvertretende Bürgermeister Karl-Heinz Kerstholt (SPD) sagte im Namen des Gremiums: „Wir freuen uns.“ Erleichterung spielte wohl ebenfalls mit. Laut dem Ausschussvorsitzenden Dieter Huth war der Schutz der Kapelle zwar bereits 1994 avisiert, die Verzeichnung als „Nr. 155“ der Denkmalliste sei dann aber „irgendwie verbaselt“ worden.

Ein Bürgerantrag hatte die Sache nun wieder in Erinnerung gebracht. „Diese Kapelle ist weder aus den Herzen der Menschen noch aus dem Stadtbild...wegzudenken“, heißt es in dem Antrag vom Mai 2018 für die Aufnahme in die Denkmalliste.

Und weiter: „Da sie der Marienkapelle von Schönstatt nachempfunden ist, erinnert sie ... an das Schicksal der Menschen, die ihre Heimat durch Krieg und Vertreibung verloren haben.“ Auch wird sie als Symbol der „langjährigen tiefen Verbundenheit Rheinbachs mit dem Pallottiner-Orden“ gewürdigt.

"Wichtiges Zeugnis" für die Stadtgeschichte

Das kleine Gotteshaus liegt an der Straße Vor dem Voigtstor, Gemarkung Rheinbach, Flur 28. Die Stadt stuft es in einer Mitteilung als „ein wichtiges Zeugnis und bedeutend für die Geschichte des Menschen“ ein. Neben der Marienkapelle breitet sich seit dem Abriss der Pallottiner-Gebäude derzeit eine Brache aus, die bebaut werden soll. Wann und in welcher Form steht allerdings noch in den Sternen. Das Gelände ist noch nicht verkauft.

Errichtet wurde das Gemäuer im Stil der „Schönstattkapellchen“ in den Jahren 1949/50 auf einem Hügel aus Trümmern des früheren Hermann-Josef Kollegs (siehe Infokasten). Dieses war bei einem Bombenangriff 1945 zerstört worden. Die Anregung zu dem Kapellenbau ging 1947 von Pallotti-Schülern aus, die damit die Marienverehrung in Vallendar Schönstatt bei Koblenz aufnahmen.

Bürger sammelten Spenden für die Renovierung

Zu Anfang dieses Jahrtausends war das Kirchlein in einem miserablen Zustand. Da jedoch die Pallottiner kein Geld für die dringende Sanierung hatten, sammelten Rheinbacher Bürger um Werner Gerhards und Erich Scharrenbroich die notwendige Summe. Das Gebäude wurde in seinen heutigen Zustand versetzt.

Die große Spendenbereitschaft von Bürgern, Banken und Unternehmen unterstreiche die Verbundenheit der Rheinbacher mit dem Gebäude, heißt es auch im Denkmalschutz-Bürgerantrag. Der Denkmal-Bescheid beschreibt die Marienkapelle als „Putzbau auf Kellergeschoss mit 3-seitig geschlossener Apsis“. Rundbogenfenster, ein großes Rundbogenportal, darüber Glockenfenster, Dachreiter und ein „verschleiertes Satteldach“ bilden die weiteren äußeren Charakteristika.

Im Inneren finden sich eine breite Chorarkade, im Chor ein Holzaltar aus Eiche in neubarocken Formen, Vortragealtar und Lesepult in der gleichen Ausstattung. Einfaches Holzgestühl komplettiert die Ausstattung der Kapelle, die besonders im Mai für Marienandachten genutzt wird.

Von den weltweit 200 Bauten in ähnlichem Stil stehen 56 in Deutschland, 29 im restlichen Europa und 76 in Südamerika. Die internationale Schönstatt-Bewegung mit Zentrum in Vallendar hat die geistliche Erneuerung und Vereinigung katholischer Gläubiger mit apostolischer Ausrichtung zum Ziel.

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