Spiel mit Fachwerk und Farben: Rheinbach ehrt Architekt und Künstler Claus Kerwer

Spiel mit Fachwerk und Farben : Rheinbach ehrt Architekt und Künstler Claus Kerwer

Der Architekt und Künstler Claus Kerwer hat in Rheinbach eindrucksvolle Spuren hinterlassen. Der Weg am Ehrenmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges trägt jetzt den Namen des 1991 verstorbenen Architekten und Künstlers.

Der Weg östlich des Gräbbachs entlang des Mahnmals für die Opfer des Zweiten Weltkrieges heißt jetzt offiziell „Claus-Kerwer-Weg“. Damit hat eine Bürgerinitiative ihr Ziel erreicht: Das Lebenswerk des Architekten und Künstlers Claus Kerwer zu würdigen. Am 10. April 1910 in Mendig geboren, ist Kerwer als Sohn eines Gegenbuchzeichners – eine Art Buchhalter – und späteren Direktors der Rheinbacher Sparkasse in der Glasstadt aufgewachsen. Bis zu seinem Tode am 23. November 1991 hat er das Stadtbild auf vielfältige Weise geprägt. Auch in der Region gehen diverse Glasfenster in Kirchen und Kapellen sowie in Verwaltungsgebäuden wie dem Amts- und Landgericht in Bonn auf Kerwer zurück.

Aufmerksamen Spaziergängern fallen vor allem die besonderen Fachwerkhäuser, die sich an unterschiedlichsten Ecken Rheinbachs finden, ins Auge. „Er hat mit dem Fachwerk gespielt, modern gearbeitet, dabei aber die Verbindung zur Vergangenheit gehalten“, schwärmt Winfried Fischer, Weggefährte Kerwers und Rheinbacher Unternehmer. Jedes Haus und jeder Beschlag an den individuell gestalteten Türen sei anders.

Mit Stadtarchivar Dietmar Pertz ist Fischer dabei, Claus Kerwer anhand einer Fülle von Texten und Daten biografisch zu skizzieren. Die Initiative, auf den Künstler im Stadtleben aufmerksam zu machen, war im Gespräch mit Frank Goldammer, Eigentümer eines „Kerwer-Hauses“, gekommen. „Jedes Jahr versammeln wir uns am Volkstrauertag am Denkmal im Stadtpark, und die wenigsten wissen, dass es von Claus Kerwer stammt“, beschreibt Goldammer, wie er auf die Idee kam. In Winfried Fischer fand er einen Sponsor, um das Projekt mit Arnd Pötter und Siegfried Bierwirth der Stadt Rheinbach vorzustellen.

Kerwer wuchs mit seinen vier Geschwistern in der Glasstadt auf, besuchte das Städtische Gymnasium und begann 1928 eine Lehre bei Schreinermeister Jakob Kann an der Hauptstraße (heute Eisdiele Marco Polo). Den guten Kontakt nach Rheinbach hielt er nicht nur während seiner Zeit an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Trier, sondern auch über die Kriegs- und Nachkriegszeit hinweg, als er 1946 am Bonner Talweg ein Architekturbüro eröffnete.

Einer der jüngsten Architekten Bonns

„Er galt damals als einer der jüngsten Architekten Bonns,“ so Kerwer-Experte Fischer. Über seinen Schwager Rudolf Schardt, der die Rheinbacher Keramikfabrik „Ruscha“ betrieb, machte Kerwer sich auch im Bereich Baukeramik einen Namen. Davon zeugen noch heute die beiden Wandreliefs im Rheinbacher Raiffeisenhaus.

„Auch die giebelständigen Häuserfassaden an der Hauptstraße tragen seine Handschrift“, erklärt Pertz den Einfluss des Architekten auf den historisierenden Wiederaufbau des im Krieg stark zerstörten Rheinbach. Bei allen Projekten stand das künstlerische Schaffen im Vordergrund. „Man musste ihn lassen, sonst hatte er keine Lust mehr“, charakterisiert Fischer.

Im Gespräch habe er abendelang die Menschen, für die er baute, studiert. Die Häuser wurden von A bis Z durchgeplant, das Steinmaterial bezog er aus der Region und auch bei der Innenarchitektur legte er selbst Hand an. „Wie seine Lebensweise waren auch seine Werke von Bescheidenheit geprägt, aber in architektonischer Schönheit“, sagt Fischer. In Kerwers Haus wurde bei morgendlichen Teestunden alles Wichtige mit den Handwerkern besprochen. Fischer: „Diejenigen, die mit ihm zusammenarbeiten durften, brauchten Zeit.“

Das bestätigt auch Gerhard Spilles, der lange als Kunstschlosser für Kerwer tätig war. Seine Tochter Sigrid Krämer erinnert sich noch gut an den Architekten mit der weißen Haarpracht, dessen Deckenbemalungen vor allem in den 1970er und 1980er Jahren beliebt waren. „Als Teenager habe ich genau beobachtet, wie er die vielen Farbschichten bei uns im Haus auftrug“, erzählt die Geschäftsfrau. „Ich weiß noch, dass meine Eltern mir meinen sehnlichsten Wunsch – ein lilafarbenes Zimmer – nicht erlaubten“, so Krämer. „Fahr in den Urlaub und lass mich machen“, habe Claus Kerwer gesagt. „Als ich zurückkam, waren die Wände lila, die Möbel weiß und orange – er war schon eine geniale Persönlichkeit,“ sagt Krämer.

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