Rheinbach Classics: Diskussion um Umweltschutz

CO2-Bilanz : Diskussion um Umweltschutz bei Rheinbach Classics

Die Rheinbacher Oldtimer-Organisatoren debattieren über den Umweltschutz bei den Rheinbach Classics. Im Raum steht das Pflanzen neuer Bäume als Emissionsausgleich.

Die Rheinbach Classics gelten als das Aushängeschild der Glasstadt. Wenn an einem Wochenende im Juli auf dem Himmeroder und dem Prümer Wall sowie den umliegenden Gassen und Straßenzügen im Rheinbacher Zentrum rund 700 Oldtimer zu sehen sind, reisen Nostalgiefreunde von nah und fern an, um sich die automobilen Schätze aus der Nähe anschauen zu können. Ob solch eine Veranstaltung in Zeiten einer hitziger werdenden Klimadebatte noch zeitgemäß ist, wollten die Rheinbacher Grünen jetzt in einer Anfrage an Bürgermeister Stefan Raetz (CDU) wissen.

Die Antwort des Verwaltungschefs fiel eindeutig aus: Die Oldtimershow sei nicht nur eine Werbeveranstaltung für die Stadt, sie habe vielmehr eine positive CO2-Bilanz aufzuweisen, hieß es. Während der jüngsten Sitzung des Stadtrates hatte Grünen-Ratsherr Heribert Schiebener zuvor Angaben der Veranstalter zitiert, wonach jährlich mehr als 20 000 Besucher zu den Classics nach Rheinbach kommen.

Und: Mit über 300 Oldtimern am Classics-Sonntag, dem Publikumsmagneten der dreitägigen Zeitgeistschau "Musik, Motoren, Petticoats", sei der Korso durch Rheinbach voll ausgebucht gewesen, berichtete Schiebener. Mehr als 100 Fahrzeuge hätten außerdem am Samstag an der 180 Kilometer langen Rallye durch die Umgebung teilgenommen.

Raetz konterte unter Berufung auf die Zählung eines engagierten Ehepaares, dass die Emissionen auf der L 158 Richtung Meckenheim an einem normalen Ferienwochenende vielfach höher lägen als während des "Classics"-Wochenendes. Dort führen an einem Feriensamstag 13 404 Fahrzeuge Richtung Wilhelmsplatz und sonntags zwischen 8 und 18 Uhr 6281.

Kaum Dieselfahrzeuge

Für den Classics-Samstag seien 350 und den -Sonntag 450 Oldtimer gemeldet gewesen. Rechne man noch 100 unangemeldete und 50 Fahrzeuge von Händlern hinzu, komme man am Samstag auf etwa 500 und am Sonntag auf etwa 600 Autos, die diese Landstraße passierten. Unter den Oldtimern seien kaum Diesel- und nur eine Handvoll großvolumige US-Fahrzeuge.

Umweltbewusst sei es auch, dass nur eine einzige Ausfahrt mit nicht einmal 200 Kilometern Distanz unternommen worden sei, was Anwohner wenig tangiere. Umweltbeauftragte der Classics-Organisatoren kümmerten sich um die Sicherheit, legten Öl-Auffangmatten aus und reinigten das Ausstellerareal nach dem Ende der Schau. Ressourcenschonend sei auch, dass Oldtimer mindestens 30 Jahre, normale Autos derzeit im Schnitt aber nur 9,4 Jahre alt seien - also mit einer signifikant längeren Lebensdauer gesegnet sind. "Ein Klassiker hat also schon mindestens zwei neu produzierte Fahrzeuge ersetzt", fasste Raetz zusammen.

Die Herstellung eines einzigen Elektroautos verbrauche im Vergleich zu einem herkömmlichen Pkw doppelt so viele Ressourcen. Das Fazit des Verwaltungschefs: Die Classics leisteten sogar "einen sehr guten Beitrag für den Umweltschutz".

Generell werde bei fast jeder menschlichen Tätigkeit, Reisen, Veranstaltungen, Warenproduktion, Kirmes, Konzerte, CO2 ausgestoßen. Selbst während einer Ratssitzung "sind wir Klimakiller", sagte Raetz. Denn es gebe Mineralwasser in Flaschen. "Leitungswasser ungekühlt hat 0,36 Gramm CO2 pro Liter, demgegenüber Mineralwasser 211,35. Also trinken wir demnächst nur noch ungekühltes Leitungswasser?", fragte der Bürgermeister.

Emissionen müssten ausgeglichen werden

Nicht alle Emissionen ließen sich zu 100 Prozent vermeiden. Um klimaneutral zu handeln, nannte er drei Möglichkeiten: vermeiden, reduzieren, kompensieren. Für klimaneutrale Rheinbach Classics müssten aber Emissionen an anderer Stelle ausgeglichen werden.

Überlegungen in dieser Richtung gebe es bereits: "Der Veranstalter diskutiert darüber, dies durch Aufforstung von Waldflächen zu tun", sagte Raetz. das Ergebnis dieser Debatte stehe allerdings noch aus. Auch möchte der Verein Rheinbach Classics mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg kooperieren, um gemeinsame Projekte in Sachen Nachhaltigkeitsforschung anzuschieben. Es gebe sogar einen Masterstudiengang Umweltjournalismus am Campus. Als Teil einer Forschungsarbeit könnte ein Nachhaltigkeitskonzept für das Oldtimertreffen entwickelt werden, erklärte Raetz.

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