Rheinbach: Ausgelaufenes Lösungsmittel verletzt neun Menschen

Feuerwehreinsatz in Industriebetrieb : Giftiger Stoff verletzt neun Menschen in Rheinbach

Ausgelaufenes Lösungsmittel hat in Rheinbach mehrere Menschen verletzt. Die Feuerwehr spricht von neun Verdachtsfällen. 300 Liter des Gefahrstoffs sind demnach ausgetreten.

Bei einem Arbeitsunfall im Rheinbacher Gewerbepark Nord sind am Montagmorgen neun Menschen verletzt worden. Wie Katarina Knoch, Sprecherin der Freiwilligen Feuerwehr Rheinbach, auf Anfrage des General-Anzeigers sagte, waren die Mitarbeiter einer Autozuliefererfirma an der Boschstraße während der Produktion mit der giftigen Chemikalie Tetrachlorethylen in Kontakt geraten.

Aus noch ungeklärter Ursache hatten sie Dämpfe des als Gefahrenstoff geltenden Lösungsmittels eingeatmet und anschließend über Reizungen der Atemwege geklagt. Alle neun Mitarbeiter kamen ins Krankenhaus. Wie lange sie dort bleiben müssen, blieb bis zum Redaktionsschluss des General-Anzeigers unklar.

In Rheinbach hat es in einem Industriebetrieb einen Unfall gegeben. Dort ist am Montagmorgen Lösungsmittel ausgelaufen. Foto: Axel Vogel

Um 7.13 Uhr waren Rettungsdienst und Feuerwehr zu dem Firmengelände unweit der A61 gerufen worden. Insgesamt waren 300 Liter des flüssigen Gefahrenstoffes in einer Werkshalle des Unternehmens, das Elektroanschlüsse für Autos produziert, ausgelaufen.

Vor Ort waren rund 30 Feuerwehrleute im Einsatz. Foto: Axel Vogel

Da zunächst nicht klar war, wie viele Mitarbeiter die gefährlichen Dämpfe eingeatmet hatten, wurde die Alarmierung „Massenanfall von Verletzten“ ausgelöst. 33 Wehrleute des Löschzugs Rheinbach, der Löschgruppe Niederdrees, die sogenannte Tagesalarm-Gruppe, der wehreigene Fachberater Chemie sowie Rettungsdienste rückten zum Gewerbepark Nord aus. Ebenso vor Ort war, wie bei solch einem Alarmierungsgrad üblich, der organisatorische Leiter des Rettungsdienstes im Rhein-Sieg-Kreis.

Wehrleute anderer Kommunen rücken bei Tagesalarm aus

Zugute kam den Einsatzkräften am Montag, dass die Freiwillige Feuerwehr Rheinbach bereits vor mehr als fünf Jahren eine sogenannte Tagesalarmgruppe gegründet hat. In dieser Gruppe sind alle Freiwilligen registriert, die tagsüber während der üblichen Arbeitszeiten zu einem Einsatz in Rheinbach ausrücken können – auch, wenn sie nicht Mitglied der Rheinbacher Wehr sind, sondern eigentlich in einer anderen Kommune leben, allerdings in Rheinbach arbeiten.

„Hierdurch kann die reduzierte Personalstärke tagsüber ausgeglichen werden, wenn viele Mitglieder der Feuerwehr Rheinbach außerhalb des Stadtgebietes arbeiten und damit nicht zeitnah zur Verfügung stehen“, berichtet Knoch. Die Einrichtung der Tagesalarmgruppe ist der Tatsache geschuldet, dass Arbeitnehmer heute weite Pendlerstrecken auf sich nehmen, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. „Immer mehr Kameradinnen und Kameraden arbeiten außerhalb von Rheinbach“, berichtet Katarina Knoch.

Hintergrund: Die Tagesalarmgruppe hat regelmäßige Übungsdienste, um sich mit der Ausrüstung und Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr Rheinbachs vertraut zu machen. „Der Einsatz in unterschiedlichen Feuerwehren ist möglich, denn die Ausbildung ist die gleiche“, weiß Knoch.

Viele Mitglieder dieser besonderen Abteilung sind bei der Stadt Rheinbach beschäftigt. Umgekehrt verpflichten sich auch Wehrleute aus der Glasstadt, in den Kommunen tagsüber zu Einsätzen zu eilen, in denen sie ihren Arbeitsplatz haben.

Unter Einsatz von Chemieschutzanzügen und unter Atemschutz rückten die Wehrleute in die Produktionshalle vor, die die Mitarbeiter bereits verlassen hatten. Mit einem Bindemittelgranulat gelang es den Einsatzkräften den Gefahrenstoff zu binden, der anschließend in mitgebrachten Spezialfässer abtransportiert werden konnte.

Nach einer Grobreinigung der kontaminierten Halle durch die Feuerwehr übernahm eine Spezialfirma die Endreinigung des Areals. Die Halle kann erst wieder freigegeben werden, wenn das Amt für Arbeitsschutz der Bezirksregierung Köln die Räumlichkeiten freigibt. Dieses Amt untersucht jetzt auch, wie es zu dem Arbeitsunfall in dem Unternehmen kommen konnte.

Bezirksregierung muss den Betrieb wieder freigeben

Wie Laurenz Kreuser, Wehrleiter der Rheinbacher Feuerwehr, dem General-Anzeiger sagte, war das ausgetretene Lösungsmittel nicht nur auf den Boden, sondern auch unter die Maschinen der Werkshalle gelaufen. Seiner Einschätzung nach, müssen darum auch diese Maschinen erst abgebaut werden, um die giftige Chemikalie zu entfernen, bevor der Produktionsbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Und: Das Unternehmen muss laut Kreuser finanziell für den Feuerwehreinsatz aufkommen. Die Kosten dafür schätzt der Wehrleiter im „hohen vierstelligen Bereich“, so Kreuser. Gegen 12.30 Uhr war der Einsatz für die Feuerwehr beendet.