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Polizeiwache in Meckenheim: Reuiger Räuber stellt sich nach fünf Jahren

Polizeiwache in Meckenheim : Reuiger Räuber stellt sich nach fünf Jahren

Im April 2010 überfiel er Mitarbeiter eines Supermarktes in Rheinbach, 2011 einen Supermarkt in Heimerzheim: Nachdem der 26-Jährige zum Islam konvertierte, wollte er nun sein Gewissen entlasten und stellte sich.

Der junge Mann, der am 14. September 2016 auf dem Polizeirevier in Meckenheim erschien, wartete brav, bis er an der Reihe war. Dann trug er sein Anliegen vor, und die Beamten glaubten, nicht richtig zu hören: Er habe, sagte der Besucher, ungefähr fünf Jahre zuvor zwei Überfälle in Rheinbach und Swisttal-Heimerzheim begangen, was ihn seitdem stark belastet habe. Inzwischen sei er zum Islam konvertiert und wolle nun sein Gewissen entlasten. Jetzt hat die Bonner Staatsanwaltschaft den heute 26-Jährigen wegen schwerer räuberischer Erpressung in zwei Fällen angeklagt.

Denn was die Polizisten damals zunächst kaum glauben konnten, erwies sich bei entsprechenden Nachforschungen als wahr. Zwar hatten die Beamten schon bei der Selbstanzeige des 26-Jährigen festgestellt, dass der Mann nicht wie ein verwirrter Wichtigtuer wirkte, obwohl er die Daten der beiden Taten nicht mehr benennen konnte. Aber er wusste dafür noch genau, wo und wie er zugeschlagen hatte – auch die Höhe seiner Beute. Als Grund für die Überfälle nannte der 26-Jährige, der heute arbeitslos ist: Er sei damals spiel-, alkohol- und drogensüchtig gewesen.

Mitarbeiter mit Softair-Pistole bedroht

Der Anklage zufolge beging er die erste Tat am 21. Mai 2010 in Rheinbach. Dort lauerte er abends um 20.05 Uhr vor einem Supermarkt zwei Mitarbeitern der Getränkeabteilung auf, die ihre Kasse ins Hauptgebäude brachten. Mit einer Softair-Pistole lief der damals gerade 21 Jahre alte Räuber laut Anklage auf sie zu und forderte die Kassette. Aus Angst übergaben die Opfer ihm die Kasse mit 4500 Euro Inhalt. Der Angeklagte flüchtete und wurde nie gefasst.

Ein Jahr später, am 15. April 2011, beging er laut Anklage den zweiten Überfall in einem Supermarkt in Swisttal-Heimerzheim. Kurz vor Geschäftsschluss betrat er den Laden, hielt einer damals 22-jährigen Mitarbeiterin ein Messer an die Rippen und forderte Geld. Aus Angst packte sie Scheine in seine Plastiktüte. Als der Täter bemerkte, dass Kunden ihn beobachteten, flüchtete er mit 355 Euro. Die Zeugen beschrieben auch in diesem Fall den Räuber als dünnen Mann mit schmalem Gesicht. Der 26-Jährige, der bis dahin nicht polizeibekannt war, geriet nie als Täter in Verdacht.

Bis er sich am 14. September plötzlich selbst stellte und festgenommen wurde. Denn tatsächlich konnten ihm die beiden ungeklärten Fälle zugeordnet werden – nicht zuletzt, weil er eindeutig Täterwissen hatte und der Zeugenbeschreibung entsprach.

In U-Haft aber kam er nicht: Die Staatsanwaltschaft beantragte keinen Haftbefehl, denn sie sah in diesem besonderen Fall weder den Haftgrund der Flucht- noch der Verdunkelungs- oder der Wiederholungsgefahr.

So bleibt der 26-Jährige nun bis zur Verhandlung vor dem Bonner Landgericht auf freiem Fuß – trotz der hohen Strafandrohung im Normalfall für Raub mit Waffen von fünf Jahren Mindeststrafe. Der Prozess ist noch nicht terminiert.