Kultur im ehemaligen Kolleg: Pallotti-Aula in Rheinbach trotzt dem Abriss

Kultur im ehemaligen Kolleg : Pallotti-Aula in Rheinbach trotzt dem Abriss

„Viel Platz für Kultur“: Rheinbacher Initiative will Kollegsaal als Kulturstätte erhalten. Auftakt am Freitag, 9. März, mit dem 19. Rheinhexenslam

An ein Trümmerfeld nach einem schweren Bombenangriff fühlen sich viele beim Anblick der Schuttberge erinnert: Die einstigen Schülerheime und das Jugendheim des Vinzenz-Pallotti-Kollegs (VPK) sind abgerissen. Die Bilder haben sich schnell über die Homepage vom „Freundeskreis Pallottistraße 1“ auch an diejenigen verbreitet, die nicht mehr in Rheinbach und Umgebung leben.

Wenn auch die Gebäude abgerissen und der Schul- und Internatsbetrieb eingestellt sind, wollen die Initiatoren auch künftig eine Anlaufstelle bieten, die die Verbindung untereinander ermöglicht. „Wir waren wirklich überwältigt von der Resonanz auf unsere Seite“, sagen Ralf Eschweiler und Stephan Faber. Über ehemalige Pallotti-Schüler und -Lehrer hinaus seien dank der starken Bindung unter den Schulen auch ehemalige Schülerinnen und Schüler von Sankt-Joseph-Gymnasium und Städtischem Gymnasium darüber verlinkt.

Mit dem Aufbau dieses Alumni-Netzwerks im Internet allein wollen sie es aber nicht belassen. Denn es gibt noch immer die Aula, die Kirche und das Kloster. Und damit die Chance für etwas Neues: „VPK – Viel Platz für Kultur“. „Die tolle Kirche mit ihrer Orgel und die wunderschöne Aula bieten sich als kleines kulturelles Zentrum an, das man wunderbar bespielen kann“, so Faber und Eschweiler.

Mit dem sehr rührigen Kulturverein Rheinbach liest haben sie bereits einen Kooperationspartner gefunden. Am Freitag, 9. März, bietet die VPK-Aula mit der Bühne und der Technik die geeignete Spielstätte für den 19. Rheinhexenslam. Fünf Poeten werden sich dem Publikum stellen, das mittels Juryabstimmung in der Vorrunde über die Finalteilnahme und schließlich über die Gewinnerin oder den Gewinner des Hexenturms aus Sterlingsilber entscheiden wird.

Moderator des Rheinhexen-slams wird der bekannte Slammer Lasse Samström sein – ein ehemaliger VPK-Schüler. „Lasse Sam-ström war 1985 Internatsschüler“, sagt Steffi Scherer vom Kulturverein Rheinbach liest. Er habe damals im Schülerheim Drei gelebt. „Es wird bitter für ihn, wenn er die Trümmer sieht“, ist sie sich sicher. Auf der Bühne der VPK-Aula habe Samström noch nie gestanden. „Für ihn ist das tatsächlich eine Premiere“, sagt Steffi Scherer.

„Es war immer sein Wunsch, dass der Slam hier einmal stattfinden kann.“ Insofern freue er sich trotz des Abrisses der Schülerheime über seinen „Einsatz an alter Wirkungsstätte zwischen Klostergarten und Kohlrouladenduft“. Sie zitiert Samström so: „Und ich selbst bin, was sonst ich auch wurde, eines immer geblieben: ein Interner von Schülerheim Drei.“

In Kooperation mit dem „Freundeskreis Pallottistraße 1“ plant der Verein Rheinbach liest weitere Kulturformate. „Wir wollen mit Partnern schauen, was in die Räume passt“, sagen Eschweiler und Faber. Sie können sich eine Mischung aus kulturellen und spirituellen Formaten vorstellen. In der Pallottikirche sei schon ein Orgelkonzert mit Gereon Krahforst geplant. Wobei man auch sehe, dass „an der Orgel einiges zu machen“ sei.

Mit ihrem Ansprechpartner und Hausherrn Pater Horst Liedtke sei vereinbart, dass die Rheinbacher Pallottiner für die entstehenden Ausgaben eine Spende erhalten. Ziel sei es, VPK im Sinne von „Viel Platz für Kultur“ in der nächsten Zeit so zu etablieren, dass Kirche und Aula als Begegnungs- und Kulturstätte erhalten blieben. Hausherr Pater Horst Liedtke freut sich schon jetzt: „Wir sind damit mehr als glücklich und zufrieden.“

Im Kloster leben derzeit neun Patres und Brüder, sagte Pater Liedtke dem GA. Das Pallotti-Internat hatte im Jahr 2009 seinen Betrieb eingestellt, das Kolleg im Sommer 2016 seine Pforten geschlossen.

Karten für den Rheinhexenslam am Freitag, 9. März, ab 19 Uhr gibt es für neun Euro in der Buchhandlung Kayser, Hauptstraße, und der Bücherei St. Martin, Lindenplatz.

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